Telekommunikation 11.07.2013, 15:05 Uhr

Siemens verkauft Netzwerksparte NSN an Nokia

Seit vergangener Woche steht fest: Das Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks wird es nicht mehr geben. Der Münchener Konzern verkauft seinen Anteil am Netzausrüster an die finnischen Handyspezialisten.

Siemens verkauft seine Anteile an der Netzwerktochter Nokia Siemens Networks an den Partner Nokia.

Siemens verkauft seine Anteile an der Netzwerktochter Nokia Siemens Networks an den Partner Nokia.

Foto: Nokia Siemens Networks

Der Elektrokonzern Siemens zieht einen endgültigen Schlussstrich unter sein Telefongeschäft. Nach der Handysparte vor acht Jahren und den Festnetztelefonen vor fünf Jahren sind die Münchner die ungeliebte Netzwerksparte nun endlich ganz los. Der 50 %ige Anteil an dem Gemeinschaftsunternehmen Nokia Siemens Networks (NSN) gehe für 1,7 Mio. € an den finnischen Partner Nokia, teilte der Konzern mit.

Siemens-Chef Peter Löscher hat damit ein weiteres Problemkind vom Hals. Er will sich ganz auf das Kerngeschäft konzentrieren und trennt sich deshalb von den nicht profitablen Sparten.

Gemeinschaftsunternehmen hat fast 57 000 Beschäftigte

NSN beschäftigte Ende März noch 56 700 Mitarbeiter – davon 6000 in Deutschland. Das Unternehmen ist hierzulande in 17 Städten vertreten. Über die Zukunft dieser Standorte wurde am Montag nichts Konkretes mitgeteilt. Es hieß lediglich, dass NSN eine starke regionale Präsenz in Deutschland behalten will.

Das Unternehmen ist einer der größten Telekommunikationszulieferer der Welt. Größte Konkurrenten sind der schwedische Konzern Ericsson, die französische Alcatel-Lucent und die chinesischen Unternehmen Huawei und ZTE.

Die Netzwerksparte hatte Siemens erst im Jahr 2007 mit der von Nokia zusammengelegt. Um den Verkauf des Siemens-Anteils an dem Gemeinschaftsunternehmen zu ermöglichen, greift Löscher dem angeschlagenen finnischen Handyhersteller unter die Arme: Vom Kaufpreis fließen erst einmal nur 1,2 Mrd. € in bar, den Rest muss Nokia erst später zahlen.

Der Preis liegt damit unter den zuletzt spekulierten Größenordnungen: Im Februar wurde der Wert des Unternehmens in einem Bericht der „Financial Times“ noch auf etwa 5 Mrd. € taxiert.

Der Markenname soll geändert werden

NSN kämpft wie die gesamte Branche seit Jahren mit einem harten Wettbewerb. Das Management hatte Anfang 2012 die Reißleine gezogen und harte Einschnitte und eine Konzentration aufs Mobilfunkgeschäft angekündigt. Dazu gehört auch der Abbau von 17 000 der weltweit 74 000 Arbeitsplätze. Dies zeigte zuletzt Wirkung – der Verlust ging zurück. Zudem stabilisierte sich das Geschäft und der Umsatz sank im ersten Quartal nicht mehr so stark.

Ob der Mobiltelefonhersteller Nokia den Ausrüster auf Dauer im Konzern behält, ist offen. Der Markenname soll auf jeden Fall geändert werden und einem finnischen Zeitungsbericht zufolge soll die Produktion ausgelagert werden. Dabei könnte NSN zwischen 500 Mio. € und 600 Mio. € erlösen, berichtete die Zeitung „Helsingin Sanomat“ unter Berufung auf vertrauliche Dokumente. Interessenten für die sechs Werke seien Auftragsfertiger wie Foxconn und Flextronics.

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