24.05.2002, 17:34 Uhr

Patron einer jungen Firmen-Ehe

Nach der Unternehmensfusion von Telekom und Debis geht Christian A. Hufnagl mit T-Systems in eine vielversprechende Zukunft. Der Vorsitzende der Geschäftsführung will das Frankfurter Unternehmen zu einem Global Player machen.

Noch heute überreichen die Steiermarker nach der Hochzeitsnacht ihrer Braut als Morgengabe goldenes Geschmeide oder – wer sie hat – Ländereien. Dieser uralte Brauch soll die Auserkorene wirtschaftlich absichern. Ob die Telekom der stolzen Braut Debis Systemhaus etwas geschenkt hat, das verrät der Grazer Christian Hufnagl nicht. Dass aber nach der Hochzeit im Zeichen der ITK-Konvergenz die Partner wirtschaftlich prosperieren, dafür setzt sich der Chef von T-Systems ein.
Aus dem fünften Stock der T-Systems-Zentrale schweift der Blick des Vorsitzenden der Geschäftsführung nur flüchtig über die Frankfurter Skyline. Seine Gedanken suchen den Anfang. Im März 2000 hatte die Telekom 50,1 % der Debis Systemhaus GmbH von DaimlerChrysler übernommen. Erst sieben Monate später gab die Kartellbehörde grünes Licht. Am ersten Februar 2001 ging unter dem Namen T-Systems das zweitgrößte Systemhaus in Europa an den Start, Umsatz etwa 11 Mrd. €, Anzahl der Mitarbeiter damals rund 37 000 (heute schon fast 42 000). „Nicht alle Kollegen waren einverstanden mit der klaren Ausrichtung auf die Konvergenz.“ Einige gingen freiwillig, andere mussten gehen.
Anfang diesen Jahres hat die Deutsche Telekom die noch ausstehenden 49,9 % an der T-Systems ITS GmbH von Daimler-Chrysler übernommen. Dafür legte der Bonner TK-Konzern 4,6 Mrd.€ auf den Tisch. Die Turbulenzen der Unternehmensfusion haben sich gelegt. Jetzt empfängt der T-Systems-Chef hemdsärmelig und wohlgelaunt seine Besucher. Hufnagl zählt mit seinen 56 Jahren zur älteren Generation, strotzt aber vor jugendlichem Tatendrang. Seine Erfahrungen als Chef der DeTeSystem haben den Nachrichtentechniker motiviert, die Vision eines Marktes zu entwerfen, in dem Informationstechnologie und Telekommunikation sich vernetzen. Viele Analysten hingegen können den Markt, dessen Volumen Hufnagl im Jahr 2004 auf rund 100 Mrd. € weltweit schätzt, noch nicht so recht greifen.
Den Anfang machte für Hufnagl BMW. Die Bayern wollten damals für ihre weltweiten Händler ein sicheres Extranet, zu dem kein Externer Zugriff haben durfte. Gesagt, getan. Über einen BMW-Konfigurator waren allen Händlern die aktuellsten Daten zugänglich. Weitere Anwendungen kamen hinzu. „Alle diese Anwendungen laufen jetzt über ein europäisches Netz, abgeschottet und sicher. Das haben wir aufgebaut und betreiben das auch“, resümiert Hufnagl sein erstes Erfolgserlebnis, das ihn von der ITK-Konvergenz überzeugte.
Weitere wichtige Erkenntnisse liefert ihm die Berufspraxis. Meditatives Abwarten passt nicht zu Hufnagl. Das hätte er in jungen Jahren bei einem Unternehmen in Stuttgart reichlich haben können. Damals arbeitete der Nachrichtentechniker in der Grundlagenforschung für Querstromlüfter und Laugenpumpen. Eine nervtötende Beschäftigung war es, über der Strömungswanne sitzend 15 Minuten lang die langsamen Wirbel zu beobachten, die Querstromlüfter im Wasser auslösen. Seit damals greift Hufnagl häufiger zur Zigarette und bietet starken Kaffee an. 15 Minuten Nichtstun – das konnte nicht lange gut gehen. Hinzu kam, dass die dramatische Unterbezahlung diese „phantastische Arbeit“ nicht aufwiegen konnte.
Der junge Nachrichtentechniker pflegte schon damals engen Kontakt zu IBM. Der Entschluss, das Unternehmen zu wechseln, fiel leicht. Hufnagl heute: „Das war einer meiner wichtigsten Schritte: Der Übergang von physikalischer Materie zu digitalen Netzwerken.“ Nicht mehr nur messen, sondern Messdaten in Empfang nehmen und für Kunden Applikationen entwickeln – das faszinierte ihn. Zwei wichtige Grundsätze nahm sich Hufnagl nach seiner achtjährigen Vertriebsarbeit bei IBM zu Herzen: „Höre dem Kunden ganz genau zu, und: Versuche, dein Gehalt mit deiner Tätigkeit in Übereinstimmung zu bringen.“
Als weitere Stationen folgten führende Positionen bei amerikanischen IT-Unternehmen wie UNISYS und Amdahl. Alle Entscheidungen in diesen Konzernen, selbst über einen Wert von 5000 DM, trafen die Manager in den USA. Das passte Hufnagl nicht ins Karriere- und Management-Konzept. 1996 schließlich wechselte er in die Telekommunikations-Branche, zur Deutschen Telekom. Wie ein Himmelreich erschien ihm dieses Unternehmen; vor allem, was die Gestaltungs- und Entscheidungsfreiheit im Konzern betraf.
In den letzten Monaten hat der Vorsitzende der Geschäftsführung mit der stolzen Braut Debis Systemhaus und der neuen T-Systems-Familie mehr Tage und Nächte verbracht, als seiner eigenen Familie lieb sein konnte. Aber seine Gattin und die beiden Kinder wissen, dass sie auf ihn bauen können. Der Herr Papa steht inzwischen als väterlicher Freund und Berater zur Seite. Heute fachsimpelt Hufnagl mit seinem Sohn über TK, IT oder E-Commerce. Sein Know-how bringt der junge Hufnagl nämlich bei Intershop in Hamburg ein. „Die Tochter macht jetzt das Abitur“, erzählt der stolze Vater.
Die Zukunft plant Christian Hufnagl aber beileibe nicht allein für seine Kinder. T-Systems in den nächsten Jahren als Global Player zu positionieren, das will sich der leidenschaftliche Fotograf nicht nehmen lassen. Um nach der Realisierung dieses Traumes einer anderen Leidenschaft nachzugehen, dem Reisen. „Ohne Ziel, nur empfinden, gucken, aufzeichnen.“ Um dann die Seele baumeln zu lassen.
WERNER BRUCKNER

T-Systems
Europaweit in der Spitzengruppe
T-Systems ging mit rund 37 000 Mitarbeitern und einem Gesamtumsatz von rund 11 Mrd. € im Februar 2001 als das zweitgrößte Systemhaus Europas an den Start. Dieses neue Unternehmen im Konzern Deutsche Telekom bündelt erstmals weltweit Know-how aus der Informationstechnologie (IT) und der Telekommunikation (TK). In T-Systems bringt das Debis Systemhaus langjährige IT-Erfahrung und die Telekom-Einheiten entsprechende TK-Expertise ein. wb

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