Software 17.11.2000, 17:27 Uhr

Pornofinder treibt anstößige Bilder im Internet auf

Ein französischer Jung-Ingenieur hat ein Programm entwickelt, mit dem sich pornografisches Bildmaterial aus dem Internet filtern lässt.

Als er 1995 am berühmten Massachusetts Institute of Technology in den USA studierte, träumte Chahab Nastar von einem Programm, dass Bilder wiedererkennen kann. Damals kreierte der Franzose die Software Surfimage. Zunächst war die Anwendung nicht recht klar. Doch dass das Programm aus einer großen Menge an Fotos und Zeichnungen die dem Original am ähnlichsten herausfiltern konnte, erschien bemerkenswert.
Der Jungingenieur kehrte nach Frankreich zurück und programmiert vier Jahre lang am Nationalen Institut für Forschung in der Informatik und Automatik (Inria) in Paris. Ein Jahr später gründete Nastar sein eigenes Start-up Lookthatup in der Gründerbrutstätte der Hauptstadt, dem ehemaligen Textilviertel Sentier. Das wird von den Franzosen längst Silicon Sentier genannt. In so einem Umfeld fielen Nastar und seinen neuen Kollegen auch drei Marktnischen für sein Programm ein: filtern, shoppen und suchen.
Zunächst könnte es dazu dienen, Pornografhisches aus dem Internet zu filtern. Schließlich kämpfen alle Portale und Server damit, dass sich Seiten in ihr Angebot schleichen, deren Inhalt ungesetzlich ist und die sie zwingt, tausende von Sites zu kontrollieren. „Das ist ein echtes Problem, weil Portale teilweise bis zu 50 000 neue Bilder täglich empfangen und bis zu zwanzig Personen mit dem Orten von Dokumenten beschäftigen“, bestätigt Alexandre Moha. Der Vize-Präsident von Lookthatup spricht auch aus seiner Erfahrung bei seinem letzten Arbeitgeber, der von France Telecom betriebenen Suchmaschine Voilà! Aber auch Nazi-Embleme und Waffen fallen unter die Wunschliste der Sucher. Nastar, der seine Software auch professionellen Bildbearbeitern, Banken sowie Katalogfirmen anbietet, rechnet langfristig mit einer Anwendungsmöglichkeit im interaktiven Fernsehen: Einkauf per Knopfdruck mit der Fernbedienung.
Das Programm entschlüsselt eine Reihe von Charakteristika wie Farbe, Textur, Form oder Geometrie und erstellt daraus eine Art Unterschrift. Diese wird verglichen mit tausenden pornografischer Abbildungen aus einer Art numerischer Hölle. Anschließend werden die Bilder gemäß einer Skala von eins bis hundert nach Brisanz geordnet. „Gottlob sind Pornografen fantasielos und deshalb erkennt das Programm in 98 von 100 Fällen eine Abbildung“, sagt Nastar.
Problematisch ist das Herausfiltern harmloser Abbildungen. Deshalb testet Nastar sein Programm mit Bildern von Babys oder Badeanzügen. „Damit das System die Kategorien feiner auseinander halten kann“, erklärt er. So kann ein Bikini mit 24 Punkten klassifiziert werden, während eine BH-Reklame es trotz allem auf 70 Punkte bringt, weil sie vom Programm als nicht stubenrein definiert wird.
Derzeit testet eine Spezialeinheit der Polizei in Paris die Software Surfimage. „Denn Pädophile sind Sammler“, erklärt Polizeikommissar Jean-François Cossé. „Die horten alles von Katalogabbildungen bis zu den widerlichsten Fotos.“ Wenn er solche Fotos findet, interessiert ihn vor allem, ob Opfer oder Urheber schon identifiziert wurden. Mit normalen Mitteln wäre das schwierig festzustellen. Cossé schätzt, dass im Internet zwischen 350 000 und 500 000 Fotos und Videos pädophilen Inhalts zirkulieren, von denen 20 % jährlich erneuert werden. Schon einfache Suchabfragen können zu 10 000 bis 15 000 Ergebnissen führen. „Ohne ein gutes Programm wäre das nicht zu schaffen“, meint Cossé.
Er weiß, dass seine deutschen Kollegen mit einem Programm namens Perkeo arbeiten, das auf einer Bilderdatenbank basiert. „Aber schon ein paar Pixel Unterschied machen ein Wiedererkennen unmöglich“, bedauert Cossé. Schwedische Kollegen arbeiten mit einer Fotodatenbank, die rund 100 000 Dokumente enthält und wenden das US-Programm Excalibur an, das Ähnlichkeiten vergleicht. Leider filtert es häufig Harmloses heraus.
Der Test von Surfimage ist nicht einfach. Schließlich müssen sich Beamte tagelang einer wahren Bilderhölle aussetzen. Andererseits sind die Hoffnungen groß. Denn von „100 Vergehen Pädophiler, die 1999 in Paris registriert wurden, konnte nur ein Zehntel aufgeklärt werden“, bedauert Cossé. Deshalb freut er sich über die finanzielle Unterstützung der EU für den Test. Bei guten Ergebnissen ließe sich Surfimage auch auf verschwundene Kinder oder gestohlene Gemälde anwenden. Doch für die Tests dieser Funktion fehlen derzeit noch die Mittel.
Erfinder Nastar bleibt zuversichtlich und eröffnet bald ein Büro in Kalifornien. Gerade hat er eine Finanzspritze von 9,5 Mio. DM (32 Mio. FF) erhalten. Und die Tester des Instituts für nationales Industrieeigentum (Inpi), die sein Programm mit 50 000 Bildern gequält haben, geben sich ebenfalls zuversichtlich. Bei guten Ergebnissen wäre Surfimage auch im Patent- und Urheberschutz gut einsetzbar. CORDELIA CHATON

Ein Beitrag von:

  • Cordelia Chaton

    Cordelia Chaton hat einen Master in Business Administration und war Redakteurin für Wirtschaft und Politik u.a. beim Handelsblatt und der Wirtschaftswoche. Sie schreibt vor allem über Management- und Karrierethemen.

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