Smart Home 17.08.2012, 11:00 Uhr

Qivicon-Allianz nimmt sich für Markteinführung bewusst Zeit

Seit mehr als einem Jahr treibt eine bunte Industrieallianz rund um die Deutsche Telekom, Miele, Energieversorgern und anderen eine Plattform für das vernetzte Haus voran. Doch Produkte von „Qivicon“ – so der Name des hersteller- und standardunabhängigen Systems – wird es auch 2012 noch nicht zu kaufen geben. Die Partner lassen sich bewusst Zeit. IFA-Besucher können die Technik ausprobieren.

Noch in der Warteschleife: Das vernetzte Haus.

Noch in der Warteschleife: Das vernetzte Haus.

Foto: obs/PREVIEW

„Messezeit ist immer Stresszeit“, das weiß Holger Knöpke von der Deutschen Telekom wenige Tage vor der größten Konsumelektronikmesse IFA nur zu genau. In diesem Jahr will der Leiter Connected Home dem Publikum in Berlin „Qivicon“ vorstellen. So heißt seit einigen Monaten eine neue Plattform für die vernetze Hauswelt.

„Qi steht im chinesischen für Energie, vi für Vita, das Leben, und con steht für die verbundene Welt“, erklärt Knöpke stolz. Der Name soll international trumpfen. Selbst im arabischen Sprachraum sei er auszusprechen, das habe man getestet. Die Industrieallianz rund um das „verbundene Leben“ scheint Großes vorzuhaben.

16 Partner hat die Telekom mittlerweile gewonnen – nicht alle dürfe man nennen. Mit Rockethome, Kasaahome und Nova Tec wurden Unternehmen gewonnen, die Applikationen für die Plattform schnitzen können. Fest steht: Energieunternehmen wie EnBW und E.on, Hausgerätehersteller wie Miele, EQ3, ein Spezialist für Aktorik und Sensorik, und der Konsumelektronikriese Samsung sind mit von der Partie. Knöpke ist überzeugt: „Mit der Innovationskraft von Samsung kann ich mir vorstellen, dass der Kühlschrank wirklich intelligent wird.“

Doch Qivicon will mehr. Herstellerübergreifend und standardunabhängig soll ein System für das intelligente Haus von morgen entstehen. Da lässt sich mithilfe des Partners Digitalstrom die Powerline-Technologie ebenso einfach integrieren wie das Hausautomationssystem Homematic. WLAN scheint als einer von mehreren Standards für die Qivicon-Box gesetzt.

Qivicon-Allianz hat auch Energieeffizienzim Blick

Mit großem Interesse verfolgt die Allianz Entwicklungen rund um den EE-Bus, der für die Schnittstellen zwischen hausinterner Kommunikation und dem Datenaustausch mit dem Energieversorger sorgen soll. Schließlich hat die Allianz neben Themenfeldern wie Sicherheit, Komfort und Gesundheit auch die Energieeffizienz zu Hause im Blick. Oder, wie Knöpke es formuliert: „Das ist in Zeiten der Energiewende Pflichtprogramm.“ Die Analysten von Strategy Analytics jedenfalls sind davon überzeugt, dass Qivicon die Nachfrage für intelligente Anwendungen im Bereich Smart Home weiter stimulieren wird.

Und die Aussichten der Marktbeobachter sind speziell für Deutschland rosig. 22 % aller deutschen Haushalte, die über breitbandige Zugangstechniken verfügen, sollen danach bis 2017 eine Smart-Home-Lösung installieren. Neben Anwendungen rund um das Energiemanagement, dürften ferngesteuerte Überwachung und Kontrolle von Systemen, Alten- und Krankenpflege sowie die Vernetzung heimischer Unterhaltungselektronik die Treiber sein. „Es wird nicht eine Killerapplikation, sondern einen bunten Strauß an Möglichkeiten geben“, glaubt Analyst Bil Ablond.

Und sein Strategy-Analytics-Kollege David Mercer ist überzeugt, dass Deutschland den westeuropäischen Markt für Smart-Home-Lösungen anführen wird. Schließlich habe man hier neben der Telekom und ihren Qivicon-Partnern auch andere innovative Unternehmen wie Bosch Siemens Haushaltsgeräte im Land.

Telekom-Manager Knöpke ist dagegen bei Prognosen vorsichtiger. „Es geht um ein Gesamtsystem. Alles soll zusammen funktionieren: der Fernseher ebenso wie die Waschmaschine oder der Heizungsregler.“ Und, im Nachsatz wird deutlich, warum er die Schwierigkeiten in den Vordergrund rückt: „Produkte, basierend auf der Qivicon-Plattform, wird es erst im zweiten Quartal 2013 geben – und ich sage bewusst voraussichtlich.“

Qivicon-Markteinführung dauert noch Monate

Die Deutsche Telekom und ihre Partner testen zwar jetzt schon die Plattform und erste Anwendungen, doch von der eigentlichen Markteinführung sind sie noch viele Monate entfernt.

„Wir sind uns alle einig: Qualität geht vor Zeit“, wird Knöpke nicht müde zu betonen. „Lasst uns nichts überstürzt in den Markt bringen. Wir wollen richtig gute Anwendungen, runde Produkte haben, die auch die Kunden überzeugen“, das hätte man sich gesagt. Damit wurden Ankündigungen der letzten IFA und CeBIT weiter nach hinten verschoben.

Eduard Sailer, Geschäftsführer Technik beim Partner Miele, gibt sich entspannt. Den Einstieg von Haushaltsgeräten in die Systemfähigkeit hält er für einen riesigen Schritt nach vorn. „In fünf bis zehn Jahren könnte der vernetzte Haushalt Realität sein.“ Bereits seit letztem Jahr haben die Westfalen eine Technik namens „Smart Start“ im Programm, bei der der Verbraucher seinem Geschirrspüler, Trockner oder seiner Waschmaschine ein Zeitfenster für den Start vorgibt und das Hausgerät sich innerhalb dieses Fensters die Zeit mit dem günstigsten Stromtarif heraussucht.

Noch würden erst rund 10 % der Energieversorgungsunternehmen in Deutschland variable, smarte Tarife anbieten, heißt es in einer Miele-Presseerklärung, aber dieser Markt komme jetzt in Bewegung.

Zusätzlichen Schub „dürfte die Technologie durch Quivicon bekommen“. Da Miele Gründungspartner sei, werde zur Markteinführung auch eine spezielle Miele-App verfügbar sein, verspricht Sailer.

Vor allem in der „Konvergenz“ von Geräten sieht Diana Diefenbach, Produktmanagerin für Einbaugeräte bei Qivicon-Partner Samsung, einen starken Kundennutzen und meint damit die Möglichkeit, Hausgeräte von extern zu steuern – entweder über ein Smartphone oder einen Tablet-PC. „Nach meiner Einschätzung ist das Potenzial für eine breite Markteinführung solcher Geräte in wenigen Jahren da, nämlich dann, wenn bei unseren Kunden der Generationenwechsel beginnt.“

Bosch und Siemens noch nicht an Bord der Qivicon-Gemeinde

Die Bosch- und Siemens Hausgeräte GmbH (BSH), Europas größter Player, wenn es um Kühlschränke, Waschmaschinen und mehr geht, ist noch nicht an Bord der Qivicon-Gemeinde. Doch auch hier ist Vernetzung ein zentrales Thema. „Zunächst einmal ein Servicethema“, wie Claudia Häpp, Projektleiterin für das Thema Smart Home, erklärt.

Doch, so Häpp, es gehe um weit mehr als darum, Hausgeräte von unterwegs an- und auszuschalten. Technisch denkbar seien beispielsweise Ferndiagnosen von defekten Geräten durch den Kundendienst oder die Erfassung „was ist noch im Kühlschrank und was muss ich noch für das Abendessen einkaufen?“.

Aber man stoße auch immer wieder an technische Grenzen, wenn z. B. die Bilderfassung im Kühlschrank eine Tomate nicht von einem roten Apfel unterscheiden könne. Wichtig sei, dass das Zusammenspiel der verschiedenen Nutzungsmöglichkeiten funktioniere: „Ziel ist es, unseren Kunden ganzheitliche Lösungen anzubieten.“

Bosch wird in zwei Wochen das Thema Smart Home auf seinem IFA-Stand im Bereich „From Lab to Life“ demonstrieren. Siemens zeigt im „House of Innovations“ eine weiterentwickelte Zukunftsvision des vernetzten Haushalts.

Und Qivicon? Das soll „prominent“ auf dem Telekom-Stand platziert werden. „Die Menschen können dort die Partnerprodukte live ausprobieren, die es dann im nächsten Jahr zu kaufen gibt“, erklärt Knöpke und hat Vertrauen in die Verbraucher. „Die Kunden haben verstanden, dass es sich lohnt auf gute Technik zu warten.“

  • Jutta Witte

  • Regine Bönsch

    Regine Bönsch

    Redakteur VDI nachrichten
    Fachthemen: Telekommunikation, Mobilfunk, Automobilelektronik, autonomes Fahren, E-Mobilität, Smart Home, KI, Datenschutz/IT-Sicherheit, Reportagen

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