Software 22.09.2006, 19:23 Uhr

„Software krankt an unzureichenden Standards“  

VDI nachrichten, Düsseldorf, 22. 9. 06, jdb – Elektronik und Software sind Hoffnungsträger der Autobranche, sorgen aber inzwischen für mehr als die Hälfte aller Pannen. Sicherheitsexperte Thomas Rottke im Gespräch über die Ursachen.

Rottke: Elektronik und Software bilden Systeme, in denen viele Komponenten zusammenspielen. Die Vernetzung und gleichzeitige Parallelität der Ereignisse erschwert es, Prozesse zu synchronisieren und richtige Prioritäten in der Abarbeitung zu setzen. Die Autohersteller reagieren darauf, indem sie immer mehr Steuerungsintelligenz in Software unterbringen. Die Folge: Sicherheit und Zuverlässigkeit eines Autos hängend zunehmend von der Software ab …

VDI nachrichten: … die diese Last nicht tragen kann?

Rottke: Der Gesetzgeber fordert zwar die erforderliche Sorgfalt und Ausführung gemäß dem Stand der Wissenschaft und Technik. Doch sind die von dieser Forderung abgeleiteten Standards – im Fall etwa der IEC 61508 – nicht immer auf die Bedürfnisse der Autoindustrie abgestimmt und schwierig umzusetzen.

VDI nachrichten: Also sind die Normungsorganisationen schuld?

Rottke: Viele Branchen tun sich mit diesem Standard schwer. Er geht von idealisierten Bedingungen aus und fokussiert stark auf den Reifegrad des Software-Entwicklungsprozesses. Doch da steckt ein Denkfehler drin. Denn der Reifegrad des Prozesses ist nur eine notwendige, aber keine hinreichende Voraussetzung für sichere und zuverlässige Softwarekomponenten.

VDI nachrichten: Was wäre hinreichend?

Rottke: Standards müssen über den Prozess hinaus die Produkt- oder Systemsicht einnehmen. In der Luftfahrt oder im Rüstungsbereich sind die Standards diesbezüglich klarer und schärfer.

VDI nachrichten: Sind denn Standards überhaupt so wichtig?

Rottke: Die Autobranche steht erst am Anfang der Softwareintegration. Vor Herausforderungen wie x-by-wire-Systemen, in denen Elektronik die Mechanik ersetzen soll, schreckt sie zurück, weil sie auf dem Terrain sicherheitskritischer und zuverlässiger Software noch zu wackelig steht. Unzureichende Standards hemmen also Innovation.

VDI nachrichten: Und die Luftfahrt ist innovativer, weil die Standards dort besser sind?

Rottke: Sie sind ein entscheidender Grund, weil sie Softwareentwicklern Sicherheit geben. Standards, die dort ja auch auf längerer Erfahrung gründen, zielen nicht nur auf Reife. Sie formulieren Techniken, um Software robust zu machen. In der Autoindustrie herrscht noch Unsicherheit, wo in einer Software „dickere Balken“ hingehören. Die Software läuft zwar, doch unter Ausnahmebedingungen versagt sie noch zu oft.

VDI nachrichten: Die Software muss Ausnahmezustände automatisch erkennen und entsprechend reagieren?

Rottke: Genau. Und dafür braucht es mehr und besser definierte Tests. Es gibt dafür Vorbilder, etwa den Mobilfunkstandard GSM. Trotz aller Komplexität klappte die Einführung tadellos.

VDI nachrichten: Warum?

Rottke: Der Standard beschreibt, wie GSM funktioniert – und wie man es testet. Nur wer diese Tests besteht, ist zum Standard konform. Standardisierte Konformitätsprüfungen erleichtern Entwicklern die Arbeit ungemein.

VDI nachrichten: Was können Autohersteller daraus lernen?

Rottke: Sie müssen enger kooperieren, um Standards, definierte Schnittstellen und standardisierte Konformitätstests zu entwickeln.

VDI nachrichten: Es gibt mit AutoSAR entsprechende Bemühungen.

Rottke: Der Ansatz ist gut, die Ausführung aber etwas kompliziert. Bisher wird versucht, unter einem gemeinsamen Dach alle möglichen Konzepte zu integrieren. Wahrscheinlich sollten die Autohersteller einige Schritte zurückgehen und einfachere Konzepte entwickeln.

VDI nachrichten: Aber Software wird als Unterscheidungsmerkmal im Wettbewerb gehandelt …

Rottke: … der Wettbewerb steht guter Software tatsächlich im Wege, und zwar in dem Sinn, dass unter Kostendruck die Zeit für technische Dokumentation und umfassende Tests fehlt. Die Verifikation und Validierung von Softwarekomponenten wird in Zukunft sicher verstärkt von unabhängigen Dritten erfolgen. Das wird in anderen erfolgreichen Branchen ja auch längst so gemacht. PETER TRECHOW

Von Peter Trechow
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