Fusion in Amerika 05.06.2014, 14:53 Uhr

Telekom steht vor dem Verkauf von T-Mobile US an Sprint

Schon lange will die Deutsche Telekom ihr Abenteuer auf dem US-amerikanischen Mobilfunkmarkt beenden und ihre Tochter T-Mobile US verkaufen. Bisher vergeblich. Nun scheint sich der drittgrößte Anbieter Sprint mit dem viertgrößten Anbieter T-Mobile US aber einig geworden zu sein. Ein klarer Fall für die Kartellbehörden.

Die Deutsche Telekom will sich schon länger von ihrer amerikanischen Tochter T-Mobile US trennen. Jetzt scheint sie mit Sprint endlich einen Käufer gefunden zu haben. Allerdings könnte die Kartellbehörde die Fusion noch verhindern.

Die Deutsche Telekom will sich schon länger von ihrer amerikanischen Tochter T-Mobile US trennen. Jetzt scheint sie mit Sprint endlich einen Käufer gefunden zu haben. Allerdings könnte die Kartellbehörde die Fusion noch verhindern.

Foto: dpa/Oliver Berg

Die Deutsche Telekom ist ihrem erklärten Ziel, sich aus dem US-amerikanischen Markt zu verabschieden, offenbar einen großen Schritt näher gekommen. Die Mobilfunkanbieter Sprint Corp. und T-Mobile US haben sich nach amerikanischen Medienberichten auf die Grundlage einer Fusion geeinigt. Danach würde T-Mobile, das zu 67 Prozent der Deutschen Telekom gehört, mit etwa 32 Milliarden Dollar bewertet und Sprint würde rund 40 Dollar je Aktie von T-Mobile zahlen.

Aufschlag von 17 Prozent

Das würde einem Aufschlag von 17 Prozent auf den Schlusskurs von Mittwoch entsprechen. Es ist vorgesehen, dass Sprint die Übernahme je zur Hälfte mit Bargeld und eigenen Aktien bezahlt. Sollte der Deal zustande kommen, würden sich der dritt- und viertgrößte Mobilfunkanbieter der USA zu einem neuen schlagkräftigen Wettbewerber vereinen, der die Marktführer Verizon Communications und AT&T ordentlich unter Druck setzen kann. Im Gegenzug sinken aber dann für die Verbraucher die Zahl der Anbieter und der Wahlmöglichkeiten. Eine solche Fusion wird deshalb bei den Kartellbehörden auf großen Widerstand stoßen und eine langwierige kartellrechtliche Prüfung nach sich ziehen. Sprint muss T-Mobile US mehr als eine Milliarde Dollar in bar und anderen Vermögenswerten zahlen, wenn der Deal platzen sollte.

Große Fusionswelle im amerikanischen Telekommunikationssektor

Doch sowohl Sprint als auch T-Mobile US rechnen sich angesichts der jüngsten regulatorischen Entwicklungen nun größere Chancen aus, die Fusion durchzuboxen. Denn durch die amerikanische Telekommunikationswirtschaft schwappt derzeit eine Fusionswelle. AT&T will für 49 Milliarden Dollar den Satellitenfernsehanbieter Direct TV kaufen. Der führende Kabelfernsehanbieter Comcast kauft im Februar für 43 Milliarden Dollar den Mitbewerber Time Warner Cable. Beide Geschäfte müssen allerdings noch  von der Telekommunikationsaufsicht genehmigt werden.

Sprint-Chef lässt nicht locker

Der Vorstandsvorsitzende von Sprint und Chef des japanischen Mobilfunkanbieters Softbank Mobile, Masayoshi Son, trommelt schon seit längerem für eine Fusion von Sprint mit T-Mobile US. Zwar hatten die amerikanischen Wettbewerbshüter bislang Ablehnung gegen das Vorhaben signalisiert, aber Son lässt nicht locker. Der Japaner warb dafür, den Markt auf Ebene der Internet-Provider zu betrachten. Hier gebe es nur drei große Anbieter, die zudem immer größer würden. „Wenn jemand sagt, vier Anbieter sind besser als drei, stimme ich dem sofort zu. Sprint sollte die Nummer vier sein“, sagte Son.

Neue Regeln für die Versteigerung von Funkfrequenzen

Er argumentiert, dass die Sprint-Wettbewerber immer größer würden und Sprint aus eigener Kraft den beiden führenden US-Mobilfunkern kein Paroli bieten könne. Um mit den beiden Rivalen mithalten zu können, fehle es Sprint schlicht an Größe, so Son. Ein Zusammengehen mit T-Mobile US könnte dahingehend Abhilfe schaffen. Sprint und T-Mobile US schöpfen ihre Hoffnung nach einer Erlaubnis ihrer Fusion auch daraus, dass es Anzeichen gibt, wonach die Oppositionsfront bei der Kartellbehörde langsam bröckelt. Die Verhandlungen der beiden Wunschpartner begannen, nachdem die US-amerikanische Federal Communications Commission (FCC) im Mai neue Regeln für die Versteigerung von Funkfrequenzen verabschiedet hatte. Die Änderungen interpretierten Sprint und T-Mobile US als Hinweis darauf, dass die Fusion genehmigt werden könnte.

Telekom-Aktie legte um 0,7 Prozent zu

Nach dem derzeitigen Verhandlungsstand zwischen Sprint und T-Mobile wird die Deutsche Telekom nach dem Schulterschluss 15 bis 20 Prozent an dem fusionierten Unternehmen behalten. Der 67-prozentige Anteil der Telekom wäre auf Basis des Angebotes von 40 Dollar je Aktie insgesamt 21 Milliarden Dollar schwer. Die Börse liebt solche Zahlen: Die Telekom-Aktie legte am Donnerstag an der Frankfurter Börse 0,7 Prozent zu.

T-Mobile-Filiale in Illinois: Die Deutsche Telekom will sich vom amerikanischen Markt verabschieden.

T-Mobile-Filiale in Illinois: Die Deutsche Telekom will sich vom amerikanischen Markt verabschieden.

Foto: dpa

T-Mobile US hat im ersten Quartal des Jahres 2014 per Saldo zwar 2,4 Millionen Kunden gewonnen – aber einen Verlust von 151 Millionen Dollar verbucht. Im Vorjahresquartal hatte es bei T-Mobile US noch einen Gewinn von 107 Millionen Dollar gegeben. Der Umsatz kletterte um 47 Prozent auf 6,88 Milliarden Dollar, die operativen Kosten allerdings wuchsen schneller, sie legten um 61 Prozent zu.

Sprint verlor 333.000 Vertragskunden

Der Kundenzuwachs war der beste, der je in einem Quartal verzeichnet wurde. Die beiden Wettbewerber AT&T und Verizon Communications kamen zuletzt beim Kundenwachstum nicht an T-Mobile US heran. AT&T gewann im ersten Quartal 625.000 Vertragskunden, bei Verizon Communication waren es 539.000. Sprint hingegen liefen unterdessen die Kunden weg, sie verlor 333.000. T-Mobile US hatte im vergangenen Jahr durch spektakuläre Aktionen wie den Verzicht auf subventionierte Handys oder die üblichen Zweijahresverträge die Branche aufgemischt.

Geschichte wiederholt sich

Sprint-Chairman Son dürfte einen ähnlich aggressiven Kurs verfolgen. Der Milliardär hatte mit seinem Unternehmen Softbank erst 2013 die Mehrheit an Sprint gekauft und den Sprung auf den amerikanischen Markt gewagt. Mit einer Übernahme von T-Mobile US in Amerika würde sich in gewisser Weise Geschichte wiederholen. Auch in Japan hatte Son zugegriffen, als ein ausländischer Mobilfunkanbieter, das war Vodafone, sich im Jahr 2006 aus dem Markt zurückziehen wollte, und dann Softbank Mobile gegründet.

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