Unternehmenssoftware 17.11.2000, 17:27 Uhr

SAP surft in die Fernsehwelt

Mit ihrem Live-Kongress im Internet wagten sich die Walldorfer Software-Experten von SAP auf neues Terrain. Den virtuellen „Gipfel“ besuchten mehr als 20 000 Teilnehmer.

Wenn du den Unterschied nicht kennst, solltest du vielleicht als Frittenverkäufer in Holland anfangen“, lautet der boshafte Kommentar im Forum des ersten vollständig virtuellen E-Business-Summit der SAP AG. Abgestraft wurde so ein Fragender, der gerne genauer zwischen Internet-Sales und Online-Store differenziert hätte. Solche boshaften Kommentare zwischen Geschäftspartnern sind natürlich selten. „Auf unseren virtuellen Summit ‚kommen“ offensichtlich auch Top-Manager, die sich sonst kaum für Tagungen freimachen“, freut sich SAP-Projektmanager Raimund Mollenhauer.
„51 % der Teilnehmer wollten anonym bleiben“, berichtet Mollenhauer, der von den 20 000 Anmeldungen geradezu überwältigt ist. „Gerechnet hatten wir mit 5000.“ Ein traumhafter Erfolg für die Organisatoren. Für drei Tage summen die Leitungen, rasen die Signale zwischen zwei Satellitenstationen in Philadelphia und Walldorf hin und her, und es kommunizieren Tausende am elektronischen Handel Interessierte rund um den Globus. Sie alle erlebten Web-Casting live. „Es gibt bisher für solch ein gigantisches Ereignis keinerlei Erfahrungswerte“, versichert Mollenhauer. „Doch wie die tatsächliche Teilnehmerrate von rund 45 % der Anmeldungen zeigt, ist das Bedürfnis nach Kommunikation im Internet enorm.“ So wurden schon am ersten Tag des virtuellen Summits 42 000 eingestellte Artikel aus den Foren gelesen, so die Chat-Experten.
Mit geschätzten 5 Mio. Dollar Investition stemmt die SAP hier ein Event, das als echter Gipfel sicherlich das Zehnfache kosten würde. In nur zweieinhalb Monaten Aufbauzeit und nach anfänglichem Zögern in den Chefetagen wurden Teile des Foyers des Walldorfer Hauptgebäudes in ein pulsierendes Fernsehstudio verwandelt. Hier steht die Sende-Box, deren Dach mit seinem Kabelsalat man von der Galerie aus noch die Improvisation ansieht. Und als in ihr der Web-TV-Moderator den SAP-Gründer und CEO der gerade ein halbes Jahr alten SAP Markets, Hasso Plattner, zum Statement ermuntert, fragen einige Teilnehmer, die das Geschehen live und parallel online am PC verfolgen, erstmal: „Wo sind Ton und Bild?“
„Im Puffer natürlich“, schmunzelt Raimund Mollenhauer. Web-TV kommt nur fast in Echtzeit – und auf jedem der auf der Galerie stehenden Monitore ein wenig zeitversetzt. „Was macht das schon, draußen in der Welt“, fragt Mollenhauer zu Recht. Der Benutzer muss seine Medienkompetenz voll ausspielen: Links im Bildschirm redet Plattner, der Ton kommt über Kopfhörer, ein Fenster bietet Illustrationen, die man nach Vorschlägen der Vortragenden gezielt anklicken kann. Wem das noch nicht reicht, der taucht schnell ins Forum ab, schaut, ob ein neuer Diskussionsbeitrag erschienen ist. Oder man tippt schnell seine Frage ein.
Wie bei jeder guten Politsendung ist die Web-TV-Panel-Diskussion geteilt in drei Blöcke. „40 bis 90 Fragen verzeichnen unsere Techniker pro Diskussionsrunde“, berichtet Mollenhauer in einer der Pausen, in denen er seinem gläsernen Sendekasten entschlüpfen kann. Dort, im Hintergrund, sammeln er und flinke Helfer die einlaufenden E-Mails, drucken sie auf gelbem Papier aus, sichten und strukturieren sie und reichen interessante Anregungen ans Panel weiter. „Welche Rolle spielt die Internetsprache XML (Extensible Markup Language) künftig beim Zusammenschalten unterschiedlicher Geschäftsapplikationen“, will da einer wissen – von draußen, in der Welt.
„Wer Transaktionen zwischen Unternehmen propagiert, wer Marktplätze für den elektronischen Handel schaffen will, der muss die vernetzte Kommunikation zum Prinzip erheben“, sagt Hasso Plattner. So korrelieren die neuen Business-Web-Projekte mit der innovativen Form des virtuellen Summits. „Partner tun sich zusammen, selbst solche, die in einigen Bereichen als Konkurrenten zu bezeichnen sind.“ Deshalb zieht SAP Markets mit Commerce-One an einem Strang. Softwarehäuser verbinden sich mit Industriepartnern aus B2B wird M2M – von Business to Business zu Marketplace to Marketplace.
Die 46 % der am virtuellen Summit teilnehmenden Berater und SAP-Partner, 40 % Kunden und die restlichen 14 % „Anderen“ werden es gerne hören. „Wir haben mit unserem Ereignis unsere Zielgruppe gut getroffen“, kann sich Projektleiter Mollenhauer freuen. 10 % kamen aus der C-Level-Position, 32 % waren Manager, 21 % Consultants, 7 % Teamleiter und 5 % Analysten.
Und wie diese Beteiligten an den Bausteinen der digitalen Ökonomie feilen, so klicken und schalten hunderte Helfer an der Organisation des virtuellen Workshops: Vier Gruppen hocken in Räumen der SAP mit klingenden Namen wie Düsseldorf oder Singapur an ihren Flachbildschirmen und antworten auf Fragen, die nicht ins Panel aufgenommen wurden. Die TV-Truppe der Bavaria sorgt dafür, dass Plattner und seine Diskussionspartner korrekt ins linke Monitorfensterchen rücken, das gesamte Streaming kommt von Akamai Technologies, Cambridge, Massachusetts. Die Kapazität der Server hätte für 10 000 parallele Nutzer gereicht. „Wir haben alles nach außen vergeben, was wir nicht selbst stemmen konnten oder wollten“, sagt Mollenhauer. „Schließlich brauchten wir eine Verfügbarkeitsgarantie.“ Das gesamte Gipfel-Erlebnis ist nun aus dem Archiv abrufbar, außerdem wird es als Offline-Version eine DVD geben. Und ob ein virtueller Gipfel tatsächliche ablösen wird? Mollenhauer lächelt. „Wer weiß? Wir veranstalten ja keine touristischen Treffen. Wir wollen das Ereignis mal in Ruhe auswerten.“ ULRICH SCHMITZ

Von Ulrich Schmitz
Von Ulrich Schmitz

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