Virtualisierung 28.11.2003, 18:27 Uhr

PDA wird virtuelles Küchenstudio

Augmented-Reality auf PDAs zur Verkaufsunterstützung.

Was kann man denn sinnvolles mit einem Foto-Handy anstellen? Diese Frage stellten sich Peter Ebbesmeyer von der IT-Unternehmensberatung Unity AG und seine Kollegen angesichts erster Prototypen vor vier Jahren. Und sie fanden ein interessantes Szenario: Beim sonntäglichen Stadtbummel entdeckt ein Foto-Handy-Besitzer einen Elektroherd im Schaufenster eines Küchenstudios. Neben dem Gerät steht eine Servicetelefonnummer. Nun macht der Interessent mit seinem Handy ein Foto des Gerätes, ruft die Nummer an, und bekommt auf dem Display alle möglichen Ausstattungsvarianten, Bedienungs- und Reinigungsanleitungen und passendes Zubehör angezeigt.
Das ist längst mehr als Science-Ficition, denn Ebbesmeyer gelang es, verschiedene Firmen und Hochschulen für das Projekt zu begeistern. Darunter u.a. den Haushaltsgeräte-Hersteller Miele, das Heinz-Nixdorf-Institut der Uni Paderborn und die TU Ilmenau. Bei einem Idenwettbewerb des Bundesforschungsministeriums wurde das Projekt für förderwürdig erachtet und jetzt, wenige Monate vor dem Auslauf des Förderzeitraumes, existiert ein voll funktionsfähiger Prototyp. AR-PDA wurde das Projekt getauft. AR steht für Augmented-Reality, eine erweiterte Virtual Reality, bei der neben visuellen Informationen auch Grafiken, Texte und Videos eingeblendet werden können. „Und PDAs,“ erinnert sich Ebbesmeyer, „sind für uns derzeit das Endgerät der Wahl, weil die ursprünglich anvisierten UMTS-Handys ja bekanntlich einige Startschwierigkeiten hatten.“
Demonstriert wird das Verfahren im Firmensitz der Unity AG im westfälischen Büren: Mit dem Partner Miele wurde ein System zur Verkaufsunterstützung bei Elektroherden gestaltet. „Wir wollten einen Massenmarkt anvisieren“, erläutert Ebbesmeyer, „um das Potenzial der Technologie zu zeigen.“
Wie arbeitet das AR-PDA-Verfahren? Per PDA-Kamera wird ein Bild bzw. ein Video-Stream per Wireless LAN oder UMTS-Verbindung zu einem Server geschickt. Dort läuft eine Echtzeit-Bilderkennung, die von der TU Ilmenau entwickelt wurde. Das erkannte Herdmodell wird dann mit allen relevanten Zusatzinfos wieder an den PDA zurückübertragen. Der Trick: Aus den Bildinformationen lässt sich ein lagegenaues Bild von Zusatzprodukten wie Ceran-Kochfeldern oder Dunstabzugshauben zu dem ursprünglichen Bild des Herdes hinzufügen und aus allen Perspektiven betrachten. In das Bild eingeblendete Info-Punkte geben per Stiftklick Zusatzinformationen, die, sei es in Textform, als Video oder als virtuelle Realität, in das Urbild eingefügt werden.
Dieses ist aber nur ein Anwendungsbeispiel der Technologie, das aber möglicherweise schon bald in Mile-Showrooms eingesetzt werden könnte. Doch für Ebbesmeyer und seinen Kollegen Markos Knobel steckt in der Idee noch viel mehr Potenzial. „Die Unity AG arbeitet für große Kunden und unterstützt IT-Projekte in der Produktentwicklung und im Virtual Prototyping“, erläutert Knobel. Mit der für AR-PDA entwickelten Technologie ließe sich an eine Fülle von Anwendungen im Bereich Produktentwicklung, Wartung, Schulung etc. denken. „Entscheidend für einen breiten Einsatz der Technologie,“ so Ebbesmeyer, „ist die Möglichkeit, schnell visuelle Modelle für die Erkennung und Berechnung der Bilder zu entwickeln.“ Deswegen habe man auch großen Wert drauf gelegt, ein entsprechendes Autorensystem gleich mit zu entwickeln.
Derzeit werden PDAs oder Tablet-PCs mit ihren großen Displays favorisiert. Aber auch die kommenden UMTS-Handys werden denkbare Endgeräte. „Und sei es nur,“ so Knobel, „damit man beim Waldspaziergang seinen Kindern zeigen kann, welchen Vogel man da gerade fotografiert hat – inklusive aller Informationen, die auf einem Bildserver dazu gespeichert sind.“ Womit er gleich noch eine denkbare Anwendung skizziert, die gleichzeitig ein mögliches künftiges Business-Modell für die Mobilfunkanbieter verdeutlicht.
JENS D. BILLERBECK

  • Jens D. Billerbeck

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