Informationstechnologie 07.03.2003, 18:24 Uhr

Sicherheitspläne liegen in der Schublade

Die Aussteller und hunderttausende von Besuchern sollen sich sicher fühlen.

Auch wenn die Veranstalter der CeBIT und große US-Aussteller wie IBM oder Microsoft betonen: „Diese Messe ist wie jede andere“, liegen die Krisenpläne bereits in der Schublade. „Für den Fall eines Irakkriegs treten im Vorfeld festgelegte Schutzmaßnahmen in Kraft“, erklärt der Sprecher der Deutschen Messe AG in Hannover, Ulrich Koch. „Wir stehen in ständigem Kontakt zu allen Behörden wie Polizei und anderen Sicherheitskräften, die ein koordiniertes Vorgehen geplant haben.“
Wie die Vorkehrungen im Detail aussehen, darf Koch nicht sagen. Auch die Polizei will keine genauen Informationen geben. „Wir haben bereits für die Expo unterschiedliche Krisenszenarien durchgespielt und die Pläne dafür liegen immer noch griffbereit in der Schublade“, so Kerst von der Einsatzleitung der Polizei. Stolz verweist er auf die damaligen Besuche gekrönter und ungekrönter Staatsoberhäupter wie Sylvia und Carl Gustav von Schweden, der König von Marokko sowie Präsidenten und Minister. Dabei bewiesen die Sicherheitsbehörden ihre Qualitäten fast täglich, sagt Kerst und ergänzt selbstbewusst: „Pannen gab es nicht.“
In diesem Jahr hält der Finne Jorma Ollilia die Gastrede bei der Auftaktveranstaltung. Der Chef des Telekommunikationskonzerns Nokia sieht sich von der aktuellen politischen Lage im Nahen Osten nicht weiter betroffen. „Wir sehen keinen Anlass zur Besorgnis und gehen davon aus, dass alles wie geplant abläuft“, erklärt Sprecherin Birgit Opladen von Nokia in Düsseldorf und vertraut dabei auf die Sicherheitsvorkehrungen der Veranstalter.
Dazu gehört schon seit Jahren die Überprüfung jedes einzelnen Besuchers. Nur geladene Gäste erhalten unter Vorlage eines gültigen Ausweises Zutritt. Die Kontrolle von Handtaschen und elektronischen Geräten zählt zum Standard für das Promi-Event, bei dem auch Kanzler Gerhard Schröder anwesend sein wird.
Nicht weniger streng sind die Vorkehrungen für das im Vorfeld der CeBIT stattfindende ICT World Forum. In den beiden Tagen vor Messebeginn erwarten die Veranstalter, das Euroforum und die Deutsche Messe AG, über 30 Firmenchefs aus dem IT-Bereich aus aller Welt sowie den wissenschaftlichen Berater des Präsidenten der Vereinigten Staaten. Hinzu kommen bis zu 500 geladene Besucher. „Um die Sicherheit zu garantieren, wurde eigens ein Security-Unternehmen beauftragt“, erklärt die Sprecherin des Euroforums Claudia Büttner. Auch BKA und LKA seien informiert und an den beiden Kongresstagen vor Ort.
Beim Messeeinlass wollen die Veranstalter allerdings nicht so weit gehen. Schließlich muss die Deutsche Messe AG den Spagat schaffen zwischen Sicherheit und dem Anspruch der Besucher auf eine schnelle Abwicklung. „Wir bieten bereits einen hohen Sicherheitsstandard, den wir gegebenenfalls durch geeignete Maßnahmen ergänzen“, betont Pressesprecher Koch immer wieder. Die Kontrolle aller Gäste mittels Scanner, wie sie am Flughafen oder auf anderen internationalen Veranstaltungen üblich ist, hält Koch aber zum aktuellen Stand der Ereignisse „für nicht nötig“. Wenn an Spitzentagen bis zu 100 000 Besucher auf das Gelände strömen, seien „intensivere Kontrollen eher hinderlich“.
„Das Messegelände ist quasi ein öffentlicher Raum“, erklärt Polizist Kerst. Es sei daher in gleicher Weise zu schützen wie Bahnhöfe oder Flughafenhallen. Dort gäbe es auch keine intensiveren Kontrollen. Und wie jeder Bahnhof oder Flughafen wird auch das Messegelände in Hannover mit Kameras überwacht. Für „ein subjektives Sicherheitsgefühl“ sorgen außerdem die ständig anwesenden Polizisten, so Messesprecher Koch.
Für den Polizisten Kerst geht es beim Thema Sicherheit aber auch um die Verkehrslenkung und um eine störungsfreie An- und Abreise. Er empfiehlt, öffentliche Verkehrsmittel zu nutzen. Von Düsseldorf, Frankfurt oder Berlin aus können Besucher mit der Bahn nonstop bis Hannover fahren. Die lokalen Verkehrsbetriebe Üstra rechnen für die CeBIT-Woche mit über einer halben Millionen Fahrgästen. Zusätzliche Mitarbeiter an den Haltestellen sollen daher für Service sorgen und die U-Bahnen im Drei-Minuten-Takt zur Messe fahren.
Anscheinend nutzen die Reisenden jedoch den öffentlichen Nahverkehr zu selten, um Vertrauen in Fahrpläne entwickeln zu können. Wer kann, der quetscht sich in die nahezu volle Bahn, die spätestens am zweiten Halt nach dem Hauptbahnhof vollständig besetzt ist. Mehr noch: Die Zusteigenden kämpfen um die Stehplätze, manchmal ohne große Rücksicht auf die Nylonstrümpfe weiblicher Messebesucher. Bis zur nächsten Haltestelle sind meist über Entschuldigungen – „Ich wollte Sie nicht treten“ und „Tut mir leid, es ist so wenig Platz“ – die ersten Kontakte geknüpft.
Zwei Haltestellen weiter wird die Luft bereits knapp und es ist schnell klar, dass diese intime Enge nicht durch weitere Fahrgäste gestört werden darf. Das Öffnen der Türen beim Halt wird von den Fahrgästen genutzt, um kurz Atem zu holen und den draußen Wartenden entgegen zu brüllen: „Ist voll!“. Wer es dennoch wagt einzusteigen, bleibt den Rest der Strecke Außenseiter. Während die anderen Fahrgäste sich bereits näher gekommen sind, kann sich der Zugestiegene bestenfalls mit der Ansage trösten: „Endpunkt Messegelände, Fahrgäste bitte aussteigen, wir wünschen Ihnen einen schönen Tag“.
Messebesucher, die mit eigenem PKW anreisen, haben da ganz andere Probleme. Spätestens wenn sie die Kasseler Berge, Magdeburg oder auch Bielefeld hinter sich gelassen haben, nimmt der Verkehr rasch zu. Im schlimmsten Fall vermiesen Staus die Laune, zumal dann, wenn das Handy nicht einmal funktioniert, weil die Funkzelle überlastet ist. Gemeinsam wollen Polizei, die Stadt Hannover und die Messe AG solche Szenarien verhindern. Die Verkehrsleitstelle führt bereits morgens rund 15 000 PKW in der Stunde auf die insgesamt 45 000 Parkplätze am Messegelände. Die lokalen Radiostationen begleiten den Messeverkehr.
Die Zuhörer wissen dann auch, ab wann die Maßnahme „A“ für eine ungehinderte Zufahrt zum Messegelände beginnt. „In 15 Minuten können alle Fahrspuren für den Verkehr Richtung Messe reserviert sein“, erklärt Polizist Kerst. Dafür sorgen seit der Expo automatische Anlagen. Statt 400 reichen heute 250 Beamte, um einen weit gehend reibungslosen Verkehrsfluss zu sichern. Hinzu kommen Hilfspolizisten, die an den Zufahrten zum Parkplatz den Verkehr steuern.
Auch bei der Abreise ist das Zusammenspiel von Parkwächtern und Polizei gefordert. Das gilt besonders für den letzten Tag, wenn die LKW-Fahrer auf dem Südparkplatz sich mit ihren Fahrzeugen in eine optimale Startposition bringen, um für einen zügigen Abbau möglichst schnell auf das Gelände zu kommen. Nach Ablauf der Maßnahme „R“, bei der alle Fahrspuren von der Messe Richtung Autobahnen freigegeben werden, setzt sich dann ein LKW-Konvoy Richtung Messe in Bewegung. Die Brummi-Parade von 50 Transportern wird von der Polizei bis zu den Einfahrten am Messegelände begeleitet. Um neun Uhr hat jeder Fahrer seinen Platz gefunden, die Tore werden geöffnet und der Abbau beginnt.
DOROTHEA WENDELN

Die größte Messe der Welt in Zahlen
Am kommenden Mittwoch öffnet die internationale Leitmesse für Informations- und Telekommunikationstechnologie CeBIT in Hannover ihre Tore. Mit 6500 Ausstellern aus 70 verschiedenen Nationen ist sie auch in diesem Jahr wieder die größte Messe der Welt. Dennoch präsentieren sich 764 Unternehmen weniger als im Vorjahr in Hannover. Vor allem die Zahl der Aussteller aus den USA ist um 50 Unternehmen gesunken. Zuwächse gab es hingegen auf dem osteuropäischen und asiatischen Markt. So beteiligen sich allein 626 Aussteller aus Taiwan und 106 Firmen aus China an der Veranstaltung.
Im vergangenen Jahr strömten 673 992 Besucher, darunter mehr als 137 000 ausländische Gäste, durch die 27 Messehallen, deren Gesamtfläche der Größe von über 56 Fußballfeldern entspricht. Auch bei der CeBIT 2003 rechnet der Veranstalter, die Deutsche Messe AG, mit rund 600 000 Gästen aus aller Welt. „Aber ob die auch kommen, lässt sich beispielsweise wegen der Irakkrise nicht vorhersagen“, so der Vorstand der Messe Gesellschaft, Ernst Raue. lr

Ein Beitrag von:

  • Dorothea Wendeln

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