Telematik 14.06.2002, 18:20 Uhr

Symbiose von Auto und Smartphones

Automobilkonzerne, Mobilfunker, Hard- und Softwareausrüster – sie alle wollen am prognostizierten Boom der Telematik im Auto partizipieren. Doch bevor der Markt so richtig brummt, müssen hersteller- und diensteübergreifende Plattformen etabliert werden.

Eine Erfolgsstory war nicht geplant, aber auch der kleine Telematik-Testballon hob bei VW nicht ab. Ganze 120 Golfs der E-Generation – Pkw mit Internetanschluss – konnten die Wolfsburger verkaufen. Ziel verfehlt, Projekt eingestellt. Kein Zweifel, mit Telematik im Auto tun sich alle Konzerne schwer: So schreibt auch DaimlerChrysler in diesem Bereich rote Zahlen.
Dennoch ist Jochen Wörner optimistisch: „Die Telematik wächst ganz automatisch ins Auto hinein. So, wie heute ABS und Airbag zur Ausstattung gehören, werden es künftig Navigations- und Kommunikationssysteme sein“, glaubt der Senior Consultant von Diebold.
„Der automobile Kommunikationsmarkt wird so groß sein wie heute der Festnetzmarkt“, davon ist Wörner überzeugt. Zwei wirtschaftliche Tendenzen stützen seine These: Zum einen herrscht im Automobilmarkt mittlerweile ein harter Verdrängungswettbewerb. Um Marktanteile zu gewinnen, müssen Fahrzeuge immer attraktiver werden und dabei Zusatznutzen wie Online-Wartung bieten. Gleichzeitig sinken auch die Margen im Mobilfunk. Diese Branche ist auf der Suche nach neuen Umsatzbringern.
Die New und die Old Economy, Autobauer und Mobilfunker, Hardwarehersteller und Software-Integratoren – sie alle sind an dem aufkeimenden Telematikmarkt an verschiedenen Positionen der Wertschöpfungskette beteiligt (siehe Grafik). Doch zwischen den einzelnen Playern liegt eine Riesendiskrepanz. Während die Automobilbauer in Jahren planen, denkt die Elektronik-Branche in Monaten. So werden die Kfz-Modelle, die in drei bis fünf Jahren auf den Markt kommen, heute schon geplant. Unvorstellbar für Mobilfunker und Konsumelektroniker, bei denen Innovationszyklen von drei bis sechs Monaten vorherrschen. Jedes noch so neue Auto wird also – so die Logik von heute – immer veraltete Telematik an Bord haben. Ein schwieriges Unterfangen für die jüngeren Industrien: Denn, so Wörner: „Wer weiß schon heute, welchen Preis Speicherchips in fünf Jahren haben werden, wer weiß, was mit UMTS alles möglich sein wird?“
Der Mensch lebt nicht im Auto allein. Er fährt, so Wörner, mit dem Auto zum Flieger, nutzt später in einer anderen Stadt öffentliche Verkehrsmittel oder geht zu Fuß. Das heißt mobile Dienste müssen in verschiedene Geräte eingebunden sein. Die Fahrzeugausstattung muss also eine „Symbiose“ mit Handys oder Smartphones eingehen. Der Datenaustausch muss einfach über Techniken wie Bluetooth möglich sein. Und Wörner geht noch weiter: Nicht nur GPRS, UMTS oder Wireless LAN werden bei der Versorgung der Geräte mit Daten eine große Rolle spielen, sondern auch DAB (Digital Audio Broadcasting). So könnte z.?B. das Download von Straßenkarten billiger werden als mit UMTS.
Heute sind Geräte und Dienste noch sehr teuer. So kostet das Command System für Mercedes rund 3000 «, das Abo für die passenden Dienste soll rund 100 « im Monat kosten. Erst, wenn sich eine herstellerübergreifende Standard-Plattform etabliert hat, dürften solche Preise sinken. Dann ist es egal sein, ob der Autofahrer einen Renault oder VW fährt, Kunde bei T-Mobile oder Vodafone ist. Wörner: „Die Technik im Hintergrund ist dann gleich – die Differenzierung erfolgt über das Human Interface, die Schnittstelle zum Menschen also.“
Grund genug für Konzerne wie Ford, Renault, Nissan und Citroen ein Joint Venture einzugehen, wie sie es im März getan haben. Ziel: eine modulare Plattform für unterschiedliche Applikationen aufbauen. Die deutschen Luxuskarossenhersteller fuhren dagegen bislang eine einsame Strategie.
Sowohl Daimler als auch BMW versuchten, ihre Kunden mit technologisch überzeugenden, aber weniger nutzerorientierten Konzepten zu beeindrucken. Erst jetzt denkt man über erste Zusammenarbeiten z.?B. mit VW nach. Am mutigsten prescht derzeit wohl der BMW-Konzern mit Innovationen wie z.?B. i-drive für die 7er Reihe voran. Die Entwicklungen von BMW werden von der Konkurrenz mit Argusaugen verfolgt. Und manch einer wird sich vielleicht denken, dass sich die Münchener zuerst einmal eine blutige Nase holen sollen, bevor er in das Geschehen eingreift.
Wörner: „Aller Voraussicht nach werden sich zunächst zwei bis drei Gruppen rund um Automobilkonzerne formieren.“ Bei einem Pool von 44 Mio. zugelassenen Pkw in Deutschland werden es auch in den kommenden Jahren zunächst die Business-Fahrzeuge – BMW, Mercedes, Audi oder die Fahrzeugflotten von Sixt oder Avis – mit neuester Telematik ausgestattet sein. REGINE BÖNSCH

Von Regine Bönsch
Von Regine Bönsch

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