IT-Sicherheit 12.01.2001, 17:28 Uhr

Schon wieder ein Datengau? – selber Schuld!

Schlecht oder gar nicht vorbereitet trifft viele Unternehmen ein Crash ihrer elektronischen Datenbestände. Wer glaubt, durch den Einsatz fehlertoleranter Speichersysteme oder regelmäßiger Backups für die Katastrophe umfassend abgesichert zu sein, erlebt nicht selten ein böses Erwachen.

Computercrashs – kein Grund zur Panik, mögen EDV-Chefs denken, die regelmäßig Datensicherungen auf Backup-Tapes durchführen. Doch die Idylle trügt: Selbst bei täglicher Sicherung gehen im ungünstigsten Fall die Leistung eines gesamten Arbeitstages verloren.
Damit nicht genug. Was ist, wenn sich im Krisenfall herausstellt, dass sich das Backup-Laufwerk im Laufe seiner jahrelangen Benutzung kontinuierlich dejustiert hat oder aufgrund von Band-alterung, Verschleiß oder dem Einfluss magnetischer Felder Sicherungsbänder nicht mehr lesbar sind?
Trotz dieser und anderer latenter Risikofaktoren hat das Thema Datenrettung bisher nur selten einen festen Platz in EDV-Katastrophenplänen. „Die Möglichkeit eines Daten-Gaus und die damit verbundene Notwendigkeit einer Datenrekonstruktion ist unverständlicherweise eine Art Tabuthema“ beklagt Franz-Wilhelm Kubasch, Geschäftsführer von Vogon, einem Münchener Datenrettungsunternehmen, die Blauäugigkeit vieler EDV-Verantwortlichen.
Die EDV-Abteilungen werden scheinbar auch durch Schaden nicht klug. Ein relevanter Datenverlust in Großunternehmen mit über 100 Beschäftigten wiederholt sich statistisch alle 4 Jahre, so die Kernaussage einer seit 1990 in Großbritannien laufenden Langzeitstudie der Convar GmbH. Die Hauptursache neben einer generellen Nachlässigkeit bei der Einrichtung und Überwachung von Backups: Die hohe Fluktuationsrate beim EDV-Personal. Nach vier Jahren ist kaum noch ein EDV-Mitarbeiter im Unternehmen, der sich an Ursachen und Folgen des früheren Daten-Crashs erinnert.
No risk, no fun scheint oft das Leitmotto bei der Datensicherung zu sein. Nach Untersuchungen des Marktforschungsinstituts Strategic Research Corporation wurden 1998 im Durchschnitt gerade einmal 26 % aller, in Unternehmen vorhandenen, elektronischen Daten regelmäßig gesichert. Daran hat sich nach Einschätzung von Peter Böhret, Geschäftsführer des Böblinger Datensicherungsspezialisten Ontrack, bis heute nur wenig geändert.
Die Liste der Gründe für eine unzureichende oder fehlende Sicherung digitaler Informationen ist lang. Unzureichende Datensicherungskonzepte gehören ebenso dazu wie Engpässe bei Bandbreiten und Speicherbedarf. Restriktive Datenschutzbestimmungen können gelegentlich eine übergeordnete netzweite Datensicherung verhindern. Der verstärkte Einsatz von Notebooks erschwert eine umfassende und kontrollierte Datensicherung.
Die EDV-Verantwortlichen machen nach Peter Böhrets Worten oft eine Gratwanderung beim optimalen Zusammenspiel elementarer Faktoren wie Ausfall- und Datensicherheit, Total Cost of Ownership, Kontrolle der User und der Installationen. „Das Dilemma liegt im Client-Management. Einerseits möchten Unternehmen mit dem Ziel größtmöglicher Sicherheit zentralisieren, andererseits mit dem Ziel größtmöglicher Produktivität dezentralisieren“, erklärt er.
Die Folgen eines unvorhersehbaren Daten-Crashs sind meist fatal und gefährden nicht selten die Existenz eines Unternehmens. So kostete einem Kreditkartenunternehmen eine Stunde Datenverlust rund 3 Mio. DM. „Etwa 2 % der Firmen, die einen gravierenden Datenverlust erleiden, gehen in Konkurs, ein fünftel erleiden Umsatzeinbrüche von mindestens 15 %“, weiß Ralph Hensel, Projektleiter Datenrettung bei Convar.
Selbst wenn der Systemadministrator alle Sicherungsmaßnahmen akkurat durchgeführt hat – es reicht ein Wasserschaden oder ein Brand in der EDV-Zentrale aus, die dort gelagerten Bänder komplett zu zerstören. Die Zukunft des gesamten Unternehmens ruhen dann eventuell auf einem Klumpen Metall, der früher einmal eine Festplatte war.
Kann auf lebenswichtige Firmendaten nicht mehr zugegriffen werden, sind Reparaturbetriebe oder selbst der jeweilige Festplattenhersteller die falsche Adresse. Hier beginnt die Domäne professioneller Datenretter (s. Kasten).
Hauptsächlich betroffen von Datencrashs sind Festplatten. RAID-Systeme mit Bandlaufwerken bieten zwar einen besseren Schutz gegen Datenverluste, dessen ungeachtet sind jedoch selbst RAIDs kein „Rundum-Sorglos-Paket“. „Fehlertolerante Systeme sind nur solange fehlertolerant, solange keiner Hand anlegt. Sie würden sich wundern, wie viele RAIDs zwecks Datenrettung Monat für Monat zu uns geschickt werden“, erklärt Vogon-Geschäftsführer Franz-Wilhelm Kubasch. SIEGFRIED DANNEHL
www.convar.de
www.ontrack.com/deutsch
www.vogon.de

Billige Festplatten steigern das Risiko

Professionelle Datenretter sind gefragt. In gut 3000 Fällen wurde allein die Firma Ontrack, einer von vier spezialisierten Unternehmen in Deutschland, im Jahr 2000 zu Rate gezogen. Dazu trägt auch bei, dass die durchschnittlichen Kosten von Rekonstruktionen von ehemals 15 000 DM bis 20 000 DM auf mittlerweile 2000 DM bis 2500 DM gesunken sind.
Gestiegen ist derweil die Erfolgsquote: In mehr als 75 % der Schadensfälle konnten alle relevanten Daten wieder hergestellt werden.
Hauptursache für den Crash bei Datenrettungsaufträgen ist mit 60 % die Festplatte. Bänder und andere Wechselmedien sind mit jeweils 20 % vertreten. Ursache hierfür ist die steigende Bedeutung der Harddisk als Primärspeicher.
Entgegen landläufiger Meinung hat sich die Qualität der Speicherplatten in den letzten Jahren nicht spürbar verbessert. „Jeder Hersteller hat so seine Leichen im Keller, also Serien, die etwa aufgrund schlechter Oberflächenbeschichtung für Crashs besonders prädestiniert sind“, verrät Ralph Hensel von der Datenrettungsfirma Convar. Sorgen macht ihm der verstärkte Einsatz preiswerter Festplatten mit ATA-Schnittstelle in Netzwerkumgebungen. Aus Kostengründen ersetzen sie immer häufiger hochwertige und teurere SCSI-Festplatten. Doch die Billigheimer fallen nach Hensels Analysen im Server-Betrieb drei Mal so häufig aus. sd

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