Mobilfunk 07.02.2003, 18:23 Uhr

Profis kurbeln UMTS an

Nicht die normalen Verbraucher, sondern professionelle Anwender mit hohen Ansprüchen werden UMTS aus den Startlöchern helfen. Grund genug für Lucent und T-Mobile sich in ihrem Nürnberger Pilotprojekt auf diese Zielgruppe zu konzentrieren.

Hans Huber, Vorsitzender der Geschäftsführung der Lucent Technologies in Deutschland wagt ein bisschen Optimismus. Bis Ende des Jahres 2003 will Lucent in die Gewinnzone zurückkehren. Neue Technologien der Bell Labs sollen die Betreiber der Festnetze unterstützen „bei verringerten Betriebskosten, Dienste zu schaffen, die Kunden anwenden und auch bezahlen“, erklärt Huber.
Ein gemeinsames Projekt mit der T-Mobile in Nürnberg soll das bisher schwerfällige UMTS-Geschäft ankurbeln. Diese Zusammenarbeit kann zudem der Türöffner für die Lieferung der Infrastruktur sein, die derzeit meist von den Konkurrenten Nokia, Ericsson oder auch Siemens gestellt wird.
Die Partnerschaft von Lucent mit Cisco soll ausgeweitet werden. Dabei werden z.?B. in dem Nürnberger Mobilfunkprojekt Cisco-Router eingesetzt, die von Lucent gewartet werden. Entscheidend für die Auswahl des Standortes Nürnberg war die Bereitschaft der lokalen Unternehmen wie Versicherungen oder Handwerksbetriebe, an dem Versuch teilzunehmen und die Nähe zu den dort ansässigen Bell Labs, die das Projekt begleiten.
Im Gegensatz zu anderen UMTS-Versuchen hat sich T-Mobile in Nürnberg ausschließlich auf die Ansprüche von professionellen Kunden konzentriert. „Wir gehen davon aus, dass Branchen wie Versicherungen oder Dienstleister eher bereit sind für neue Services zu zahlen als Konsumenten“, erklärt Werner Irler, Global Account Manager T-Mobile. Seiner Meinung nach sind die Anstrengungen der Netzbetreiber und Geräteanbieter, dem Massenmarkt Multimediaapplikationen für mobile Geräte anzubieten, „noch nicht rentabel“.
Irler erinnert an die zögerliche Haltung der Verbraucher in den ersten Jahren der GSM-Technik. Zu Beginn der 90er-Jahre wollte nur eine Minderheit mobil telefonieren. Erst die Subvention der teuren Endgeräte löste den „Ketchup-Flascheneffekt“. Nachdem sich mit Mühe der erste Tropfen aus der Flasche gelöst hat, klatscht nicht selten der gesamte Inhalt unkontrolliert auf den Teller. Als Mitte der 90er-Jahre das Handy anfing sich als Massenprodukt durchzusetzen, konnte die Industrie die rasante Nachfrage kaum stillen. Mit einer Durchdringung von mehr als 80 % in Deutschland ist der GSM-Markt inzwischen gesättigt.
Der private Kunde ist mit seinem mobilen Telefonanschluss und den angebotenen Services weit gehend zufrieden. Sinkende Einkommen lassen jedoch eine Steigerung der Ausgaben für Kommunikationsdienste in vielen Familien nicht zu, attestieren Marktforscher von Forrester Research.
Die Rahmenbedingungen dafür, „mit neuen breitbandigen Mobilfunk-Services zuerst den Konsumenten anzusprechen sind nicht besonders günstig“, meint T-Mobile-Manager Irler. Als treibende Kraft für die Etablierung von neuen Services sieht er den Profi, der bislang noch langwierige Prozesse in Echtzeit effizienter und damit kostengünstiger abwickeln will. Deshalb sind auch die IT-Experten der beteiligten Unternehmen „in deutlich stärkerem Umfang in das Projekt integriert als in der Vergangenheit“, erläutert Irler. „Bei einer Erweiterung der Abläufe über die bisherigen Unternehmensgrenzen hinaus stehen sie unter anderem vor der Herausforderung Prozesse anzupassen und neue Sicherheitskonzepte für die Echtzeitapplikationen zu entwickeln.“
Professionelle mobile Anwendungen verlangen nach Überzeugung der Beteiligten auch nach neuen Endgeräten: „Die Displays der Handys sind zu klein. Die Betriebssysteme eignen sich kaum für den professionellen Einsatz“, erläutert Irler.
Die Nürnberger Testnutzer erhalten deswegen Funkmodems im Scheckkartenformat, die sie in einen PDA, Laptop oder PC einsetzen können. Die Entwicklung von Lucent sichert nach Angaben von T-Mobile-Manager Irler auch den nahtlosen Übergang zwischen verschiedenen drahtlosen Infrastrukturen – so wie sie in diesen Tagen erstmals Ericsson präsentiert hat. (Siehe oben) D. WENDELN-MÜNCHOW

Lucents Zahlen
Lucent ist bescheiden geworden. Noch vor einem Jahr hatte das Unternehmen einen Quartalsumsatz von 3,5 Mrd. Dollar erreicht. In dem jetzt abgelaufenen Quartal des neuen Geschäftsjahres waren es nur noch 2,1 Mrd. Dollar. Die deutsche Tochtergesellschaft hat das Jahr 2002 mit einem vorläufigen Ergebnis von 860 Mio. € abgeschlossen. Im Vorjahr lag der Umsatz nominal doppelt so hoch. Deutschland hat einen Umsatzrückgang von 20 % zu verzeichnen. Insgesamt hat sich der Markt für Ausrüster im Mobilfunk- und Festnetzbereich gegenüber dem Vorjahr um bis zu 35 % verringert. „Zwar sind wir auch von der allgemeinen Marktentwicklung betroffen, haben jedoch keine Marktanteile verloren“, kommentiert Deutschland-Chef Hans Huber. Obwohl es es viel zu früh sei von einer Erholung zu sprechen, rechnet Lucent aufgrund der laufenden Kundengespräche damit, in dem begonnenen Quartal einen Umsatzanstieg von 20 % zu erreichen. dow

 

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  • Dorothea Wendeln-Münchow

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