Facewatch is watching you 23.12.2015, 09:22 Uhr

So schützen sich britische Ladenbesitzer und Wirte vor Dieben

Wie wär’s, wenn der Boutique-Besitzer ein Signal bekäme, wenn ein Ladendieb das Geschäft betritt? Genau das ermöglicht ein Netzwerk in Großbritannien. Läden, die sich bei Facewatch anmelden, können ins Netzwerk Bilder von Ladendieben hochladen. Und eine Software soll Täter schon beim Betreten erkennen und den Inhaber warnen. 10.000 Mitglieder hat das Netzwerk schon.

Von Dieben verwüsteter Drogeriemarkt in Wehr im Landkreis Waldshut: In Großbritannien schützen sich Ladenbesitzer vor Dieben durch Kameras, die die Gesichter der Besucher scannen. Die Gesichter bekannter Ladendiebe sind bereits einprogrammiert. Betritt ein registrierter Ladendieb den Laden, erhält der Besitzer ein Signal und kann sich schützen.

Von Dieben verwüsteter Drogeriemarkt in Wehr im Landkreis Waldshut: In Großbritannien schützen sich Ladenbesitzer vor Dieben durch Kameras, die die Gesichter der Besucher scannen. Die Gesichter bekannter Ladendiebe sind bereits einprogrammiert. Betritt ein registrierter Ladendieb den Laden, erhält der Besitzer ein Signal und kann sich schützen.

Foto: Polizei/dpa

„Ich weiß, das klingt ein bisschen wie Minority Report, aber es ist möglich“, sagt selbstbewusst der  Facewatch-Gründer Gordon Simon. Im Hollywood-Science-Fiction-Thriller „Minority Report“ von Stephen Spielberg aus dem Jahre 2002 gibt es eine Polizeiorganisation namens Precrime, die Verbrechen verhindert, bevor sie geschehen. Informationsbasis sind dort Zukunftsvisionen. Im Facewatch-Kosmos sollen das die Bilder von Überwachungskameras leisten.

Facewatch arbeitet mit 13 Polizeieinheiten zusammen

Im Prinzip ist Facewatch ein Informationspool: Auf der Plattform können sich Unternehmer in Gruppen zusammenschließen, um Informationen und Videoaufnahmen von Dieben aus einer bestimmten Region auszutauschen. Mittels eines Formulars können „Ereignisse“ gepostet werden. Die „Ereignisse“ mit Beweisbildern können darüber auch rasch an die Polizei geschickt werden. Es arbeiten derzeit 13 Polizeieinheiten mit Facewatch zusammen. Etwa 10.000 Unternehmen nutzen inzwischen die Plattform.

Bekannte Ladendiebe werden in einer Datei gespeichert, auf die die Überwachungskameras samt Software Zugriff haben. Erkennen sie ein Gesicht wieder, bekommt der Ladenbesitzer ein Signal.

Bekannte Ladendiebe werden in einer Datei gespeichert, auf die die Überwachungskameras samt Software Zugriff haben. Erkennen sie ein Gesicht wieder, bekommt der Ladenbesitzer ein Signal.

Foto: Facewatch

Und das mit Erfolg: Auf den Presseseiten, die mit Facewatch kooperieren, sind schon diverse Erfolgsmeldungen zu lesen über gefasste Ladendiebe und verhinderte Überfälle.

Inhaber von Londons ältester Weinbar wehrt sich gegen Taschendiebe

Gordon Simons Initiative für die Plattform hat einen konkreten Anlass: Er ist der Inhaber von Londons ältester Weinbar. „Gordon’s Wine Bar“ in Covent Garden gibt es schon 125 Jahre. Gegründet wurde sie 1890 von Wendy Gordon und wird seitdem als Familienbetrieb geführt. Simon Gordon hat mächtig geärgert, dass es immer wieder vorkam, dass seine Gäste bestohlen wurden, während sie ihren edlen Tropfen genossen.

Wegen zunehmender Diebstähle an Gästen in Londons ältestem Weinlokal Gordon's Wine Bar kam Inhaber Gordon Simon auf die Idee, mit einem Netzwerk gegen Langfinger vorzugehen.

Wegen zunehmender Diebstähle an Gästen in Londons ältestem Weinlokal Gordon’s Wine Bar kam Inhaber Gordon Simon auf die Idee, mit einem Netzwerk gegen Langfinger vorzugehen.

Foto: Jerry Bruns/Gordon's Wine Bar

2010 reichte es ihm, er wurde aktiv und gründete Facewatch. Mitglieder der Plattform sind kleinere Geschäfte, Restaurants und Bars. Sie tauschen seitdem Aufnahmen von Taschendieben aus Überwachungskameras. Allerdings mussten die Wirte und Ladeninhaber bislang Kunden und Diebe auf den Fotos selbst markieren. Fünf Jahre später fühlt sich Facewatch reif für den nächsten Schritt. Jetzt soll Software die Guten von den Bösen trennen.

730.000 € über Crowdfunding eingesammelt

Dazu startete Facewatch bereits im Mai eine Crowdfunding-Aktion auf der Plattform Crowdcube. Dabei konnten die selbsternannten Verbrechensbekämpfer von 153 Investoren 530.000 britische Pfund einsammeln. Mit dem Geld will Facewatch international expandieren. In den USA, Australien und Kanada ist Facewatch mit Partnern bereits präsent, Anfragen von Interessenten aus der EU und Island liegen vor.

Wird ein möglicher Ladendieb von der Kamera eines Geschäftes erkannt, werden auch benachbarte Läden und Restaurants gewarnt.

Wird ein möglicher Ladendieb von der Kamera eines Geschäftes erkannt, werden auch benachbarte Läden und Restaurants gewarnt.

Foto: Facewatch

Jetzt sollen die Überwachungskameras mit einer Software zur Gesichtserkennung ausgerüstet werden und selbstständig Alarm schlagen, sobald ein potentieller Ladendieb aus der im System hinterlegten Liste einen von Facewatch überwachten Raum betritt. Bisher ist ein öffentlicher Aufschrei oder ein Protest gegen diese Art privater Verbrechensbekämpfung ausgeblieben.

Kein Land in Europa hat so viele Überwachungskameras

Großbritannien ist weltweit eines der Länder mit der höchsten Dichte von Überwachungskameras. Etwa 6 Millionen Videoinstallationen auf öffentlichen Plätzen, Bahnhöfen oder Flughäfen stellen die Briten unter permanenter Beobachtung. Hinzu kommen mehr als 10 Millionen Überwachungskameras entlang der Straßen. Jedes fahrende Auto in Großbritannien wird viermal pro Stunde erfasst.

Zu diesen staatlichen Überwachungskameras kommen nun immer mehr private Videoüberwachungssysteme. 

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