Telekommunikation 26.10.2007, 19:31 Uhr

Telekom darf Fernsehen in die Wohnzimmer bringen  

Es würden die Geschäftsmodelle der Kabelnetzbetreiber ausgehöhlt, exklusive Gestattungsverträge für die Kabelinfrastruktur unterlaufen. Jetzt kam es zur Einigung: Der Betrieb einer zweiten Infrastruktur wird legalisiert.

Dass die Deutsche Telekom einfach ihre Telefonleitungen nutzt, um Mietern Fernsehen in die Wohnung zu bringen, ist nach Auffassung der GdW in vielen Fällen schlichtweg rechtswidrig. Oder besser, war es bisher. Seit Dienstag 11:11 Uhr ist es das nicht mehr, denn seit diesem Zeitpunkt gibt es ein Eckpunktepapier, in dem die Vermarktung von Double-Play(Internet und Telefonie)- und Triple-Play-Angeboten (Internet, Telefonie und IPTV) der Deutschen Telekom durch die Mitgliedsunternehmen, die dem GdW angeschlossen sind, festgeschrieben wurde.

Doch bis dato war kaum davon auszugehen, dass es zu einer solchen Einigung kommen würde. So stellte erst kürzlich Rechtsanwalt Christoph Wagner, Partner der Sozietät Hogan & Hartson Raue LLP, während eines Kabelkongresses des GdW in Berlin die Frage, ob es sinnvoll und zulässig sei, für IPTV überhaupt eine zweite Infrastruktur zu betreiben. „Es gibt deutliche Vorteile für den Wettbewerber Telekom im Vergleich zum Kabelfernsehen. So gibt es keine Netzebenen-Problematik, die Telekom hat die volle Kontrolle über die Endgeräte, also die IPTV-Settop-Boxen, und es gibt keine Befristung der Nutzungszeiten.“

Nur das Nebenkostenprivileg spräche noch für die Kabelanbieter, könnten diese Kosten doch als Teil der Miete von der Wohnungswirtschaft vereinnahmt werden. Kabelnetzbetreiber haben indes kein direktes Vertragsverhältnis zu dem Endkunden.

Vor allem aber würden es die bestehenden Gestattungsverträge der Wohnungswirtschaft mit den Kabelnetzbetreibern möglicherweise gar nicht zulassen, dass ein anderer Netzbetreiber IPTV in die Haushalte lässt. Juristisch könnte die Wohnungswirtschaft der Telekom diesen alternativen Zugang in die Haushalte nur untersagen, wenn darin eine Beeinträchtigung des Eigentums zu sehen sei.

Jahrelange gerichtliche Auseinandersetzungen zwischen Wohnungswirtschaft, Kabelnetzbetreibern, Telekom, Mieterverbänden und vermutlich auch der Europäischen Kommission standen im Raum, und daher wollte selbst GdW-Präsident Lutz Freitag mitsamt seiner Verhandlungskommission die rechtlichen Probleme aus der Vergangenheit wie beim Zahnarzt behandelt wissen: „Konservieren und schmerzfrei stellen, aber nicht rausreißen oder ersetzen.“

Nach dem Eckpunktepapier darf die Telekom nun auch mit IPTV in die Wohnungen, wird aber die Wohnungsunternehmen an der Wertschöpfung beteiligen. Mit anderen Worten: Je aktiver die Wohnungswirtschaft T-Homes Entertain vermarktet, desto höher die Prozentpunkte, die ihr zufließen. „Ein Gutteil der Wohnungsunterunternehmen gibt aber etwaige Provisionen an ihre Mieter weiter“, so der GdW-Präsident, dessen Mitglieder insgesamt 6,2 Mio. Wohnungen verwalten.

Für die Telekom bedeutet die Vermarktungskooperation die Chance, dass „noch mehr deutsche Haushalte topmodernes Entertainment im heimischen Wohnzimmer genießen können“, so Philipp Humm, Mitglied des T-Home-Bereichsvorstands Vertrieb, aus Anlass der Vertragsunterzeichnung. Und weiter: „Die Mieter haben jetzt eine echte Alternative zum Programmangebot über Kabelanschluss oder Satellit.“

Welche Infrastruktur nach dem Auslaufen der jeweiligen Gestattungsverträge aktiv vermarktet wird, bleibt den einzelnen Wohnungsgesellschaften überlassen. „Eine Vielfalt bei den Medienangeboten ist immer wichtiger für den Vermarktungserfolg der Wohnungswirtschaft“, so Lutz Freitag. „Wir werden jetzt alle Modelle in Deutschland haben. In einigen Fällen werden wir nur Kabel sehen, dann Kabel und Telekom sowie nur Telekom-Produkte“, ergänzte Humm.

Die könnten derzeit bereits über 15 Mio. Haushalte beziehen – in 750 Städten über ADSL2+ und in rund 27 Städten über VDSL. Bis Ende 2007 sollen 17 Mio. Haushalte T-Homes Entertain nutzen können. Doch bislang soll es erst 50 000 Abonnenten geben. Bis Jahresende rechnet Humm mit 100 000 bis 200 000. Andererseits tut sich auch das Kabel schwer, „fremde“ Produktmerkmale zu vermarkten. So liegt die Nutzungsquote der Triple-Play-Kabelnetze für Internet und Telefonie deutlich unter 10 %.

Die Kabelgesellschaften stehen dem Wettbewerb meistens aufgeschlossen gegenüber. „Wir werden genau darauf achten, dass die Wohnungswirtschaft die Gestattungsverträge mit uns einhält, in denen in der Regel eine Exklusivität der Fernsehverbreitung für die Kabelnetzbetreiber vorgesehen ist“, so Heinz-Peter Labonte, Sprecher des Fachverbands Rundfunkempfangs- und Kabelanlagen (FRK).

RAINER BÜCKEN

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