Mobilfunk 08.08.2003, 18:26 Uhr

Siemens baut weitere 2300 Stellen bei ICM ab

In Deutschland werden von der neuen Streichwelle 507 Jobs betroffen sein. Bereits im vergangenen Jahr fielen im Mobilfunk-Bereich (ICM) 4000 Stellen dem Rotstift zum Opfer.

Es liest sich zunächst harmlos: „Siemens Mobilfunk plant Ausweitung des Restrukturierungsprogramms“. So die Überschrift einer Pressemitteilung, die kürzlich aus München verschickt wurde. Doch was sich nach mehr anhört, ist faktisch weniger. Angesichts schlecht laufender Handy-Geschäfte werde das Unternehmen 2300 Stellen abbauen, erklärte Rudi Lamprecht, im Siemens-Vorstand zuständig für die Mobilfunksparte (ICM) des Unternehmens. In ihr sind Geräteherstellung und Mobilfunknetze zusammengefasst. Bereits im vergangenen Jahr waren dort 4000 Stellen gestrichen worden.
Im laufenden Geschäftsjahr sei der Handy-Markt weltweit um 20 % gesunken, im vergangenen Jahr bereits um 15 %, so Lamprecht. Angesichts von Preisverfall und Überkapazitäten wolle man die Kosten innerhalb der nächsten zwölf Monate um 1 Mrd. ‹ senken. Bereits Mitte Juli hatte Heinrich von Pierer, Vorstandsvorsitzender der Siemens AG, auf einer Betriebsversammlung in Perlach erläutert, dass das Unternehmen einen Kooperationspartner für das Handy-Geschäft suche. Gerüchte darüber gibt es seit drei Jahren. Besondere Probleme bereitet dem viertgrößten Handyhersteller das Geschäft in Asien, da chinesische Unternehmen inzwischen verstärkt auf den Markt drängen.
In Deutschland, so Ingrid Piller-Brosch, Mitglied im Betriebsrat am Standort München Hofmannstraße, sind 507 Arbeitsplätze vom Stellenabbau betroffen. Auch betriebsbedingte Kündigungen sind nicht ausgeschlossen. Mehr als die Hälfte der 507 Arbeitsplätze werden in München wegfallen. Allein am Standort Hofmannstraße sind bis Ende September (dem Ende des Geschäftsjahres) 40 Stellen gefährdet, 180 weitere sollen bis zum Ende des Geschäftsjahres 2004 gestrichen werden. An zwei weiteren Münchener Standorten werden 2004 127 bzw. 50 Stellen gestrichen. In Stuttgart/Ulm werden es 50 sein, in Berlin 100 Arbeitsplätze. Vermutlich, so Piller-Brosch, werden Teile der Entwicklung ins Ausland verlagert. Die IG Metall schreckte mit der Info auf, der Zentralvorstand habe generell beschlossen, dass die Unternehmensbereiche wachsende Teile ihrer Software-Entwicklung aus Deutschland, Österreich und den USA nach Osteuropa, Indien und China – also in Billiglohnländer – auslagern sollen. Davon wären Zehntausende Arbeitsplätze betroffen. Peter Gottal, Pressesprecher der Siemens AG, dementiert: „Es gibt keinen solchen Beschluss. Softwareentwicklung ist für uns ein globales Thema, aber es gibt in Deutschland Bedarf an Top-Spezialisten, das macht doch die Green-Card-Regelung deutlich.“
Über die Einzelheiten des Arbeitsplatzabbaus bei ICM wird voraussichtlich erst ab Ende August verhandelt. Doch die Betriebsräte gehen davon aus, dass die Vereinbarungen, die bereits bei Netzwerk-Schwester ICN getroffen wurden, Grundlage einer Vereinbarung sein könnten. Das bedeutet: Wo möglich, könnten externe Consultants durch Mitarbeiter ersetzt werden (In-Sourcing). Außerdem besteht die Möglichkeit, Arbeitnehmern über 55 die vorzeitige Beendigung der Arbeitsverhältnisse anzubieten. Im Klartext: Sie melden sich arbeitslos und erhalten gleichzeitig bis zum 60. Lebensjahr 50 % des letzten Bruttogehalts.
HC/cha

Ein Beitrag von:

  • Claudia Burger

    Claudia Burger

    Redakteurin VDI nachrichten
    Fachthemen: Karriere, Management, Arbeitsmarkt, Bildung, Gesellschaft, Arbeitsrecht

  • Helene Conrady

    Redakteurin VDI nachrichten im Ressort Management und Karriere. Fachgebiete: Technologiepolitik, Technikfolgenabschätzung, Reportagen.

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