E-Business 14.07.2000, 17:25 Uhr

Regionalen E-Marktplätzen fehlt häufig die kritische Nutzer-Masse

Die Protagonisten des E-Commerce verweisen auf die Aspekte der Globalisierung, wenn sie das Zukunftspotenzial des wirtschaftlichen Handelns via Internet beschreiben.

Beispielhaft ist der hübsche TV-Spot von IBM, der Geschäftsleute in Japan zeigt, die im World Wide Web das günstige Angebot eines mittelständischen Schrauben-Herstellers aus dem Schwarzwald entdecken. Dabei ist der einheitliche, weltumspannende Markt nicht nur eine begrüßenswerte Konsequenz, sondern oft auch erst Voraussetzung für erfolgreiches E-Business. Wie Marek Wojcicki von Arthur Anderson Business Consulting darlegt, bedarf es einer „kritischen User-Masse“, damit ein elektronischer Marktplatz funktioniert.
Um die notwendige Zahl von Marktteilnehmern gewinnen zu können, darf die regionale Abgrenzung nicht zu eng dimensioniert sein. So manche Marktplätze für Spezialitäten – etwa der elektronische Stellenmarkt für IT-Fachkräfte – sprengen die nationalen Grenzen, und häufig ist selbst Europa zu klein für erfolgreiches E-Business.
Die kritische Nutzer-Menge wird in vielen Bereichen des E-Commerce derzeit nicht auf regionaler Ebene erreicht. Zur Behebung dieses Mangels besteht ein deutlicher Trend zur Bildung von elektronischen Mega-Märkten, in denen viele Einzel-Märkte zusammengefasst werden. Damit geht zwar Transparenz verloren, aber wenigstens verspricht die im Rahmen der Fusionen gestiegene Teilnehmerzahl bessere Geschäfte.
Angesichts dieser aktuellen Entwicklung mag das Bemühen um regionale E-Marktplätze, in die beispielsweise die rheinland-pfälzische Landesregierung 300 Mio. DM investiert, anachronistisch erscheinen. Doch bei näherer Betrachtung macht dieses Vorgehen durchaus Sinn: Regionale Portale und Plattformen für Handel, Handwerk, Fremdenverkehr, Landwirtschaft, Weinbau und Verwaltung stärken die Leistungsfähigkeit dieser Gruppen, weil sie nicht zuletzt die regionale Kundenbindung ins Internet retten. Allerdings dienen solche virtuellen Marktplätze auf kommunaler oder Landesebene derzeit eher noch als Informations- und Kommunikationsplattformen, als dass sich über sie profitables E-Business abwickeln ließe.
Soll sich E-Commerce auch auf regionaler Ebene lohnen, dann muss die Zahl der Nutzer hier so drastisch erhöht werden, dass sich die Fusion zu Mega-Märkten unter wirtschaftlichen Aspekten erübrigt und so der aktuelle Trend umgekehrt werden kann. Die Vermehrung der User in einer Region kann aber nicht einfach dadurch gelingen, dass man etwa alle Haushalte, Unternehmen, Behörden mit einem Internet-Zugang ausstattet. Internet-Nutzer müssen herangebildet werden, im Rahmen einer Multimedia-Qualifikation, die bereits in der Grundschule ansetzt und durch berufsbegleitende Erwachsenenbildung auch diejenigen noch einbezieht, die sich als zu alt für den Einstieg in die neuen Techniken wähnen.
Noch ist der wirtschaftliche Durchbruch für regionale Internet-Plattformen nicht erreicht. Aufgrund mangelnder Verbreitung der notwendigen Qualifikationen werden in den nächsten Jahren etwa 75 % aller kommerziellen Internet-Nutzungen nicht erfolgreich sein, schätzt Eckhard Schindler von KPMG Consulting. UWS
Ein Lebensmittelhändler kann seinen Online-Auftritt regional begrenzen. Doch ein Stellenmarkt etwa muss auch Menschen außerhalb der Region ansprechen.

Ein Beitrag von:

  • Uwe Schamari

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