Interpol treibt Abhörprojekt voran 17.06.2014, 13:25 Uhr

Software soll Terroristen an der Stimme erkennen

Kriminelle und Terroristen sollen in Zukunft auch anhand ihrer Stimme überführt werden. Dazu will Interpol das EU-Forschungsprojekt SIIP vorantreiben. Ziel ist es, eine riesige internationale Datenbank mit Stimmproben zu schaffen, auf die alle 190 Interpol-Mitglieder zugreifen können.

Telefongespräche abhören wie auf dem Foto war gestern: Interpol treibt aktuell ein Forschungsprojekt voran, bei dem der Schwerpunkt auf dem Abhören und Überprüfen von Internet-Telefonaten und Gesprächen in sozialen Medien liegt. Eine riesige Datenbank soll entstehen, eine Software Kriminelle anhand ihrer Stimme identifizieren können. 

Telefongespräche abhören wie auf dem Foto war gestern: Interpol treibt aktuell ein Forschungsprojekt voran, bei dem der Schwerpunkt auf dem Abhören und Überprüfen von Internet-Telefonaten und Gesprächen in sozialen Medien liegt. Eine riesige Datenbank soll entstehen, eine Software Kriminelle anhand ihrer Stimme identifizieren können. 

Foto: dpa

Ein Schwerpunkt beim „Speaker Identification Integrated Project“ liegt auf dem Abhören und Überprüfen von Internet-Telefonaten und Gesprächen in sozialen Medien. Damit wollen die Projekt-Beteiligten auch sogenannte Fake-Identitäten aufdecken und identifizieren. Das ist bislang schwierig, weil die benutzten Mobiltelefone oder Internettelefonie häufig keiner Person klar zugeordnet werden können. Zum einen, weil oft keine persönlichen Daten erhoben werden, zum anderen weil falsche Angaben gemacht werden.

Mathematisches Verfahren erfasst Unterschiede

In den vergangenen Jahren gab es schon Versuche, die Teilnehmer von Telefongesprächen zu identifizieren. SIIP wird nun vor allem Tonvibrationen analysieren und mit bestehenden Mustern abgleichen. Die leichten Unterschiede und die individuelle Charakteristik in der Aussprache sollen mit mathematischen Verfahren erfasst werden. Das Projekt baut dabei auf einer Integration mehrerer Sprachanalyse-Algorithmen auf. Untersucht werden sollen unter anderem Sprachfetzen, Geschlecht, Alter und Akzent der Betroffenen sowie verwendete Schlüsselwörter und ihr Sprachschatz. Auch Verbindungs- und andere Metadaten sowie Daten aus offenen Quellen werden einbezogen. Das soll die Erkennung im Vergleich zu den früheren Versuchen wesentlich verbessern.

Datenschutz soll in Technik eingebaut werden

Neben der Technik ging es bei der ersten Projekt-Konferenz in der vergangenen Woche in Lyon aber auch um den Datenschutz. Nach dem Prinzip „Privacy by Design“ will Interpol sicherstellen, dass der Datenschutz von Anfang an in die Technik eingebaut wird.

Beim SIIP-Projekt will Interpol sicherstellen, dass der Datenschutz von Anfang an in die Technik eingebaut wird.

Beim SIIP-Projekt will Interpol sicherstellen, dass der Datenschutz von Anfang an in die Technik eingebaut wird.

Foto: dpa

Die Einbindung der Polizeiorganisation signalisiere, dass man neben den Bedürfnissen der Ermittler im Interesse der weltweiten Sicherheit auch Aspekte zum Absichern der Privatsphäre der Bürger von Anfang an mit bedenke, betonte Interpol-Justiziar Joël Sollier.

Projektkoordinator mit Geheimdienst-Kontakten

An SIIP sind insgesamt 17 Polizeibehörden, Firmen und Institute beteiligt. Das Projekt wird koordiniert von Verint Systems, einem amerikanischen Unternehmen, das Abhörsysteme entwickelt und enge Kontakte zu Geheimdiensten unterhält. Beteiligt sind außerdem der Rüstungskonzern Airbus Space & Defence, die britische International Biometric Group und die Polizei Nordirlands.

BKA wendet eigenes Erkennungssystem an

Das deutsche BKA gehört nicht zu den Projekt-Beteiligten. Das Bundeskriminalamt wendet bereits ein eigenes Sprecher-Erkennungssystem an. Damit werden Sprachproben auf akustische Ähnlichkeit überprüft. Außerdem bedient es sich eines Systems, um Autoren von Texten zu erkennen. Auch der Bundesnachrichtendienst betreibt offenbar Stimmerkennung. Dazu nutzt er laut Bundesregierung „marktgängige Produkte und integriert diese in eigene Prozesse“.

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