Interessengemeinschaft macht mobil 06.05.2013, 13:45 Uhr

Protest gegen den Router-Zwang von Netzbetreibern

Einige Telefon- und Internetanbieter nehmen Einfluss auf den Einsatz von Endgeräten. Ihre Kunden müssen Router mit Einstellungen nutzen, die zum Teil nicht verändert werden können.  Möglicherweise können die Netzbetreiber so bessere Zusatzgeschäfte machen.

Netzwerktechnik-Hersteller wie AVM wehren sich gegen den Routerzwang der Netzbetreiber. AVM ist einer der beiden führenden Anbieter von Breitband-Endgeräten in Europa. In Deutschland, dem größten europäischen Markt, ist AVM Marktführer. 

Netzwerktechnik-Hersteller wie AVM wehren sich gegen den Routerzwang der Netzbetreiber. AVM ist einer der beiden führenden Anbieter von Breitband-Endgeräten in Europa. In Deutschland, dem größten europäischen Markt, ist AVM Marktführer. 

Foto: dpa/AVM GmbH

Um ein kleines Kästchen, das im Keller oder im Arbeitszimmer hängt, ist ein Streit entbrannt: Darf ein Netzbetreiber vorschreiben, welchen Router, so der Fachbegriff für das Kästchen, der Kunde nutzen muss? Einige versuchen es jedenfalls. Darunter sind, so die in Düsseldorf erscheinende „WirtschaftsWoche“, Vodafone und die Telefónica-Tochter Alice. Sie zwingen ihre Kunden, Router zu nutzen, die im Sinne der Anbieter vorkonfiguriert sind. So könnten die Netzbetreiber herausfinden, „welche Internet-Dienste ihre Kunden nutzen und welche sie ihnen – gegen Zuschlag – verkaufen können“, klagt Johannes Nill, Chef des Berliner Unternehmens AVM, das die berühmten FritzBox- Router herstellt, in einem Interview mit dem Düsseldorfer Wirtschaftsmagazin. „Wenn ich den Router kontrolliere, kann ich zum Beispiel verhindern, dass der Kunde alternative Anbieter für Internet-Telefonate einstellt“, so Nill. Die Wahlfreiheit werde auch für Cloud-Dienste eingeschränkt, also die Nutzung von externen Datenspeichern und Software. Router organisieren den Zugang ins Internet, dessen wohnungs- oder hausinterne Verteilung und den Zugang ins Telefonnetz. Eine Reihe von Unternehmen stellen derartige Geräte her.

Bundesnetzagentur fehlt rechtliche Handhabe

Nicht einmal Internet-Freaks, für die es ein leichtes ist, Router zu programmieren, können dem Zwang entgehen. Die Netzbetreiber rücken die Daten, die für eine Änderung der Konfiguration nötig sind, einfach nicht heraus. Die Netzbetreiber, die die Wahlfreiheit bei Routern einschränken, behaupten, dass diese noch Teil des Netzes seien, für das sie verantwortlich sind. Und dass sie nur so die beste Verbindungsqualität und den besten Service sichern können. An diesen Praktiken kann die Bundesnetzagentur, die für die Aufrechterhaltung des Wettbewerbs im Telefon- und Internetmarkt zuständig ist, nichts ändern. Es fehle die rechtliche Handhabe.

Brisanz noch nicht erkannt

Jetzt hat sich eine Interessengemeinschaft gebildet, die sich freien Wettbewerb auf ihre Fahnen geschrieben hat. Dazu gehören unter anderem der Telefonanlagenspezialist Auerswald aus Cremlingen, der Powerline-Experte Devolo aus Aachen und der auf WLAN und Standortvernetzung spezialisierte Hersteller Lancom aus Würselen. Insgesamt sind es 16 Unternehmen, die gegen den Hardwarezwang bei der Bundesnetzagentur und im Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie protestiert haben. Ihrer Ansicht nach ist es für private und industrielle Nutzer wichtig, unter möglichst vielen Geräten auswählen zu können, ohne bevormundet zu werden. Die meisten Nutzer haben die Brisanz des Themas wohl noch nicht erkannt. Protestiert haben jedenfalls noch nicht allzu viele.

Von Wolfgang Kempkens

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