Abhörsichere Mobilfunknetze 10.12.2013, 11:00 Uhr

Telekom setzt als erster deutscher Netzbetreiber auf neuen Verschlüsselungsstandard

Ohne dass es der Handynutzer merkt, aktiviert die Telekom jetzt den neuen Verschlüsselungsstandard A5/3. Er gilt unter Experten als sicher. Anders als sein Vorgänger: Dieser macht selbst Hobbyhackern das Abhören privater Gespräche möglich. 

Die Deutsche Telekom installiert derzeit an rund 30.000 Basisstationen neue Hard- und Software, um Funkstrecken sicherer zu machen. Konkurrenten wie Vodafone ziehen erst in den nächsten Jahren nach. 

Die Deutsche Telekom installiert derzeit an rund 30.000 Basisstationen neue Hard- und Software, um Funkstrecken sicherer zu machen. Konkurrenten wie Vodafone ziehen erst in den nächsten Jahren nach. 

Foto: dpa/Oliver Berg

Handynutzer sind seit dem NSA-Skandal in puncto Abhörsicherheit verunsichert. Zu ihrem Schutz setzen die meisten Mobilfunkanbieter auf den Verschlüsselungsstandard A5/1. Doch sonderlich weit kommen sie damit nicht: Bereits mit geringem finanziellen und zeitlichen Aufwand ist es für Hobbyknacker möglich, Mobiltelefonate auch aus 100 Meter Entfernung zu belauschen.

Das will die Telekom jetzt ändern. Sie setzt dabei als erster Netzbetreiber in Deutschland auf die neue Verschlüsselungstechnologie A5/3, um die Funkstrecke zwischen Handy und Basisstation sicherer zu machen. Techniker installieren derzeit an rund 30.000 Stationen neue Hard- und Software.

Der Algorithmus gilt anders als sein Vorgänger als nahezu unknackbar, im UMTS- und LTE-Netz sind ähnlich starke Verschlüsselungen aktiv. Die Aktivierung von A5/3 erfolgt nach und nach in einzelnen Regionen, ohne dass der Handynutzer davon etwas mitbekommt. Auch anfängliche Probleme scheinen überwunden, bei denen laut Wirtschaftswoche rund 50.000 Handys den neuen Standard und somit den Empfang zunächst verweigerten.

Neuer Standard in Polen und Tschechien bereits im Einsatz

„Das Vertrauen der Menschen in Telekommunikation und Internet hat durch die NSA-Affäre in den vergangenen Wochen stark gelitten“, sagt Thomas Kremer aus dem Datenschutz-Vorstand der Telekom. „Wir tun, was wir können, um unseren Kunden mehr Sicherheit zu bieten. Die bessere Verschlüsselung von Mobilfunkgesprächen ist dafür ein weiterer wichtiger Schritt.“ Der Konzern setzt den Standard bereits erfolgreich in anderen Ländern ein: in Mazedonien, Montenegro, Polen und Tschechien.

Vodafone zieht erst 2015 nach

Die Konkurrenz plant ebenfalls die Einführung des neuen Standards, hat aber einen gemütlicheren Zeitplan. Vodafone etwa stieß auf technische Probleme und hat deswegen den Start auf das Jahr 2015 verschoben. Die Funkstationen im Berliner Regierungsviertel aber hat das Unternehmen bereits mit der neuen Technologie ausgerüstet. O2 und E-Plus wollen A5/3 erst in den nächsten Jahren einsetzen.

Karsten Nohl knackte GSM-Code schon 2010 

Die Erkenntnis, dass der alte A5/1-Standard aus dem Jahr 1988 längst nicht mehr sicher ist, verdankt die Öffentlichkeit Karsten Nohl. Der Kryptograph hat einen Doktortitel in Computer Engineering, beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Verschlüsselung bei Mobilfunkverbindungen und hat den traditionellen GSM-Algorithmus bereits im Jahr 2010 geknackt. Das Ergebnis veröffentlichte er online. „Dies zeigt, dass die existierende GSM-Sicherheit inadäquat ist“, erklärte er damals beim Kommunikationskongress, einer viertägigen Konferenz für Computer-Hacker in Berlin. „Wir wollen Anbieter dazu bringen, dass bessere Sicherheitsmaßnahmen für Mobilfunkanrufe etabliert werden.“ 

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