Telekommunikation 11.11.2005, 18:41 Uhr

„Technologisch sind wir der Telekom um zehn Jahre voraus“  

VDI nachrichten, Verl, 11. 11. 05 – Bislang in Deutschland eher nur Insidern als Riese bekannt, ist die spanische Telefónica durch ihr jüngstes Angebot zur Übernahme des Mobilfunkanbieters O2 schlagartig ins Licht gerückt. Stimmen die Aktionäre dem Deal zu, würden die Spanier mit allein 9 Mio. Kunden in Deutschland an der Telekom vorbeiziehen. Fragen an Andreas Brodczek, Deutschland-Chef von Telefónica.

Bodczek: Wir befinden uns in einer Übergangsphase von schmalbandigen hin zu breitbandigen Diensten. Dementsprechend rechnen wir in diesem Jahr mit einer roten Null beim EBITDA (Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen).

VDI nachrichten: Telefónica wurde in Deutschland erst Ende 2002 gegründet, gehört heute schon zu den ganz großen bundesweiten Netzbetreibern. Wie das?

Bodczek: Wir mussten damals nicht bei Null anfangen. Telefónica hat im Jahr 2000 die in Gütersloh ansässige Mediaways übernommen. Damals ging es zunächst darum, für die Bertelsmann-Beteiligung AOL schnell ein bundesweites Schmalbandnetz aufzubauen – also Internet-Zugänge via Modem und ISDN. Später wurde das Unternehmen mit der Münchner HighwayOne zu Telefónica Deutschland GmbH verschmolzen. Mediaways hat zusammen mit Cisco schon sehr früh eines der weltweit komplexesten, auf IP – also Internet-Technik – basierenden Netze flächendeckend in Deutschland aufgebaut unter dem Motto: „Alles über IP“. In diesem Netz ist Sprache nur noch eine von verschiedenen Anwendungen im Datennetz. Technologisch gesehen sind wir der Deutschen Telekom damit um einige Jahre voraus.

VDI nachrichten: Nur ist Telefónica längst nicht so bekannt?

Bodczek: Das ist sicher wahr. Wir haben in den letzten zwei Jahren stark am Profil von Telefónica in Deutschland gearbeitet. Das Internet entwickelt sich zum Allzweckmedium und ist in aller Munde. Als einer der größten Anbieter Internet-basierter Sprach- und Datendienste haben wir daher einen hohen Bekanntheitsgrad in unseren Zielmärkten, im Geschäftskundenumfeld.

VDI nachrichten: Woran arbeiten Sie jetzt?

Bodczek: Grundstein ist unser hochmodernes flächendeckendes Netz. Wir bieten Internet Service Providern, Carriern und Firmenkunden eine deutschlandweite Infrastruktur und arbeiten konsequent an der Weiterentwicklung unserer beiden Geschäftsfelder Wholesale und Firmennetze. Dies bedeutet für den Wholesale-Bereich: Ausbau zu einer der führenden Plattformen für Voice-over-IP- und Breitbanddienste, die unsere Partner dann an Privatkunden vermarkten. Im Firmenkundensegment konzentrieren wir uns auf mittelständische und gehobene mittelständische Unternehmen mit Lösungen und Produkten rund um Internetzugangsmöglichkeiten, Internet-basierte Sprache und Standortvernetzung (VPN).

VDI nachrichten: Die Margen im Festnetz werden enger. Die Telekom streicht 32 000 Stellen in der Festnetzsparte. Droht so etwas auch bei Telefónica?

Bodczek: Für derart drastische Maßnahmen besteht bei uns zum Glück keine Notwendigkeit. Wir werden im nächsten Jahr beim Umsatz voraussichtlich um bis zu 15 % wachsen und bauen unseren Bestand von derzeit 450 Mitarbeitern daher eher konstant aus.

VDI nachrichten: Es gibt Auguren, die das Festnetz bald für überflüssig halten.

Bodczek: Das halte ich für unrealistisch. Der Festnetz-Anschluss im Büro und daheim wird uns auf absehbare Zeit erhalten bleiben. Allerdings wird das klassische Festnetz in den nächsten Jahren mehr und mehr durch breitbandbasierte Telefonie ersetzt werden.

Die UMTS-Netze der Mobilfunkunternehmen sind derzeit noch alles andere als hochverfügbar. Im Festnetz sprechen wir zurzeit über Übertragungsraten von 16 bis 25 Mbit/s. Um dorthin zu kommen, werden die Handynetze noch eine ganze Weile brauchen.

VDI nachrichten: Tatsache ist aber doch, dass das Festnetz massiv Kunden verliert, weil die Kunden zunehmend auf Mobilfunk und Internet-Telefonie umsteigen.

Bodczek: Das ist korrekt. Alle etablierten Telekommunikationsanbieter haben damit in ihren Heimatmärkten zu kämpfen. Für die alternativen Festnetzanbieter heißt das: statt dem herkömmlichen Telefonanschluss müssen sie den Kunden zu günstigsten Konditionen Breitband – sprich: DSL – und Internet-Telefonie – anbieten. Nichts anderes realisieren wir seit zehn Jahren für unsere Kunden. Wir bauen das Festnetz der Zukunft auf Basis der Breitbandtechnologie. Telefonie wird als eine von vielen Anwendungen darauf laufen.

VDI nachrichten: Die Deutsche Telekom will 3 Mrd. € in den Ausbau ihres Glasfasernetzes stecken – wohl, um darüber TV-Angebote in die Haushalte zu bringen. In welche Richtung denken Sie beim Netzausbau?

Bodczek: Wir gehen davon aus, dass Bandbreiten bis zu 25 Mbit in den kommenden Jahren ausreichen werden, um die Bedürfnisse der deutschen Haushalte zu bedienen. Deshalb erweitern wir unser Netz ebenfalls massiv, investieren in zwei- bis dreistelliger Millionenhöhe in den Ausbau unserer deutschlandweiten ADSL2+-Plattform. Die ist die Basis der Integration von Daten- und Sprachdiensten in einem Netz. Unsere Partner im Wholesale-Geschäft können somit ihren Kunden differenzierte Produkte anbieten, und sie sind für multimediale Dienste wie Video oder TV via DSL heute schon gerüstet. Bei Übertragungsraten von 16 bis 25 Mbit/s ist neben Telefonie und Internet immer noch genügend Kapazität für mehrere parallele Fernsehkanäle und eine komfortable Nutzung von Anwendungen wie Video-on-Demand. Bis Mitte 2006 wollen wir mindestens 40 % der deutschen Haushalte erreichen. Allenfalls langfristig kann ich mir vorstellen, dass Glasfaser bis ins Haus wirtschaftlich Sinn macht.

VDI nachrichten: Wie sind Sie mit den Bedingungen am Standort Deutschland zufrieden?

Bodczek: Mit seinen 82,5 Mio. Einwohnern bietet uns der größte europäische Markt natürlich ein riesiges Potenzial. Die politische Verunsicherung ist derzeit kein limitierender Faktor für unsere Aktivitäten. Auch die Zusammenarbeit mit der Bundesnetzagentur gestaltet sich als sehr professionell und bietet keinen Grund zur Klage.

Was die Netzvorleistungen angeht, sind die Briten allerdings mit ihrer unabhängigen Netzgesellschaft einen konsequenteren Weg im Sinne von mehr Wettbewerb gegangen. Als Herausforderung gestaltet sich hierzulande auch die Suche nach qualifiziertem Personal, das aus dem Markt nur schwer nachzurekrutieren ist.

VDI nachrichten: Ihr Ausblick auf den Telekommunikationsmarkt 2010?

Bodczek: Die Welt der Kommunikation und Unterhaltung wird durch Angebote wie VoIP, Video-Streaming und IP-TV vielfältiger und bunter. Dafür werden die Kosten durch Flatrates für Sprache und Daten günstiger und überschaubarer. Telefongespräche werden kaum noch separat in Rechnung gestellt. Die Aufteilung zwischen Mobilfunk und Festnetz fällt weg. Der Fernseher erhält eine Schnittstelle für den Internet-Zugang. Im PC bzw. Laptop ist ein Rundfunk- und TV-Modul enthalten. Durch multifunktionale und mobile Endgeräte wird das schnurgebundene Telefon zum Museumsstück. Der Wettbewerb wird durch den Markteintritt von Discountern noch deutlich härter.

GEORG STANOSSEK

Von Georg Stanossek
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