Mobilfunk 09.03.2001, 17:28 Uhr

Telekom will GSM-Motor in USA zünden

ins weltweite digitale Mobilfunk-Netz nach GSM-Standard. Noch kann der Mega-Deal scheitern: an Finanzen ebenso wie an der US-Regierung.

Wenn die Voicestream-Aktionäre am kommenden Dienstag über die Fusion ihres kleinen, aber feinen Mobildienstanbieters mit der großen Deutschen Telekom AG aus dem fernen Germany abstimmen, werden sie zwei Gesichtspunkte berücksichtigen müssen. Doch die taugen gegenwärtig kaum als Entscheidungshilfe: Erstens ist eine Telekommunikations-Fusion derartigen Ausmaßes mit einem ausländischen Käufer für die USA neu – ein Präzedenz-Fall also. Zweitens würden sie im Moment nicht den ausgehandelten Preis erhalten.
Die Genehmigung der US-Regierung steht noch aus, wiewohl die Experten mit einer Zustimmung rechnen. Noch drohen konservative Kräfte im Kongress mit restriktiven Voten. Für den negativen Ausgang hat die EU schon mal mit einer Klage vor der WTO und entsprechenden Sanktionen gedroht, wie das heute im transatlantischen Handel so der diplomatische Usus ist.
Außerdem hängt die Entscheidung der Voicestream-Shareholder von klaren finanziellen Grundlagen ab: Ob der im Juli vergangenen Jahres in die Wege geleitete 50,7-Mrd.-Dollar-Deal noch das Geld wert ist, das er damals war.
Im Moment ist er nur mehr 30 Mrd. Dollar wert. Denn inzwischen ist der Telekom-Kurs weit unter 33 Euro gefallen. Da müssten Nachbesserungen verhandelt werden, wenn das über 7 Tage hinweg und 15 Tage vor der Fusion eintritt. Dieser Punkt ist erreicht, wenn als Vertragsabschluss Mitte März gilt, wie ursprünglich anvisiert.
Ausweg: Der Abschluss wird auf die Jahresmitte geschoben – in der Hoffnung, dass die weltweite Telekommunikations-Industrie bis dahin wieder Tritt gefasst hat. Auch die US-Medienaufsicht FCC (Federal Communications Commission) dürfte vorher kaum ihr Okay geben.
Immerhin herrscht Einklang mit dem Justizministerium über Fragen der nationalen Sicherheit, also beim Zugriff des FBI auf Gesprächsinhalte, die Voicestream innerhalb der USA und ins Ausland vermittelt. Da mussten die Telekom, Voicestream und der zweite Übernahmekandidat Powertel einen hochnotpeinlichen Katalog von 23 Fragen beantworten.
Das hat die vorehelichen Beziehungen zwischen VoiceStream und Telekom belastet. Der Tiefpunkt war am vergangenen Wochenende erreicht. Da hatte sich der Kurs der Telekom zwar wieder leicht gefangen, doch waren die deutschen Mediengerüchte über Putschversuche gegen Ron Sommer kein Festessen für die US-Finanzanalysten. Sie hatten die Fusion bislang über den grünen Klee gelobt und ihren Klienten den Einstieg empfohlen.
Deswegen bleiben sie jetzt tapfer bei der Stange – trotz zusätzlich negativer Stimmungsberichte, die Europas Telekommunikationsfirmen vor der Pleite sehen und das UMTS-Zeitalter auf den St.-Nimmerleinstag verschieben.
Mitte Februar knickte auch Voicestream unter negativen News ein. Trotz der forcierten Werbekampagne, die Voicestream den anderen nationalen Mitbewerbern – Verizon (Nummer 1), Cingular Wireless, AT&T Wireless, Sprint PCS, und Nextel – gleich stellen soll, ging der Zuwachs an Abonnenten im letzten Quartal nur knapp über 600 000 hinaus – weniger als die Zielvorgabe der allmächtigen Börsenanalysten. Der Quartalsumsatz stieg auf 650 Mrd. Dollar (gegenüber 164 Mrd. Dollar 1999). Doch auch der Betriebsverlust stieg dramatisch an: auf 807 Mrd. Dollar.
Trotz allem ist Voicestream immer noch die Nummer 6 unter den sechs nationalen Mobildienstanbietern.
Durch Tausch von lokalen Lizenzen und Frequenzen mit Cingular, Anfang November vereinbart, steht auch der Aufbau von GSM-Netzen in Kalifornien und Nevada bevor, außerdem in New York und Detroit. Ein Blick auf die Einzugskarten zeigt aber, dass die Versorgung sich auf die größeren Städte und Freeways beschränkt.
GSM braucht in den USA dringend Zuwachs, um sich durchzusetzen. Die Hälfte aller Teilnehmer telefoniert immer noch analog. Von den digitalen Handys ist die überwiegende Mehrheit auf CDMA getrimmt. Nur knapp 36 % funken mit GSM.
Mitte Februar machte Voicestream den nächsten Schritt: Kurzmitteilungen via SMS, internetähnliche Dienste über WAP. AOLs Instant Messenger Service soll als „AOL Mobile“ im zweiten Halbjahr für die Voicestream-Abonnenten erreichbar sein. GPRS-Handys sollen mit Samsung Telecommunications entwickelt werden.
Alle US-Mobildienstanbieter sind letztes Jahr gut gewachsen, aber langsamer als erwartet. Peter Friedland von WR Hambrecht in San Francisco schätzt den Zuwachs auf 18,8 Mio. Dollar. Dieses Jahr sollen es 17 Mio. werden. Auch das ist nicht schlecht: „Letztes Jahr war wirklich ein großartiges Jahr für die Industrie.“ Bis 2007, meint Friedland, können die USA die Handy-Dichte Europas von 70 % schaffen. Das wären 200 Mio. Teilnehmer. Zurzeit hat nur jeder dritte Amerikaner ein Handy. WERNER SCHULZ

Voicestream

Kleiner Player mit schmalem Versorgungsgebiet

Die Nr. 1 im US-Mobilfunk-Geschäft ist klar Verizon, gefolgt von Cingular Wireless, AT&T Wireless, Sprint PCS, und Nextel. Erst dann taucht Voicestream, die Nr. 6 im US-Handygeschäft in den Statistiken auf. Immerhin hat das Unternehmen mittlerweile 3,88 Mio. Kunden – ein Zuwachs von über 200 % im letzten Jahr. Zum Vergleich: Fusions-Aspirant T-Mobil, die Tochter der Telekom, begrüßte gerade ihren 20 Mio.sten Kunden in Deutschland und hat damit beinahe zum Konkurrenten D2-Vodafone aufgeschlossen.
Während hierzulande eine Vollversorgung mit GSM erreicht wurde, sieht das in den USA völlig anders aus. Der Schwerpunkt des Lizenzgebietes von Voicestream liegt im Moment in den Rocky-Mountain-Staaten , im Süden der USA und im urbanen Korridor des Nordostens. Durch Tausch von Lizenzen werden auch Teile Kaliforniens und Nevadas versorgt, außerdem New York und Detroit. Auf der Homepage von Voicestream ist eine USA-Karte zu finden. Ein Klick auf die Staaten zeigt, wie schmal die Service-Gebiete sind. ws/rb

Von Voicestream
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