Mobilfunk 13.05.2005, 18:38 Uhr

Sound pur auf dem Handy  

Monophon war einmal. Inzwischen tönt statt „tüüt-tüüt“ Musik in Stereo-Hifiqualität auf UMTS-Handys. Viele neue Musikhandys kommen im Laufe des Jahres auf den Markt. Europäische Netzbetreiber haben inzwischen den schnellen Download ganzer Musikstücke auf das Handy über ihre UMTS-Netze gestartet. Marktforscher sehen jedoch nach wie vor das Milliardengeschäft im Klingeltonmarkt.

Hiphop-Star „50 Cent“ führt derzeit mit „Candy Shop“ die erste deutsche Hitparade für Handy-Klingeltöne an. Seit April gibt das Branchenblatt Musikwoche die Klingelton Top 15 heraus. Enthalten sind polyphone Klingeltöne und die so genannten Realtones, der Fachjargon für unvollständige Musikstücke von 20 s bis 30 s Länge.

Kein Wunder, das Geschäft mit den Klingeltönen brummt im Vergleich mit den Umsätzen aus den Online-Downloadbörsen. Weltweit ist das ein milliardenschwerer Markt.

Allein in Deutschland wurden im vergangenen Jahr Klingeltöne im Wert von 183 Mio. $ verkauft. Diese Zahlen nannte der internationale Interessenverband Mobile Entertainment Forum (MEF) auf dem Mobile Music Forum anlässlich der Musikmesse Midem in Cannes.

„Das Handy ist das Abspielgerät der Zukunft“, schmettert Leslie Golding der Musikindustrie entgegen. Der Direktor von M2Y-Siemens verweist dabei auf die immer größeren Handyspeicher für „500 bis 1000 Tracks“. Golding ist nicht der einzige. Auch auf der weltgrößten Mobilfunkmesse 3GSM World in Cannes, stellten viele Handyriesen neue Musikhandys vor.

Motorola will gegen Ende des Jahres ein Apple itunes-Handy auf den Markt bringen. Nokia paktiert mit Microsoft, SonyEricsson lässt den „Walkman“ wieder auferstehen – in Handyform – und Samsung präsentierte das UMTS-Musikhandy SGH-Z300.

Sie alle schielen auf UMTS-Netze und damit den Start von Services, die in ein bis zwei Minuten ganze Musikstücke auf das Handy bringen. Dafür machte Vodafone Ende 2004 in mehreren europäischen Ländern den Anfang. Für stolze 1,99 € können Handynutzer unter 3000 Songs, die je Land lizenziert wurden, wählen, und auf ihr Mobiltelefon laden. Bis Sommer 2005 will Vodafone seinen Download-Service auf 10 000 „Mastertones“ aufstocken.

Auch T-Mobile zieht nach. „Wir wollen mit einer deutlich sechsstelligen Songauswahl starten“, so Matthias Immel. Der Leiter Consumer Marketing betont, dass nicht nur die neuen UMTS-Handys mit bis zu 4 min langen Musikstücken beladen werden können, sondern auch normale Han- dys. Bei denen dauert der Download zwar via GPRS bis zu 6 min. „Über technisch ausgefeilte Clients und Audiokompression können Nutzer Musik aber schon hören, während sie weiter herunterladen.“ Für Immel heißt das Ziel, den Musikservice möglichst vielen Handynutzern zu ermöglichen.

Dafür ist eine Audiokompression, die in der mobilen Welt AAC+ heißt, unerlässlich. Inzwischen scheint sich dieses Format, vom Fraunhofer Institut für integrierte Schaltungen in Erlangen entwickelt, zum Standard zu entwickeln. Damit ist ein Song von bis zu 4 min mit einer Datenmenge von rund 1 MByte nur ein Drittel so groß wie ein normales MP3-File.

Skeptisch beäugen Analysten den Markt rund um den mobilen Musik-Download. Credit Suisse First Boston prognostiziert für den Westeuropäischen Markt rund 398 Mio. $ im Jahr 2008. Nur etwa 20 % der Nutzer, die über geeignete Handys mit Speicher verfügen, würden auch Songs herunterladen.

Auch Berlecon Research zweifelt am ausschließlichen Herunterladen von Musik über Funk in der kürzlich veröffentlichten Studie „Mobile Music: More than Downloading – Alternatives to the Dominant Model and their Implications“. Für Nicole Dufft, Senior Analystin bei Berlecon Research, dürfen „Streaming und die Synchronisierung mit dem PC nicht vernachlässigt werden“, um langfristig Erfolg zu haben. Insgesamt geht Dufft davon aus, dass sich der mobile Downloadmarkt im Vergleich zum Herunterladen von Musik z.B. beim weltweiten Marktführer itunes über das Festnetz wesentlich langsamer entwickelt. Noch ist zudem nicht ausgemacht, ob Musikhandys den bereits etablierten Markt mit dem MP3-Playern knacken können.

NIKOLA WOHLLAIB

Jamba! – das Berliner Klingelton-Imperium

Im Oktober 2000 gab es kaum Handys, die den schnellen Übertragungsstandard GPRS unterstützten. Doch Jamba! witterte bereits seine Chance im Geschäft mit Infodiensten und später auch den Klingeltönen. Die Dotcom-Legende, hinter der die drei Brüder Alexander, Oliver und Marc Samwer sowie Max Finger und Ole Brandenburg stehen, verband man bis dahin vor allem mit dem deutschen Ableger der Auktionsplattform ebay. Im Laufe der Jahre stieg Jamba! schnell zum Marktführer bei Klingeltönen auf – ein Markt, an den niemand glaubte. Vor allem Musikverlage und -konzerne konnten sich nicht vorstellen, mit Songfetzchen Millionenumsätze zu machen. Heute feiern sie Klingeltöne als großen Hoffnungsträger. Es waren die Mobilfunkanbieter, die schnell reagierten. An sie liefert Jamba! heute weltweit Klingeltöne. Sehr früh war z.B. E-plus mit seinem i-mode-Dienst in Deutschland dabei. Heute bietet Jamba! monatlich 1000 bis 2000 neue Klingeltöne, Songs und Geräusche an. Das einstige Start-up mit 65 Mitarbeitern betreibt heute das in Europa führende Internetportal für mobiles Entertainment und dehnt sich sukzessive in den amerikanischen und asiatischen Markt aus. Vor einem Jahr hat der US-Telekom- und Internetdienstleister VeriSign das Handy-Portal für 273 Mio. $ übernommen. Die Berliner beschäftigen nun 480 Mitarbeiter, von denen sich allein 60 um Klingeltöne, Songs und Geräusche kümmern. Denn: „Musik wird in Zukunft zum integralen Bestandteil auf dem Handy und ist aus der mobilen Unterhaltungsindustrie nicht mehr wegzudenken“, so Jamba!-Geschäftsführer Marc Samwer.  niwo

Ein Beitrag von:

  • Nikola Wohllaib

    Freie Journalistin in Berlin. Scherpunktthemen: Telekommunikation, Medien, Medienpolitik.

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