Software 29.09.2006, 19:24 Uhr

Software macht Emissionshandel berechenbar  

VDI nachrichten, Berlin, 29. 9. 06, swe – Genau 1801 Anlagen sind hierzulande emissionshandelspflichtig. Die Meldung der CO2-Emissionen für 2005 ging laut Deutscher Emissionshandelsstelle reibungslos vonstatten. Anlagenbetreiber melden dennoch Nachholbedarf im Emissionsmanagement. Viele Betreiber lagen mit den eigenen Prognosen daneben. Software kann dabei helfen. Das hilft, bessere Vorhersagen zu machen und im Endeffekt Geld zu sparen.

Betreiber von Feuerungsanlagen mit über 20 MW Leistung und energieintensiven Industrieanlagen müssen seit dem Jahr 2005 Emissionsberechtigungen für Treibhausgase beantragen. Im Februar waren die ersten Jahresberichte über die Anlagenemissionen fällig.

Laut Deutscher Emissionshandelsstelle (DEHSt) liefen 98 % der Berichte, die 99,7 % aller Emissionen erfassten, fristgerecht ein. Das System scheint zu funktionieren. Auch Klagen über eine knappe Zuteilung der Emissionsrechte waren verfrüht: Der erste Nationale Allokationsplan (NAP I) war zu großzügig. Alle beteiligten Branchen hatten Zertifikate übrig.

Alles in Ordnung also? Ein vertiefter Blick in die DEHSt-Statistik verrät, dass wenige Branchen ihre Emissionen im Vorfeld richtig einschätzten.

Während die 1200 Anlagen im Energiesektor im Schnitt nur 2,5 % ihrer Zertifikate übrig behielten, verbrauchte die Zellstoffindustrie nur 20 % der zugeteilten Emissionsrechte und die 197 betroffenen Anlagen der Keramikbranche hatten 25 % mehr Zertifikate, als sie brauchten.

Wie es scheint, ist gerade die Industrie bei der Einschätzung ihrer Emissionen nicht allzu sicher. In einer aktuellen Umfrage von PE Europe bestätigen 160 von 400 Anlagenbetreibern Probleme beim CO2-Emissionsmanagement.

Nur 16 % der Befragten setzen auf professionelle Software, um ihre Emissionen und Zertifikate im Blick zu behalten. Dabei geht es um sehr viel Geld, wie Peter Köberle, Produktmanager bei PE Europe, vorrechnet: „Überschritte der größte deutsche Energiekonzern seine Emissionsvorgabe aus dem NAP um nur 1 %, wäre eine vierstellige Millionensumme fällig.“

Kleinere Stahlhersteller müssten bei einem Preis von 9 €/t CO2 immerhin noch 15 000 € aufbringen, um eine Überschreitung von 1 % zu kompensieren.

„Die Hälfte aller betroffenen Anlagen setzt weniger als 25 000 t CO2 jährlich frei“, relativiert Nino Turek, Leiter der Abteilung Emissionshandel des Beratungsunternehmens Fichtner. Selbst bei einem Preis von 30 €/t CO2 müssten sie bei einprozentiger Überschreitung also höchstens 7500 € zusätzliche Kosten kalkulieren. Dennoch empfiehlt er Emissionshandelssoftware – und zwar gerade dann, wenn ein Betreiber mehrere Anlagen und unterschiedliche Brennstoffe im Einsatz hat.

Um den Überblick zu behalten, müssten Analgenbetreiber jederzeit per Mausklick den Status quo und die Emissionsprognosen für die restliche Zuteilungsperiode abrufen können. Erst exakte Daten erlaubten es den Unternehmen, die Vorteile und Preisschwankungen im Emissionshandel zu ihren Gunsten zu nutzen oder sinnvoll von Instrumenten wie dem Banking und Borrowing Gebrauch zu machen.

Software, um CO2-Emissionen zu managen und die jährlichen Berichte gemäß den Verordnungen von EU und DEHSt zu erzeugen, gibt es von diversen Anbietern.

Das Angebot reicht vom einfachen auf Excel aufsetzenden Programm EMON der Future Camp GmbH bis zu exklusiven SAP-Lösung. Auch Siemens hat in Partnerschaft mit der EUtech Energie & Management GmbH ein Programm entwickelt, das Daten aus Leitstellen, Produktionsdatenbanken, Energiedatenmanagement, Materialwirtschaft und Finanzbuchhaltung in ein Emissionskonto zusammenführt – auf Wunsch automatisch.

Um auch kleine Kunden anzusprechen, ist die Software skalierbar und kostet in der Grundversion 4900 €. Laut Claus Blankertz von Siemens Industrial Solutions & Services lässt sie sich natürlich auch als Modul in die Leitsysteme ganzer Werke integrieren und ermöglicht konzernweites Emissions- und Energiemanagement.

In der gleichen Liga spielt ein Brennstoffmanagementsystem von Hauk & Sasko, das die Stuttgarter mit einem CO2-Monitoring-Modul ergänzt haben. Nach Angaben des Softwarehauses nutzen vier der fünf großen deutschen Energieversorger diese Lösung, um ihre Emissionen im Blick zu behalten.

Dass große Energieversorger ihre Emissionen längst mit Software managen, überrascht nicht. Doch laut Köberle gibt es schon eine Ebene darunter großen Beratungsbedarf. Das bestätigt auch Blankertz. „Gerade Unternehmen, die auch Prozessemissionen ermitteln müssen, wird jetzt erst klar, wie komplex die Materie ist“, sagt er.

Um etwa Kohlenstoffbilanzen von Hüttenwerken zu erstellen, müssten bis zu 30 verschiedene Einsatzstoffe berücksichtigt werden. Die Betreiber stünden nun vor der Entscheidung „make or buy“.

Manche Software erlaubt es nicht nur, Emissionen und komplexe Stoffströme zu überwachen und zu analysieren, sondern gibt auch Empfehlungen für den Zertifikathandel. So greift das Programm von PE Europe online auf Daten der Emissionshandelsbörse und Analysen von Greenstream Networks zu. Eine direkt integrierte Handelsfunktion gibt es aber nicht. „Wir haben aus Sicherheitsgründen einen manuellen Schritt dazwischen gelegt“, erklärt Köberle. Zur Software empfiehlt er außerdem dringend Beratung, um etwa die Datenbanken richtig einzurichten.

Zusätzliche Beratung empfiehlt auch die Convinta GmbH aus Mülheim für ihre Lösung proMON. Die Software lässt sich in existierende Stoffstrommanagement-Systeme einbinden und erstellt automatisch tagesscharfe Zeitreihen, aus denen sich gleichwohl Prognosen und exakte Emissionsanalysen wie auch die Berichte an die DEHSt generieren lassen.

„Sie schafft so Mehrwert aus sowieso erhobenen Daten“, wirbt Geschäftsführer Roberto Greening. Er sieht in der Pflicht zum CO2-Monitoring gar Vorteile für Unternehmen: „Es bietet ihnen die Chance, die gesammelten Daten von Finanz- und Rechnungswesen bis Anlagensteuerung und Leitstellen in Einklang zu bringen.“

Die resultierenden Synergien würden den zusätzlichen Aufwand durch die Emissionshandelspflicht mehr als aufwiegen. Spätestens, wenn die Allokationspläne nicht mehr so großzügig ausfallen wie im ersten Jahr, würden Unternehmen von einem frühzeitigen IT-gestützten Emissionsmanagement ganz sicher profitieren.

PETER TRECHOW

 

Von Peter Trechow
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