Konkurrenz für Google 27.03.2013, 17:14 Uhr

Sony will bei Datenbrillen mitmischen

Bald gibt es was auf die Augen und zwar gewaltig: Nachdem Google jüngst die Datenbrille Google Glass präsentiert hat, zieht Konkurrent Sony jetzt mit einer eigenen Cyberbrille nach. Das Modell des japanischen Elektronikherstellers  ist gleich mit zwei Projektoren für Bilder im Sehfeld des Brillenträgers in Full-HD ausgestattet.

Jetzt will auch Sony eine Datenbrille auf den Markt bringen. Sie soll vor allem der Unterhaltung dienen.

Jetzt will auch Sony eine Datenbrille auf den Markt bringen. Sie soll vor allem der Unterhaltung dienen.

Foto: dpa/Philipp Schulze

Ein Patentantrag vom 14. November 2012 beim US-amerikanischen Patentamt zeigt eine Brille, die sich auf den ersten Blick kaum von einer gewöhnlichen Sonnenbrille unterscheidet. Allerdings sind an den Seiten der Brillengläser zwei winzige Projektoren montiert, die ein Bild in das Blickfeld des Brillenträgers projizieren. Und zwar in Full- HD. Auf beiden Brillengläser kann die Sony-Brille Bilder mit einer Auflösung von 1920 x 1080 Bildpunkten zeigen.

Position und Größe der projizierten Bilder sind frei wählbar

Die Mini-Bildschirme liegen jeweils am äußersten rechten und linken Rand der Brillengläser, damit sie das normale Sehfeld des Brillenträgers nicht stören. Die Entfernung dieser kleinen Displays zum Auge ist mehrstufig einstellbar, so dass der Anwender die für ihn optimale Position der Bildschirme selber bestimmen kann. Auch die Größe des projizierten Bildes kann der Brillenträger frei wählen. Ein Vorteil, weil der Träger der Cyberbrille so selber den Grad der Ablenkung durch die flimmernde virtuelle Welt in seinem Sehfeld bestimmen kann.

Eine Zeichnung aus dem Patentantrag von Sony vom November 2012.

Eine Zeichnung aus dem Patentantrag von Sony vom November 2012.

Foto: US-Patentamt

Die beiden Konkurrenten Google und Sony scheinen fest an den Erfolg ihrer Datenbrillen zu glauben und wollen unseren Umgang mit Informationen unterwegs vollkommen verändern. Dieser Trend nennt sich im Fachjargon „Wearable Computing. Ausgestattet mit einer Schnittstelle zum Internet sollen diese Brillen dem Träger Informationen zur aktuellen Umgebung in Echtzeit geben. Denkbar ist zum Beispiel, dass der Köln-Tourist beim Blick auf den Dom den Original-Bauplan vom ersten Dombaumeister Gerhard von Rile aus dem Jahr 1248 gezeigt bekommt. Oder ihm beim Blick durch das große bunte Richter-Fenster im Südquerhaus im Inneren der Kathedrale eine Vita des Kölner Künstlers Gerhard Richter präsentiert wird.

Sonys Brille bespielt über Kopfhörer auch die Ohren

Auf die Ohren gibt es diese Informationen auch, denn die Sony-Datenbrille ist mit Kopfhörern ausgestattet. Dieses Ausstattungsdetail weist auch darauf hin, dass Sony mit seiner Cyberbrille in direkte Konkurrenz zu Google Glass tritt. Auch sie zielt auf den Fun-Faktor für den Anwender ab. Auf der Internetpräsenz der Google-Brille zeigt ein peppiges Werbevideo die vielfältigen Möglichkeiten der Brillenzukunft. Da wird das Wetter eingeblendet, eine Uhr ist zu sehen, man kann spontane Fotos durch den Sprach-Befehl „Take a picture“ schießen.

Ungeklärt ist die Datenschutzfrage und das Recht am eigenen Bild

Eine bisher bei dem Hype um die neuen Cyberbrillen vernachlässigte Diskussion dürfte die Frage des Datenschutzes und die der Privatsphäre sein. Immerhin ermöglichen diese technischen Neuheiten es, Menschen zu fotografieren oder zu filmen, ohne dass diese etwas davon bemerken. Zumindest in Deutschland gibt es das Recht am eigenen Bild. Danach ist es nicht zulässig, Bilder ohne Einverständnis des Abgebildeten herzustellen. Wer sich an die vor allem in Deutschland so hitzig geführte Debatte bei der Einführung von Google Street-View erinnert, der mag erahnen, welche Welle der Empörung diese Produkte noch auslösen könnten. Nach der Einführung von Street-View musste der Internetgigant kritischen Menschen die Möglichkeit anbieten, deren Häuserfront auf den Google-Bildern zu verpixeln. Interessant ist dabei, dass trotz der Riesen-Empörungswelle nur drei Prozent der Deutschen tatsächlich einen Antrag auf die Verpixelung ihrer Fassade stellten. Trotzdem hat Google seitdem den Ruf weg, mit der Privatsphäre der Menschen wenig bis gar nichts anfangen zu können.

So lassen die Datenbrillen viele Fragen offen. Es ist zum Beispiel auch vollkommen unklar, wo bei beiden Modellen eigentlich die Bildelektronik untergebracht ist. Es ist nicht ersichtlich, wie die Brillen mit Energie versorgt werden sollen oder wie die Brillen an Zuspielgeräte angeschlossen werden können. Sowohl Google als auch Sony halten sich mit Informationen vornehm zurück und setzen auf den Spaßfaktor, den man mit den neuen Augengläsern haben kann. Bei der Sony-Brille, die im Gegensatz zur Google-Brille, mit zwei Projektoren ausgerüstet ist, steht die Frage im Raum, ob dem Anwender nicht der Spaß vergeht, wenn gleichzeitig links und rechts im Sehfeld Infos flimmern, er aber auch der realen Welt Aufmerksamkeit schenken möchte.

Sonys Patentantrag in Japan ist schon fünf Jahre alt

Der Patentantrag ist für die Beantwortung dieser Fragen wenig hilfreich, da er keine Auskunft darüber gibt, ob die Mini-Displays gleichzeitig bespielt werden sollen oder zum Beispiel abwechselnd. Klar ist aber, dass die Offensive von Sony nicht ein hektisches Reagieren auf die Präsentation von Google-Glass ist. Der Patentantrag der Sony-Cyberbrille in Japan stammt aus dem Jahre 2008. Es darf erwartet werden, dass zum Weihnachtsgeschäft ein Hauen und Stechen um die Gunst der Kundennasen als Datenbrillensitz beginnt. Womöglich wird er über den Preis ausgetragen. Google-Glass soll aktuell 1500 Dollar kosten, über den Preis für das Konkurrenzmodell von Sony ist noch nichts bekannt.

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