Mobilfunk 30.04.1999, 17:21 Uhr

Preiskosmetik macht Vergleiche bei Handy-Tarifen schwieriger

„Und die Grundgebühr ist auch schon drin“, erklärt Franz Beckenbauer im Fernsehspot von E-Plus. Doch trotz günstiger Tarife gibt“s auch hier Haken.

Viag Interkom machte im vergangenen Herbst den Anfang mit niedrigen Preisen im Mobilfunk: 29 Pfennig pro Minute für netzinterne Gespräche und Verbindungen in die regionalen Ortsnetze war eine Provokation. Denn für Gespräche in bestimmte Ortsnetze galt bis dahin ein Lokaltarif von 57 bis 69 Pfennig. Ferngespräche waren noch teurer und kosteten 1,89 DM.
Inzwischen haben die drei etablierten Betreibern ihre Preise gesenkt. Anfang Mai kommen T-Mobil und Mannesmann Mobilfunk mit allerhand Preiskosmetik und kaum nachvollziehbaren Lokal- und Wochenendoptionen, die sich meist ausschließen. Da fällt der Vergleich noch schwerer.
E-Plus ging den umgekehrten Weg und führte im Februar Pauschaltarife ein, die durchweg günstiger als die Angebote der D-Netzbetreiber sind. Der Unterschied: Während diese monatliche Grundgebühren zwischen 20 DM und 70 DM verlangen, berechnet E-Plus bei den Time & More-Tarifen nur eine Monatspauschale, die Grundgebühren und ein Kontingent von 15 bis 1000 Minuten bündelt.
Was so einfach aussieht, hat freilich auch seine Tücken: Im Paketpreis von 25 DM bis 299 DM, der als Mindestumsatz jeden Monat abgebucht wird, sind nicht alle Gesprächsarten enthalten. Verbindungen in andere Mobilfunknetze werden extra abgerechnet. Für die Abfrage des Anrufbeantworters gelten außerhalb des Minutenkontingents andere, wenn auch günstige Preise. Und wer sich im Ausland aufhält, tastet das kostenlose Minutenbudget nicht an. Pech für Kunden, die einen Monat lang kaum telefonieren, weil sie im Ausland Urlaub machen oder einfach keinen Kommunikationsbedarf haben: Die Pauschale ist futsch und kann nicht im Folgemonat aufgebraucht werden.
Viag Interkom mit seinem E2-Netz kann preislich gut mithalten und ist vor allem für Menschen, die ihr Handy vorwiegend in Großstadtregionen benutzen wollen, sehr attraktiv. Das gilt für den Business-Tarif, der pro Minute nur 29 Pfennig kostet – sofern man sich im nicht flächendeckenden Netz aufhält -, und für Anrufe aus dem Wohnort in das Ortsnetz. Außerhalb des E2-Netzes können die anderen drei Mobilfunknetze benutzt werden, was zur Zeit noch eine umständliche Einbuchprozedur voraussetzt. In absehbarer Zeit werden sich die Handys von Viag-Kunden automatisch in das D1-Netz einbuchen – sofern der Regulierer zustimmt. Dafür und für die Nutzung der meisten ausländischen Netze wird dann ein Dual-Band-Handy gebraucht, das Hersteller wie Alcatel, Ericsson, Nokia und Motorola künftig standardmäßig anbieten wollen.
Für welches Netz man sich entscheidet, hängt von der individuellen Nutzung ab. Selbst erfahrene Mobilfunkkunden können sie erst nach einer Analyse ihres Einzelverbindungsnachweises einschätzen. Entscheidend für Netz und Tarif ist, von wo aus und wohin telefoniert wird und zu welcher Tageszeit. Wer häufig Handys in einem bestimmten Netz anruft, sollte dort auch Kunde werden, um die günstigen Intern-Tarife zu nutzen. Denn Anrufe aus dem Festnetz sind immer noch sehr teuer, besonders bei E-Plus-Nummern (0177).
Taktungen, die immer mindestens eine volle Minute berechnen, sind nur für Profi-Telefonierer mit monatlich vielen Stunden interessant. Wenig-Telefonierer sollten die 5 DM höhere Grundgebühr, die D1, D2 und E-Plus für den 10-s-Takt berechnen, unbedingt investieren.
F. WEIDELICH
Tarifdschungel: Selbst erfahrene Handy-Nutzer können erst nach detaillierter Analyse einschätzen, welches Netz für sie das günstigste ist.

Ein Beitrag von:

  • Friedhelm Weidelich

    Technikjournalist Friedhelm Weidelich schreibt seit vielen Jahren über Verkehrsinfrastruktur, Eisenbahnen und Fahrzeugbau für verschiedene überregionale Zeitungen, Online-Medien und Fachmagazine.

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