Internet 12.04.2002, 17:33 Uhr

Schnell – schneller – Breitband

Wer einmal das Breitband-Erlebnis hatte, mag nie mehr zurück zu niedrigen Bitraten. Doch viele Kunden warten noch auf Highspeed.

Was haben John Riccitiello, President von Electronic Arts und Bill Bass, Senior Vice President von Land“s End gemeinsam? Die beiden Manager glauben an die Zukunft von breitbandigen Anwendungen. Das zumindest erklären beide in der McKinsey-Broschüre „Broadband“s Quiet Revolution“.

Land“s End, eines der führenden Versandhäuser für Kleidung und Hausprodukte, wickelt schon heute rund 20 % seiner Verkäufe über das Internet ab. Von denen wiederum kommen, so Bass, rund 60 % über breitbandige Verbindungen. Ein Grund: Mehr als die Hälfte der Online-Kunden shoppt vom Arbeitsplatz aus. „Wir bewegen uns bereits in einer Breitbandwelt“, erklärt der Land“s-End-Manager. Auch wenn man seiner Meinung nach heute noch sensibel mit den Schmalband-Kunden, die über eine einfache Modemverbindung zum Katalog-Programm kommen, umgehen muss. In zehn Jahren, so schätzt er, dürften sich die Zeiten geändert haben. „Ich glaube an die optimistischen Breitband-Prognosen“, so Bass. „Wer einmal an einer breitbandigen Verbindung von zu Hause aus geschnuppert hat, kann nicht mehr zurück.“

John Riccitiello ist enttäuscht, dass sich breitbandige heimische Anschlüsse nicht schneller verbreiten. Schließlich ist Breitband für Electronic Arts, den zurzeit größte, unabhängigen Entwickler von interaktiver Unterhaltungssoftware, eine Art Turbo. „Wir haben Pläne für Spiele, bei denen die Nutzer nur noch fragen werden: Woh, wie haben die das gemacht?“, das verrät Riccitiello den McKinsey-Experten. Doch sie ruhen noch in den Schubladen, bis der Marktanteil von breitbandigen Zugängen wächst.

Da gerade Anbieter von breitbandigen Telefonanschlüssen sich schwer tun, steht Electronic Arts auch schon in Verhandlungen mit Satellitenbetreibern und TV-Kabelanbietern. Denn die breitbandige Welt erschließt sich nicht allein über klassische Kupferleitungen.

Doch gerade in Deutschland stecken diese beiden Alternativ-Wege noch in den Kinderschuhen. Nur nach und nach finden schnelle Internetverbindungen ihren Weg aus der Nische, hin zu Großunternehmen, kleinen und mittleren Betrieben oder Homeoffices. Auch Kunden, die zu Hause nicht mehr auf die komfortablen Breitband-Anwendungen verzichten mögen, werden inzwischen auch direkt von Betreibern und Providern angesprochen. Christof Kern, Economist im Department of Strategy beim französischen Satellitenbetreiber Eutelsat schätzt, dass „im Jahr 2006 etwa 400 000 bis 500 000 kleine und mittelständische Unternehmen in Europa Breitband-Internet via Satellit nutzen“. Von einem starken weltweiten Wachstum der Branche geht auch eine Studie der Unternehmensberatung Frost & Sullivan aus, allerdings mit der präzisen Einschränkung: „Breitbandzugang über Satellit wird auch in Zukunft ein Nischenmarkt bleiben.“

Eher unfreiwillig kreisen noch immer die Highspeed-Verbindungen über das TV-Kabel in der Warteschleife. Zwar haben sich viele Kabelbetreiber inzwischen daran gemacht, die vorhandenen Strukturen aufzurüsten und mit einem Rückkanal auszustatten, doch von einem Massenprodukt kann hier noch längst nicht gesprochen werden. Nicht zuletzt durch den geplatzten Verkauf von sechs Kabelregionen der Deutschen Telekom an den US-Investor Liberty Media droht der Kabelmarkt ins Stocken zu geraten.

„Im Kabel bewegt sich zurzeit nichts“, ist der desillusionierte Tenor auf so mancher Fachveranstaltung. Denn auch die Callahan-Kabelgesellschaft Ish, die bei laufendem TV-Betrieb das Netz in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen auf 862 MHz aufrüstet, macht bei der kritischen Kundschaft vor allem durch Sendeausfälle von sich reden. Auch die neuen Web-Verbindungen halten nicht immer, was der Anbieter mit dem auffälligen Logo verspricht. Von Telefonie und dem so genannten „Triple Play“ von Telefonie, Internet und Digital-TV gar nicht zu reden. Da können kleinere Konkurrenten inzwischen schon mehr bieten, allen voran Bosch Telecom.

Trotz vieler Rückschläge : In der Bonner Regulierungsbehörde hat man die Bedeutung von breitbandigen Netzzugängen längst erkannt. „Privatkunden haben einen steigenden Informationsbedarf, der schmalbandig nicht mehr zu decken sein wird. Geschäftskunden können mit Hilfe von breitbandigen Anwendungen ihre Effizienz steigern“, erklärt Matthias Kurth.

Mehr noch für den Regulierer sind breitbandige Netzzugänge ein Schlüsselfaktor für die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts Deutschland. Sie, so Kurth, sorgen für Wirtschaftswachstum, für Beschäftigung und soziale Entwicklung im Rahmen der Informationsgesellschaft.

Optimistisch blickt Donald Tait, Analyst bei Frost & Sullivan in die Zukunft. „Nach bislang eher zögerlicher Entwicklung steht der europäische Breitband-Markt kurz vor der Explosion.“ Die Abonnementzahlen würden von zurzeit rund 4 Mio. auf über 28  Mio. in 2008 steigen. So richtig in Schwung komme der Markt allerdings erst, wenn die Telekommunikationsbranche nach den aktuellen Turbulenzen wieder zur alten Form gefunden habe.

SIMONE ZELL / REGINE BÖNSCHBreitband-Systeme und deren Kapazität

System

Kapazität

Glasfaser

2 Mbit/s – 3,65 Tbit/s

DSL

0,128 – 8 Mbit/s

TV-Kabel

144 – 862 kbit/s

WLL

2 – 34 Mbit/s

Powerline

0,64 – 2 Mbit/s

UMTS

0,144 – 2 Mbit/s

HyperLAN/WLAN

2 – 54 Mbit/s

Satellit (Downstream)

bis zu 8 Mbit/s

Quelle: regtp/VDI-N

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