24.05.2002, 17:34 Uhr

Powershopping für die Nachhaltigkeit

Die Informations- und Kommunikationsbranche soll nachhaltiger wirtschaften, so die Politik. Jetzt stellten Brancheninsider und Wissenschaftler in Berlin erste konkrete Schritte vor.

Manchmal sind die Kollegen von Funk und Fernsehen im Bundestag schlecht aufgehoben. So zuletzt am vorigen Donnerstag, als dort die Nachhaltigkeitsdebatte im Wahlkampfgetöse erstickte, während nur ein paar Straßen weiter eine konstruktive und vorwärts gerichtete Konferenz über Nachhaltigkeit in der Informations- und Kommunikationstechnik (IKT) stattfand.
Eingeladen hatte das Projekt „Nachhaltige Informations- und Kommunikationstechnik“ (NIK), das im Auftrag des Bundesministeriums für Bildung und Forschung nach Wegen sucht, wie die Branche ökonomischen Erfolg mit ökologisch und sozial verträglichem Wirtschaften verbinden kann. Während des Booms haben die Unternehmen alle Kraft darauf verwendet, sich Marktanteile zu sichern – und dabei wenig über Ressourcen, Schadstoffe oder soziale Fragen nachgedacht.
Das ist jetzt anders. Die Märkte sind vorerst gesättigt. Neue Technologien wie Folienbildschirme oder UMTS stehen vor dem Durchbruch und werden ihre Vorgänger in den nächsten Jahren nach und nach ersetzen. Ein günstiger Zeitpunkt also, um die Weichen umzulegen. Das NIK-Projekt setzt dabei auf Dialog. Unternehmen, Brancheninitiativen, Vertreter aus der Politik und Wissenschaftler sondieren gemeinsam mögliche Fahrpläne der nachhaltigen Entwicklung.
„Unsere Diskussionen drehen sich nicht um eine abstrakte Zukunft, sondern um konkrete Wegmarken für die nächsten 10 Jahre“, so Projektleiter Dr. Uwe Weigmann vom Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR). Es gehe darum, mit Akteuren aus der Branche Erfolg versprechende Handlungsfelder auszuloten und dann feste Vereinbarungen zu treffen, welche Wegmarken bis wann erreichbar sind. „Wir wollen eine möglichst weitgehende Akzeptanz und Planungssicherheit für alle Beteiligten“, so Weigmann.
Seit der ersten NIK-Konferenz im letzten Herbst sind drei Handlungsfelder ausgemacht, für die jetzt erste Marschrouten vorliegen. Ein Team um Mario Dompke vom DLR hat gemeinsam mit Herstellern und Facheinkäufern aus öffentlichen Verwaltungen einen Plan ausgeheckt, wie der Staat im nächsten Jahrzehnt sparen und dabei soziale und ökologische Verbesserungen erzielen kann. Die öffentlichen Verwaltungen sollen mobile Arbeitsplätze einrichten und dabei energiesparende Geräte anschaffen.
Was so leicht klingt, entpuppt sich schon am Beispiel der Anschaffung energiesparender Netzteile als kompliziertes Planspiel. Zwar kann man nur dadurch 125 GWh/Jahr sparen, doch ist die öffentliche Auftragsvergabe derart kompliziert, dass selbst bei sofortiger Umsetzung des NIK-Fahrplans frühestens 2007 nur noch sparsame Stecker in den Büros ankommen.
Dompke traut es der „lahmen“ öffentlichen Hand zu, selbst IKT–Herstellern in Fernost ihre ökologischen Vorgaben aufzuzwingen: „Eine koordinierte Einkaufspolitik der Verwaltungen schafft derart attraktive Aufträge, dass sich die Hersteller darum reißen werden.“ Ökobewusstes Powershopping sozusagen.
Auch Handyhersteller sollen bald Ressourcen schonen. Die NIK-Marschroute, gemeinsam mit allen namhaften Herstellern und dem Netzbetreiber T-Mobile erstellt, sieht schon im Jahr 2003 die Selbstverpflichtung der Hersteller zur Rücknahme und zum Recycling von Altgeräten vor. Zwei Jahre danach möchte man gänzlich auf Blei und Halogen verzichten – bei Endgeräten wie bei der Systemtechnik.
„Bei dem schnellen Aufbau der GSM-Netze haben wir viele Ressourcen verschenkt“, räumt Dr. Klaus Rick, der Umweltschutzbeauftragte von T-
Mobile Deutschland, ein. Energie sollen die Betreiber sparen: In den Basisstationen liegt ein Einsparpotential von 400 GWh Strom jährlich – ein ökonomischer Schatz, der bis 2005 gehoben sein soll. Die Maßnahme wird die Energiebilanz von Handys allerdings nur kurz entlasten. Denn UMTS wird den Stromverbrauch nach heutigem Wissen drastisch erhöhen.
Eine dritte Marschroute hat das NIK am Donnerstag zum Recycling von Kathodenstrahlbildschirmen, so genannten CRT–Displays (CRT: Cathode Ray Tubes), ausgegeben. Zwar werden die Bildröhren bereits heute erfasst, aber kaum wiederverwertet.
Dr. Eckart Döring von Schott Glas in Mainz sieht eine realistische Chance, den Altglasanteil in Bildschirmglas bis 2005 auf bis zu 50 % zu steigern. Dafür bedürfe es aber eines europäischen Netzwerkes von Annahme- und Recyclingstellen. „Die technischen Probleme sind weitgehend gelöst, aber wir stehen vor einer großen logistischen Aufgabe.“
Neben dem CRT-Recycling entlastet der zunehmende Einsatz von Flachbildschirmen auf LCD-Basis die Umwelt. Einerseits wegen des deutlich geringeren Materialeinsatzes, andererseits, weil die LCDs viel weniger Strom verbrauchen. Zusätzlich zu diesen Vorteilen diskutiert eine NIK-Arbeitsgruppe, in der neben dem Branchenverband Bitkom auch die Displayhersteller Philips und Sharp vertreten sind, wie man schon bei der Herstellung der LCDs einen künftigen Stoffkreislauf gewährleisten kann.
Vor allem Quecksilber soll bis 2005 weitestgehend aus den Leuchtröhren der LCD-Hintergrundbeleuchtung verbannt werden. Inwieweit auch neuartige Produkte wie etwa E-Paper oder OLED-Bildschirme mehr Nachhaltigkeit möglich machen, will das NIK bis zur nächsten Konferenz Anfang 2003 prüfen.

IT-Roadmaps für mehr Nachhaltigkeit

Fallbeispiel LCD: Vorrangig ist die Verringerung von Quecksilber. Bis 2005 soll es aus den Leuchtröhren der LCD-Hintergrundbeleuchtung verschwinden. Dabei geht es um die Umsetzung im Markt: Entsprechende Leuchtkörper gibt es bereits, etwa von Osram.

Fallbeispiel CRTs: Hauptziel der Nachhaltigkeits-
Roadmap bei Bildschirmen mit Kathodenstrahlröhren ist ein höherer Altglasanteil. 2005 soll es die Hälfte sein (Konusglas), in 10 Jahren sogar insgesamt 80 %. Schlupflöcher in Verordnungen zum Recycling der Geräte sollen geschlossen werden, sonst kommen die nötigen Mengenströme nicht zusammen.

Mobile Kommunikation: Die Marschroute sieht ein funktionierendes Recycling von Geräten (2003) und Anlagen (2005) ebenso vor wie eine Senkung des Energieverbrauchs der Basisstationen (2005).
Außerdem sollen Blei und Halogene aus den Produkten verschwinden – hier machen allerdings die Japaner zurzeit schon mit Vorgaben für Elektronikprodukte im eigenen Land vor, wie’s gehen kann.

 

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