Unternehmenssoftware 09.07.1999, 17:22 Uhr

Ressourcenplanung braucht Flexibilität

Enterprise Resource Planning ist zum technologischen Rückgrat in Unternehmen geworden. Aber Experten bezweifeln, daß die zentralistisch aufgebauten und daher vergleichsweise unflexiblen Software-Pakete die Anforderungen im neuen Jahrtausend noch erfüllen.

Die vergangenen Jahre waren für Hersteller von Enterprise Resource Planning (ERP) Programmen pures Schlaraffenland. Führende Anbieter – SAP, Oracle, PeopleSoft oder Baan – verzeichneten Wachstumsraten von über 100 % pro Quartal. Aktienkurse der Software-Firmen schossen durch die Decke. Die komplexen Programmpakete haben sich ihren Platz in Unternehmen erobert: Schon lange übernehmen sie kritische logistische Aufgaben und lassen sich nicht mehr aus der IT-Landschaft wegdenken. In den letzten Monaten hat sich jedoch immer wieder gezeigt, daß die Applikationen leicht zu trojanischen Pferden werden können. Ausgelöst durch das Jahr-2000-Problem erkennen immer mehr Manager, daß es sich bei ihren ERP-Applikationen um Zeitbomben handelt. Für Installation und laufende Veränderungen an den Systemen zahlen Unternehmen üblicherweise das Fünffache vom Kaufpreis der Software. Die Folge: Vor der Jahrtausendwende schrecken IT-Manager vor Neuinvestitionen zurück, ERP-Anbieter melden leere Auftragsbücher – ihre Börsenkurse sackten in den Keller.
„Anforderungen wie die Jahr-2000-Problematik sind in modernen Unternehmen keine Einzelheit mehr. Sie werden sich häufen“, behauptet Karl Newkirk, Managing Partner für Enterprise Business Solutions bei Andersen Consulting. In Zukunft wird das Erkennen von Chancen und flexibles, schnelles Handeln zu entscheidenden Wettbewerbsfaktoren, und Unternehmen müssen sich die Frage stellen, ob ihre heutigen ERP-Programme diese Anforderungen erfüllen können.
Nach Meinung von Experten werden führende Anbieter – allen voran SAP – damit Schwierigkeiten haben, denn ihre Software ist zentralistisch aufgebaut und daher vergleichsweise unflexibel. Einzelne Applikationen sind eng mit Informationen in der Datenbank verknüpft und ermöglichen deshalb nicht nur wenig Spielraum für schnelle Veränderungen, sie können ihren Anwendern keine wirklich gehaltvollen Informationen liefern. Die eingeschränkte Möglichkeit, aussagekräftige Analysen durchführen zu können, hat bereits den Weg für eine neue Branche geebnet: Front-End-Software – allen voran Siebel Systems oder Vantive. „Im Informationszeitalter müssen Unternehmen nach neuen Regeln spielen“, erklärt Newkirk. „Der Erfolg hängt davon ab, wie schnell neue Ideen umgesetzt werden können.“ Dabei wird es notwendig, auf Veränderungen von Markt und Technologie zu reagieren – wie beispielsweise die Umstellung auf den Euro – oder neue Marktsegmente eigenständig anzugehen.
„Was hilft eine ERP-Software, wenn sie dem Unternehmen bei derartigen Veränderungen ein Klotz am Bein ist“, meint Douglas Massingill, President und CEO von J. D. Edwards. „Wie kann ein Unternehmen agieren, wenn die ERP-Software zum Problem wird?“ J. D. Edwards, bisher das fünfte Pferd in einem Rennen mit vier Pferden, ist sicher, daß in Zukunft TCO zum entscheidenden Schlagwort in Unternehmen wird. Das Unternehmen meint jedoch nicht nur Total Cost of Ownership, sondern vielmehr Total Cost of Opportunity. „Konzerne werden sich in Zukunft fragen müssen, welche Verluste sie zu tragen haben, wenn sie eine Business-Opportunity verpassen“, so Massingill.
Ein gutes Beispiel ist der Buchhändler Amazon.com, der durch seinen schnellen Marktauftritt dem weitaus größeren Buchhandel Barnes & Noble (einschließlich seines Web-Sites Barnesandnoble.com) das Wasser abgegraben hat. „Wieviel Millionen Dollar hat Barnes & Noble durch das verzögerte Handeln verloren?“ Dabei geht es nicht darum, möglichst schnell eine Web-Seite auf die Beine zu stellen, sondern die notwendige Back-Office-Technologie zu nutzen, um einen Wettbewerbsvorteil zu erzielen. Nach einer Studie der Gartner Group müssen Anbieter von ERP-Programmen ihre Software-Architektur grundlegend verändern – nicht nur, um die neuen Bedürfnisse von Unternehmen zu erfüllen, sondern um in fünf Jahren überhaupt noch im Markt existieren zu können.
Für Konzerne, die diese neuen Anforderungen erkennen, stellt sich zwangsläufig die Frage, welche ERP-Anbieter ihre Applikationen derart modifizieren können, daß sie sich schneller installieren lassen, mit dem Unternehmen wachsen und sich schnell an neue Strukturen anpassen lassen. Mit welchen Applikationen kann innerhalb kurzer Zeit ein E-Business aufgebaut oder ein Customer Service Netzwerk etabliert werden? SAP, der Dinosaurier der Branche mit einer in der Welt von Großrechnern geborenen Software-Architektur, wird es schwierig finden, diese neuen Anforderungen zu erfüllen. Auch Baan ist schon bei dem Versuch gescheitert, neue Applikationen – etwa von der eigenen Tochterfirma Aurum – in seine bestehende Software-Struktur zu integrieren. Und PeopleSoft kämpft derzeit, um überhaupt seine Marktanteile zu halten.
Bei näherer Betrachtung ist derzeit J. D. Edwards der einzige Anbieter, dessen Software auf Flexibilität und Veränderungen in Unternehmen ausgerichtet ist. Ein Beispiel: Während es sich bei SAP Version R/2 und R/3 um komplett verschiedene Systeme handelt, läßt sich J. D. Edwards Pendant – WorldSoftware und OneWorld – gemeinsam innerhalb eines Netzwerks betreiben. Mit der neuen ActiveEra-Architektur lassen sich J. D. Edwards Applikationen im laufenden Betrieb modifizieren, und mit sogenannten Aktivatoren (Activators) können verschiedene logistische oder technologische Veränderungen sogar von Benutzern durchgeführt werden – ohne Consultants teuer bezahlen zu müssen. Auf der vergangenen CeBIT hat es sogar SAP-Mitarbeiter ins Staunen versetzt, als J. D. Edwards einen Business-Activator vorstellte, der automatisch ein gesamtes System auf den Euro umstellte.
Enterprise Ressource Planning, so behaupten Experten, wird schon bald der Vergangenheit angehören. Es entsteht eine neue Software-Branche, die Lösungen für Inter-Enterprise-Computing bietet. Entscheidende Erfolgsfaktoren dieser Branche sind Vertrauen und Flexibilität. Vertrauen, um externen Firmen zum Beispiel per Internet den Zugriff auf kritische Unternehmensdaten zu gestatten, und Flexibilität, um notwendige Veränderungen im System schnell umsetzen zu können.
PETER MATTHIES
Anwender von ERP-Programmen fordern von dieser Software, daß sie sich schnell auf Veränderungen im Unternehmen ausrichten läßt.

Stellenangebote im Bereich Softwareentwicklung

in-tech GmbH-Firmenlogo
in-tech GmbH Informatiker als Softwareentwickler C++/Qt für industrielle Systeme (m/w/d) Garching bei München, München
Pixida-Firmenlogo
Pixida Functional Owner – Digital Services und Connected Devices (m/w/d) München
Porsche AG-Firmenlogo
Porsche AG Softwareingenieur (m/w/d) ASPICE für Entwicklungsprozesse Weissach
Jungheinrich Aktiengesellschaft-Firmenlogo
Jungheinrich Aktiengesellschaft Embedded Softwareentwickler (m/w/d) Norderstedt
Porsche AG-Firmenlogo
Porsche AG IT Security Expert (m/w/d) Digital Workplace Weilimdorf
XTRONIC GmbH-Firmenlogo
XTRONIC GmbH Embedded Software Developer (w/m/d) Böblingen
SimonsVoss Technologies GmbH-Firmenlogo
SimonsVoss Technologies GmbH Senior Middleware Stack Architect (m/w/d) Unterföhring bei München
DIgSILENT GmbH-Firmenlogo
DIgSILENT GmbH Ingenieur Elektrotechnik (w/m/d) Anwendungsentwickler C++ Gomaringen
Porsche AG-Firmenlogo
Porsche AG Service-Experte (w/m/d) Data-Streaming Weilimdorf
XTRONIC GmbH-Firmenlogo
XTRONIC GmbH Requirements Engineer Bereich Kombiinstrumente (m/w/d) Böblingen

Alle Softwareentwicklung Jobs

Top 5 IT & T…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.