Software 18.05.2001, 17:29 Uhr

Standardsoftware ist für Ingenieure Pflicht

Computerkenntnisse gehören heute nicht nur für Ingenieure zum Standardwissen. Doch was sollten Ingenieure über Hard- und Software, Maus und CD-Rom auf jeden Fall wissen, damit es nicht peinlich wird im Berufsalltag?

Bauingenieur Marcus Klönne, wissenschaftlicher Mitarbeiter des Institutes für Stadtbauwesen (ISW) an der RWTH Aachen, glaubt, ein 08/15-Student gewesen zu sein: „Ich habe über Mathe geflucht und mich im Studium nicht gerade auf den Rechner gestürzt.“ Heute läuft der PC von morgens bis abends und ist aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken. Das Grundstudium an der Ruhr-Universität Bochum (RUB) Anfang der 90er Jahre war noch mit Papier und Bleistift und einem Taschenrechner zu packen, großartige Anwenderkenntnisse waren nicht notwendig.
Erst in der Prüfungsphase lernte Marcus Klönne mit dem Geodateninformationssystem ArcView umzugehen und bereitete in einem autodidaktischen Crashkurs eine Power Point-Präsentation vor. Dieses Rüstzeug war bitter nötig, denn nach dem Diplom musste er im Einsatz für das ISW seine Arbeitsergebnisse häufig vor Vertretern städtischer Ämter referieren.
Eine gute Grundlage für die Arbeit mit Computern ist nach Klönnes Meinung auch die an der RUB erlernte IBM-Programmiersprache FORTRAN, da auch ohne direkten Bezug zur alltäglichen Arbeit am PC die eingeübten Denkstrukturen sehr hilfreich seien. Seinen beiden Hiwis liegt er jetzt in den Ohren, auf jeden Fall Standardsoftware wie Word, Excel und auch Power Point sicher zu beherrschen. Access-Kenntnisse wären auch nicht schlecht und irgendetwas, was über die Standardsoftware hinausgeht.
Eine Sicht der Dinge, die Stefan Rentmeister, Gesellschafter der abakus energiesysteme GmbH in Gelsenkirchen, nur bestätigen kann. Auch er setzt voraus, dass Stellenbewerber absolut sicher in Textverarbeitung und Tabellenkalkulation sind. Für sein Unternehmen ist eine gute CAD-Ausbildung ebenfalls wichtig, wobei er sich nicht auf ein einziges Programm festlegen möchte. „Da diese Programme im Handling ziemlich vergleichbar sind, spielt programmspezifisches Wissen über ein Produkt nicht die große Rolle“, erklärt der Solaranlagenbauer. Als Standard sieht Rentmeister wiederum gute Kenntnisse im Umgang mit dem Internet und der E-Mail. Von Vorteil wäre auch, wenn Mitarbeiter sich mit Grafik-Programmen auskennen würden.
„Für uns ist das für die jeweilige Aufgabenstellung spezifische Anforderungsprofil wichtiger als das Beherrschen von Standardsoftware“, berichtet Holger Schienbein, Personalleiter für den Bereich Vertrieb und Entwicklung bei der Leopold Kostal GmbH in Lüdenscheid, einem Elektronik-Autozulieferer mit über 9000 Mitarbeitern. Wer also Spezialisten-Software beherrscht, die im Unternehmen eingesetzt werden soll, hat große Vorteile. Ansonsten könne man Power Point „nice to have“, Word oder Excel-Kenntnisse von einem diplomierten Ingenieur auf jeden Fall erwarten. Da alle Mitarbeiter des Unternehmens per Outlook-Express kommunizieren, gibt es bei Kostal spezielle Schulungen, auch für andere Anwendungen gibt es Crash-Kurse. „Aber wir haben mit der heutigen Ingenieurgeneration sowieso keine schlechten Erfahrungen gemacht. Die Basis der Leute ist super“, berichtet Schienbein. Häufig seien Elektronik-Ingenieure ja auch privat regelrechte Computerfreaks.
Als Personalleiter hat Schienbein bemerkt, dass auf eine Ausschreibung im Internet zwar weniger, aber dafür qualifiziertere Bewerber antworten. Dieses Verfahren hätte den positiven Nebeneffekt, auch gleich einen Eindruck von den Bewerbern im Hinblick auf ihr Wissen im Umgang mit den neuen Medien zu bekommen.
Hansjürgen Paul vom Institut für Arbeit und Technik in Gelsenkirchen, der vor einigen Jahren seine Dissertation über „exploratives Agieren“ bei der Arbeit mit Computern schrieb, glaubt, dass niemand ernsthaft eine bestimmte Version eines bestimmten Programms als Einstellungsvoraussetzung festlegen würde – zumindest nicht, wenn es sich um Textverarbeitung, Tabellenkalkulation und Bildverarbeitung dreht. Was aber nicht gegen eine gewisse Tiefenerfahrung spricht. „Wer beispielsweise eine Programmiersprache, ein Betriebssystem oder ein Satzprogramm einmal nicht nur an der Oberfläche kennen gelernt hat, wird von diesen Erfahrungen bei allen weiteren DV-Aktivitäten profitieren“, erläutert Paul. Im Grunde müsse ein Ingenieur in der Lage sein, mittels Erkundung und Experiment, eine Applikation, ein Betriebssystem, ja ein ganzes Computersystem erschließen zu können, ohne dabei Schaden anzurichten.
Joachim Johanning, Leiter der Entwicklungsabteilung beim Anlagenbauer Krupp Uhde in Dortmund, erwartet von einem frisch diplomierten Mitarbeiter kein Software-Spezialwissen, aber die von Hansjürgen Paul beschriebene Fähigkeit, bei aller notwendigen Hilfestellung selbständig neue Programme erarbeiten zu können. Er hat allerdings im Berufsalltag manchmal ein kleines, eher gegensätzliches Problem. Mitarbeiter, die Spaß an der allerneuesten Software haben, fordern immer wieder neue Programme oder Programmversionen. „Diese Computerfreaks können aber nicht erwarten, dass immer wieder neue Lizenzen gekauft werden, wenn sie nur selten mit diesen Programmen arbeiten. Sie müssen akzeptieren, dass Hard- und Software auch unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten eingesetzt wird.“ M. BURAZEROVIC

Ein Beitrag von:

  • Dr. Manfred Bergheim

    Der Autor und Karriereexperte gibt in seinen Artikeln Tipps wie Ingenieure und Ingenieurinnen Ihre Karrierechancen richtig nutzen.

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