Internet 18.08.2000, 17:26 Uhr

Rechter Pfad führt in die Irre

Dort wird über den Nationalsozialismus informiert und zur Erinnerung an die Opfer aufgerufen.

Die gute Absicht ist da: Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin forderte in der vergangenen Woche eine Blockade rechtsextremistischer Internet-Adressen. Doch damit würden auch jene Domains kalt gestellt, hinter deren Namen sich Kritik und Widerstand gegen den Neo-Nazismus verbergen.
NSDAP – diese fünf Buchstaben stehen für die Partei des Terror-Regimes von Hitler. Daraus hat der Christian Witt aus Braunschweig eine deutsche Internet-Anschrift gemacht. Die erste Seite zeigt: „Achtung, Sie verlassen jetzt den Bereich des Internets“. Dann folgt die Warnung: Weiterklicken auf eigene Gefahr!“ Die zweite Seite verheißt: „Glückwunsch, Sie haben es geschafft!“ Die dritte: „Endlich – Ruhe!“ Und wer jetzt noch klickt, sieht nur noch eine weiße Seite: Die Suche nach der NSDAP, sie führt ins Leere.
Witt war zunächst erstaunt, dass der Domain-Name noch frei war. Er hatte Skrupel: „Darf man, kann man, soll man sich darauf bewegen?“ Der Designer kam zu dem Schluss: „Wenn wir Kreativen schon schneller sind, sollten wir den Namen nutzen.“ Er bekam zur E-Mail-Nutzung der Seite „diverse Anfragen“, die er stets ablehnt. Gefreut dagegen haben ihn die „vielen Komplimente“. Ähnlich nutzt Andre Koegler aus Dresden seine Seite namens „Konzentrationslager.de“: In düsterer Atmosphäre ist ein Stacheldraht zu sehen, darüber ein schwarzer Vogel, darunter der Text: „nie vergessen. den Opfern der Unmenschlichkeit“.
Der Düsseldorfer Stefan Mannes klärt mit vielen Querverbindungen dann genau auf: „Mit der Wannseekonferenz begann eine Mordmaschinerie anzulaufen, an der zahlreiche Institutionen, Ämter, Industriebetriebe sowie Teile der SS, der Polizei und des Militärs beteiligt waren und die insgesamt Hunderttausende von Menschen beschäftigte. Etwa 6 Mio. Menschen fielen der historisch einzigartigen, rassenideologisch motivierten Vernichtungsaktion“. Detaillierte Informationen gibt es auch zum KZ Auschwitz. Andere Namen hat Stefan Mannes ebenfalls belegt: „der-ewige-jude.de““ etwa, benannt nach dem scheußlichen NS-Propaganda-Film oder „Shoa“, nach dem hebräischen Namen für Judenvernichtung.
Die Oberbegriffe „Antisemitismus“, „Zigeuner“ und die „Nazis“ hat sich der Berliner Verlagskaufmann Markus Rabanaus zu eigen gemacht. Auf der Antisemitismus-Seite heißt die Überschrift: „Internet-zum-Mitmachen gegen den braunen Ungeist… damit es sich nicht wiederhole“. Bei „zigeuner.de“ heißt es: „Auf dieser Seite können die Verbände der Sinti und Roma Veranstaltungen ankündigen.“ Die Seite „Nazis.de“ zeigt das deutsche Banner. Aber darunter steht: „Erst dann, wenn keine Asylbewerberheime mehr brennen, Erst dann, wenn kein Polizist jüdische Kindergärten schützen muss, Erst dann hat sich unser Volk vom Faschismus befreit!“ Und: „Hass ist Gift für den Verstand.“ Die Seite soll zu Diskussionen mit Rechten anregen.
„Das machen wir schon seit zwei Jahren“, sagt Rabanaus. Mit dem Start gab es 300 Zugriffe täglich, heute sind es 1000. Rabanus führt genau Statistik: „Durchschnittlich werden acht Seiten gelesen“. Meist von Rechtsextremen, die sich mit schroffen E-Mails beschweren. „Wir hatten Angst vor Anschlägen“, so Rabanus. Doch er bleibt konsequent: „Wir schreiben höflich zurück und bitten um die Überprüfung des Gedankenguts“. Diese Dialogbereitschaft stoße zwar auf herbe Kritik aus der linken Szene, führe aber zu Aussteigern in der rechten, nun vereint im „Thulenet.de“. Das erschüttere die Rechten am meisten, sagt Rabanus, „weil ihnen der Begriff “Thule-Netz heilig ist. Und wir machen ausgerechnet damit eine Aussteiger-Seite gegen Hass, Wahnsinn und Gewalt“. EBERHARD PH. LILIENSIEK
Rechte im Netz

Denic soll unter staatliche Kontrolle

VDI nachrichten, 18. 8. 00 – Der Düsseldorfer Regierungspräsident, gesetzlich zuständig für die Internet-Medienaufsicht in ganz Nordrhein-Westfalen (NRW), ist jetzt gegen rechtsradikale Webinhalte vorgeprescht: Jürgen Büssow verlangte schriftlich von den rund 190 Providern im Bundesland die Überprüfung und Beseitigung rechtsextremistischer Inhalte. Büssow sieht seinen Vorstoß zunächst als „konzertierte Aktion“ mit den Providern. Gleichzeitig drohte er: „Auch ordnungsrechtliche Maßnahmen gegen Unwillige sind möglich“. Die Behörde könne in NRW Bußgelder bis 500 000 DM verhängen oder den Anbieter sperren: „Das wäre ein wirtschaftlicher Verlust, der am meisten weh tut“, so Büssow.
Dabei nimmt der Regierungspräsident keine Rücksicht darauf, dass rechtsextremistisches Material zumeist auf US-amerikanischen Webseiten zu finden ist: „Das Internet ist kein rechtsfreier Raum“, betont er. Bei allem Respekt vor der Meinungsfreiheit in den USA habe er die dortigen Provider auf die UN-Menschenrechtskonvention hingewiesen und den US- Generalkonsul in Düsseldorf informiert.
Zugleich hat Büssow den Behörden in allen anderen Bundesländern empfohlen, ähnlich vorzugehen: „Das Internet muss frei bleiben von politischem Extremismus!“. Er bedauere, dass in Berlin und Karlsruhe zwei Provider rechtsextreme Inhalte verbreiten könnten. Dass die deutsche Registrierungszentrale für Domainnamen sofort die Seite „heil-hitler.de“ gelöscht hat, lobte Büssow. Allerdings will er die Denic eG in Frankfurt „langfristig staatlicher Kontrolle unterstellen“.
Dr. Klaus Herzig, der Sprecher der eingetragenen Genossenschaft reagierte spröde: „Solche Forderungen kommen immer wieder“, sagte Herzig den VDI nachrichten. Eine Unterordnung wies er zurück: „Die Selbstregulierung hat sich bewährt. Und wir arbeiten bereits mit dem hessischen Wirtschaftsministerium.“ Bei monatlich 200 000 Neuregistrierungen – d. h. alle 15 sec. eine neue Domain – sei eine Prüfung jedes Namens vor der Eintragung durch die Denic unmöglich. Herzig: „Die Registrierungen werden uns von den Internet Providern auf elektronischem Weg übermittelt.“ Eine Prüfung könne somit nur bei den Providern selbst erfolgen. pbd

Von Pbd
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