Mobilfunk 11.01.2002, 17:32 Uhr

Quo vadis Quam?

Die Telefónica agiert in Spanien wie ein Monopolist. Wie Mitbewerber das erleben, spürt ihre Mobilfunk-Halbtochter Quam nun selbst. Den Conquistadores fehlt es in Europa an Fortune.

Telefónica ist Spaniens größtes börsennotiertes Unternehmen – und das mächtigste. Auch vier Jahre nach der Öffnung des spanischen Telekommunikationsmarktes hat der Ex-Monopolist immer noch 90 % des Marktes inne, die durchschnittlichen Telefongebühren im spanischen Festnetz zählen zu den höchsten der EU. Wettbewerber beklagen, dass Präsident César Alierta seine guten Beziehungen zum Ministerpräsidenten José María Aznar vor allem dazu nutze, um sich die lästige Konkurrenz vom Hals zu halten.

Anders als viele spanische Telefon-leitungen des ehemaligen Monopolisten funktioniert diese direkte Connection zur Regierung störungsfrei – sogar für ausländische Gespräche. So setzte sich Aznar auch jüngst auf dem EU-Gipfel für die Mobilfunkinteressen seines Amigos in Alemania ein. Quam, die gemeinsame Tochter von Telefónica (57,2 %) und der finnischen Sonera (42,8 %), die hierzulande seit November klassische Mobilfunkdienste anbietet, hatte wegen fehlender Freischaltung der Marktmächte Deutsche Telekom und Vodafone in sein Netz auf das frohlockende Weihnachtsgeschäft verzichten müssen. Denn die 15 Quam-Läden und die 5000 mitgenutzten Debitel-Geschäfte konnten ab Mitte Dezember bis Anfang Januar keine Neukunden anwerben.

Zwar ist das Problem mit den D1- und D2-Netzen inzwischen behoben. Doch die Blamage von Telefónica und ihrem Deutschland-Chef Ernst Folgmann bleibt hängen. Es werde bereits über eine Auswechselung an der deutschen Führungsspitze nachgedacht,schreibt die spanische Tageszeitung Expansion.

Das Mobilfunk-Engagement Aliertas über die Tochter Telefónica Móviles auf dem alten Kontinent, wo er in fünf Ländern UMTS-Lizenzen erworben hat, wird immer mehr zu einem Abenteuer. „Wir sind sehr skeptisch“, sagt Nahum Sanchez, Analyst der Caja Madrid Bolsa. Vor allem in Deutschland, wo Telefónica als einer von sechs Anbietern und ohne einen Kundenstamm über die Group 3G zusammen mit den Finnen eine Lizenz im Wert von 8,5 Mrd. « erworben hatte, fahre das Unternehmen eine sehr riskante Strategie.

Analyst Sánchez war nicht sonderlich überrascht, als Quam jetzt auf Schwierigkeiten bei der Kommerzialisierung ihrer Produkte stieß. Auf einen starken Wettbewerb wie in Deutschland seien die Spanier nicht richtig vorbereitet.

Glück hatte die Münchener Halbtochter da eher beim Skispringen. Der Vierschanzen-König Sven Hannawald sorgte mit seiner Mütze für viel „Quam“ auf dem Bildschirmen. Folgmann jedenfalls hält an seinem Ziel fest, bis 2010 rund 10 % des Marktes innehaben zu wollen und dritt- oder zumindest viertgrößter Anbieter in dem dann aller Voraussicht nach bereits vollfunktionierenden UMTS-Marktes zu sein. Die Zahl der Angestellten soll bis Mitte 2002 von derzeit 800 auf 1000 wachsen.

Auch Italien, wo Telefónica mehrheitlich an dem UMTS-Konsortium Ipse beteiligt ist, hat sich zum Krisenherd entwickelt. Man konnte sich bis jetzt weder auf eine Marke noch auf einen Start festlegen. Im Festnetzbereich geht die Strategie der Spanier ebenfalls nicht auf. Das Ziel, in ganz Italien Telefonie anzubieten, wurde auch nach zwei Jahren noch nicht erreicht.

Der Rest Europas spiele zwar für Telefónica Móviles, die außerhalb Spaniens vor allem in Lateinamerika Kasse machen, keine große Rolle. Aber die misslungene Premiere in Deutschland macht an der Börse keinen guten Eindruck. Viele Analysten stufen die Aktie des rentablen Telefonie-Anbieters, die lange ein „Kauf“ war, nur noch auf „halten“. Das hat zwar auch mit der Krise in Argentinien zu tun. Aber die Ankündigung Aliertas, seine Investitionen in Österreich und der Schweiz zurückzuschrauben und den Eintritt in die osteuropäischen Länder aufzugeben, nährt die Vermutungen, dass die Spanier ohne einen starken Partner in Europa nicht überleben können.

Eine Fusion mit Telecom Italia, über die seit Monaten spekuliert wird, scheint immer wahrscheinlicher. „Es macht strategisch durchaus Sinn“, sagt Jacobo Pascual, Analyse-Chef bei Dresdner Kleinwort Wasserstein in Madrid. Auch Portugal Telecom, mit denen die Spanier in Brasilien ihre Mobilfunkgeschäfte vereint haben, scheint interessant. Pascual: „Hier ist jedoch die staatliche Beteiligung noch ein Hindernis.“ STEFANIE MÜLLER

Finanziell gesunder Player in Europas Mobilfunkwelt

Telefónica Móviles zählt zu einem der finanziell gesunden und effizientesten Player des europäischen Marktes. Trotz der schwierigen Situation der Telekommunikationsbranche konnten sie in den ersten neun Monaten in 2001 einen satten Netto-gewinn von 670 Mio. « einfahren – 38 % mehr als im Vorjahr. Chef Luis Lada hat inzwischen einen Kundenstamm von 23 Mio. kabellosen Telefonierern auf der ganzen Welt, 15,6 Mio. alleine in Spanien. An der Börse ist der Mutterkonzern Telefónica mit einer Kapitalisierung von 61 Mrd. US-Dollar inzwischen der drittgrößte europäische Mobilfunk-Wert. Lada geht davon aus, dass am Ende des Konzentrationsprozesses in Europa nur noch vier bis fünf große Mobilfunkanbieter überbleiben. Spanien will bei der Konsolidierung den Ton angeben. scm

 

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