Software 14.06.2002, 18:20 Uhr

Streit um Linux auf Regierungscomputern

Ein Kooperationsabkommen zwischen dem Innenministerium und der IBM erlaubt Kommunen, Ländern und Behörden den kostengünstigen Umstieg auf Quelltext-offene Software und das Betriebssystem Linux. Minister Schily sieht in der Vermeidung von Software-Monokulturen einen Schritt zu mehr IT-Sicherheit.

Deutschlands öffentliche Verwaltung setzt auf Quelltextoffene Software (Open Source) und das Betriebssystem Linux. Am Montag vergangener Woche unterzeichneten Bundesinnenminister Otto Schily und IBM-Deutschland-Chef Erwin Staudt ein weitgehendes Kooperationsabkommen, das Bund Ländern und Kommunen besonders günstige Konditionen beim Erwerb von Open-Source-Software einräumt. „Mit dem Kooperationsvertrag“, so Schily, „erreichen wir drei Ziele. Wir erhöhen die IT-Sicherheit durch die Verhinderung von Monokulturen wir verringern die Abhängigkeit von einzelnen Softwareanbietern und wir sparen beim Kauf der Software an den laufenden Kosten. Damit sind wir Vorreiter, eine größere Vielfalt in der IT-Landschaft zu schaffen.“
Beobachter im In- und Ausland werten Schilys Äußerung auch als Kritik an Microsoft, das mit seinem Windows-Betriebssystem und der Office-Suite eine Quasi-Monopolstellung einnimmt. Gerade dieser Tage versucht der Software-Gigant aus Redmond seine Kunden auf ein neues Lizenzierungsmodell einzuschwören, dass diese zu kontinuierlichen Zahlungen an Microsoft zwingt, wobei sie im Gegenzug Anspruch auf die jeweils nächste Softwareversion haben. Das garantiert in Redmond einen besser kalkulierbaren Umsatz und adressiert vor allem jene Kunden, die bisher noch mit alten Softwareversionen gut gearbeitet haben.
Auch die immer wieder auftretenden Sicherheitslücken in Microsoft-Produkten sowie die große Zahl von Viren- und Wurmattacken mögen den Schritt des Ministers mit motiviert haben. Für die Linux- bzw. Open-Source-Gemeinde ist diese Entscheidung fast wie einen Ritterschlag. Schon das millionenschwere Engagement des IT-Riesen IBM hat Linux vor Jahren aus der Ecke der Softwarefreaks und Internetfrickler herausgeholt und als ernsthafte Businness-Alternative etabliert.
Fast zeitgleich mit dem Abschluss des Kooperationsvertrages haben vier große Linux-Distributoren ein übriges getan, das System zu einem verlässlichen Partner der Industrie zu machen: Sie kündigten an, bis Ende dieses Jahres einen gemeinsamen Linux-Standard zu etablieren, der den Namen UnitedLinux trägt.
Caldera, Conectiva, die Nürnberger Suse AG und Turbolinux vereinbarten die gemeinsame Entwicklung eines Linux-Betriebssystems, das speziell auf den Server-Einsatz in Unternehmen zugeschnitten ist. „UnitedLinux erfüllt den Wunsch professioneller Anwender nach einem standardisierten Betriebssystem, welches führende Hardware- und Software-Lösungen unterstützt und von deren Herstellern zertifiziert ist“, heißt es in einer Presseerklärung. Laut einer von der Marktforschungsgesellschaft IDC im Jahr 2001 durchgeführten Studie, an der 800 nordamerikanische und westeuropäische Unternehmen teilnahmen, nutzten bereits 40 % aller Unternehmen Linux produktiv oder im Testbetrieb.
Zahlreiche Hardwareproduzenten und Applikationshersteller wie AMD, Borland, Computer Associates, Fujitsu Siemens Computers, Fujitsu Japan, Hewlett-Packard, IBM, Intel, NEC, Progress Software und SAP begrüßten die Initiative. Der Verkaufsstart der ersten UnitedLinux-basierten Server-Produkte ist für Ende 2002 geplant.
Wird die Linux-Kooperation hierzulande als Durchbruch für die IT-Sicherheit gehandelt, weckt die Open-Source-Idee jenseits des Atlantiks auch Argwohn. Das renommierte Alexis-de-Tocqueville-Institute (ADTI) in Washington will jedenfalls noch diese Woche ein White-Paper unter dem Titel „Opening the Open Source Debate“ herausbringen, in dem Open-Source-Software als Sicherheitsrisiko angesehen wird. Der offen gelegte Quellcode der Programme, so heißt es in vorab bekannt gewordenen Passagen, öffne terroristischen Angreifern Tür und Tor für verbrecherisches Handeln. „Computersysteme sind das Rückgrat unserer nationalen Sicherheit. Bevor das Pentagon und andere staatliche Einrichtungen uninformiert Entscheidungen treffen, die die Grundlagen der Computersicherheit verändern, sollten sie die potentiellen Konsequenzen genau studieren“, heißt es da. Pikant ist allerdings, dass das ADTI Zuschüsse von Microsoft bekommt, in US-Kreisen ist bereits von einer Gefälligkeits-Studie die Rede.
Allein steht Deutschland mit seinem Bekenntnis zur Software-Vielfalt jedenfalls nicht. Auch Taiwan will z.?B. die Open-Source-Bewegung massiv stützen und alle proprietären Systeme aus dem Bildungswesen entfernen. Das soll bis zu 2 Mrd. Dollar an Lizenzgebühren einsparen. JENS D. BILLERBECK

Von Jens D. Billerbeck
Von Jens D. Billerbeck

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