Internet 30.07.2004, 18:32 Uhr

Spielwiese für Besserwisser

Rund 750 000 Artikel in 60 Sprachen sind schon verfügbar.

Seit einem Jahr gehört Martin Haase zum Kreis der rund 4000 registrierten Autoren, die neben der weitaus höheren Zahl anonymer Verfasser die deutsche Wikipedia-Seite mit ihrem Wissen spicken. Genauer gesagt gehört er zu den rund 280 sehr aktiven Wikipedianern, über deren Beitragsfreude die Rubrik „Statistik“ Auskunft gibt. Eine Mischung aus beruflichem und persönlichem Interesse hat ihn zum Mitmachen animiert. „Man kann Dinge wagen, die man sonst nicht tun würde“, sagt der Professor für Linguistik und Lehrstuhlinhaber an der Universität Bamberg. Input geben über die Kettwurst („eine ostdeutsche Variante des Hot Dog“) etwa, die Unterschiede von Sexus und Genus definieren, oder bei Verwechslungen von medizinischen mit linguistischen Termini eingreifen.
Neues einstellen, Angefangenes verbessern, ergänzen, ändern, kommentieren: Die offene Enzyklopädie Wikipedia verlangt Medienkompetenz pur, trennt Spreu schnell von Weizen. „Die maximale Überlebenszeit von offensichtlichem Unsinn beträgt fünf Minuten“, so Arne Klempert, Wikipedia-Administrator und Sprecher des jüngst gegründeten Vereins Wikimedia Deutschland. Jede Artikel-Version, jede noch so geringfügige Korrektur wird protokolliert und ist per Klick auf den Version-Button von Anfang bis Ende nachvollziehbar. Kontrollinstanz sind die Nutzer selbst, nur im Extremfall greifen die ehrenamtlichen Administratoren ein. Und Kontrolle tut durchaus Not, weiß Haase. „Es funktioniert nur, wenn man das auch beobachtet. Bei über 100 000 Artikeln ist die Pflege wichtiger als die neue Anlage.“
Dass Masse allein keine Klasse macht, ist auch den Wikipedia-Aktivisten klar. Eine Qualitätsoffensive soll das Wissensinventar systematisch entrümpeln, vertiefen und Lücken im Wildwuchs schließen. Alle zwei Wochen wird derzeit ein neues Themengebiet per Abstimmung ausgewählt, Anfang August wird nach der UNO-Aktualisierung das Thema Olympia bearbeitet. Während Felder wie Technik, Software oder Internet bereits „sehr gut“ abgedeckt sind, besteht nach Ansicht Klemperts vor allem im Bereich Geisteswissenschaften Nachholbedarf.
Vom freiwillig abgegebenen Nutzerwissen allein kann Wikipedia selbst freilich nicht existieren. Auf 4500 Gbyte summiert sich der monatliche Datenstrom des Online-Lexikons, und der muss ebenso bezahlt werden wie die vierzehn bei der Wikimedia-Stiftung in Florida postierten Server, auf denen sämtliche Wikipedia-Lexika liegen. Um nicht ausschließlich auf Spenden der Nutzer angewiesen zu sein, hat sich der als erster nationaler Ableger der amerikanischen Stiftung gegründete Verein primär die Entwicklung planbarer Finanzierungsalternativen etwa in Form von Fördermitgliedschaften zum Ziel gesetzt. Neuland betritt man auch mit den künftig klassisch auf Papier gedruckten Wikireadern, die zu den Themen „Schweden“ und „Internet“ bereits als PDFs vorliegen und von Privatleuten herausgegeben werden. Einzige Lizenzbedingung: Die Autoren müssen genannt werden, Überarbeitungen wieder ins System eingespeist werden. Kommerzielle Absichten spielen dabei weniger eine Rolle, denn die Hoffnung neue Autoren zu gewinnen.
Unumstritten ist Wikipedia nicht. Mangelnde Objektivität und Neutralität, fehlende Standards, langwierige Bearbeitungsprozesse, Diskussionen und Entscheidungsfindungen, die an die Frühzeit der Grünen Partei erinnern, lauten die Kritikpunkte. „Ist Weltwissen Verhandlungssache“, fragte jüngst etwa ein Telepolis-Autor, der auch die Medienkompetenz der Nutzer überfordert sieht. Haases Antwort ist eindeutig: „Auch beim Brockhaus haben sich Fehler eingeschlichen. Aber was da einmal drin ist, ist dann Stand.“ Und, was in Zeiten grassierenden Halb- und Viertelwissens vor allem gilt: „Man sollte sich nie nur auf eine Quelle verlassen.“HERTA PAULUS

Von Herta Paulus

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