Telekommunikation 12.03.1999, 17:20 Uhr

Paneuropäischer Funk für Profis

Die Bündelfunk-Landschaft ähnelte bislang in Deutschland und Europa einem Flicken- teppich. Nach geschickten Aufkäufen scheint es nun der Dolphin Telekom zu gelingen, ein europaweites Netz zu knüpfen.

Ein Newcomer will den europäischen Mobilfunkmarkt aufmischen: Die Dolphin Telekom gründet in allen europäischen Ländern Unternehmen, die digitale Mobilfunkdienste „vor allem für professionelle Nutzer anbieten wollen“, erklärt Jens Denecke, Geschäftsführer der Dolphin Telekom GmbH in Deutschland. Mit dem Kauf des analogen Chekker-Netzes der T-Mobil hat Dolphin in Deutschland praktisch eine Flächendeckung erreicht und will, so der ehemalige Otelo-Manager Denecke, „in Kürze mit dem Aufbau einer digitalen Netzinfrastruktur beginnen“.
Bereits im Dezember 1998 hatte Dolphin die Berliner Regiokom zu 100 % übernommen. Auch die Frankfurter Quickfunk gehört seit einigen Tagen zur Dolphin GmbH. Damit ist das Unternehmen auf dem besten Weg, den PMR-Markt (Professional Mobile Radio) in Deutschland klar zu beherrschen. Der war bis vor kurzem noch bestimmt durch die vielen regionalen Anbieter, die in den Ballungszentren ihre analoge Infrastruktur für ihre Bündelfunkdienste aufgebaut hatten. Sie allen standen in Kokurrenz zum Chekker-Dienst der T-Mobil, der als einziger Bündelfunkdienst bisher bundesweit verfügbar war.
Diese Situation war für die Anbieter derBündelfunkdienste „ziemlich unbefriedigend“, erklärt Peter Steding von der Interessengemeinschaft der privaten Bündelfunker igb e.V. „Die Politik des Regulierers für eine Region gleich mehrere Lizenzen an verschiedene Anbieter zu verteilen hatte dazu geführt, daß sich das Geschäft für die einzelnen Anbieter kaum lohnte.“ Auch der Zusammenschluß mehrerer Unternehmen hätte nicht den erhofften Erfolg gebracht.
„Der Bündelfunkmarkt entwickelte sich zwar kontinuierlich, aber extrem langsam“, versucht Steding den Trend der vergangenen Jahre dennoch positiv darzustellen. Insgesamt geht die Interessengemeinschaft der privaten Bündelfunk-Anbieter von einem Marktvolumen von rund 300 000 Kunden aus – gemessen am GSM-Markt, der heute in Deutschland rund 15 Mio. Kunden hat, eine geringe Zahl. Das gesamte Marktpotential kommerzieller Anwender beziffert die igb auf insgesamt rund 3,6 Mio. Teilnehmer.
Hinter den Dolphin-Aktivitäten in Europa steht die Telesystems International Wireless (TIW), eine börsennotierte kanadische Holding, die laut Branchenkennern „Zugang zu Investorgeldern aus Milliardentöpfen“ hat. TIW engagiert sich weltweit in Telekommunikationsunternehmen in Europa, Asien und Lateinamerika. TIW zählt nach eigenen Angaben weltweit rund 1,5 Mio. Kunden, Tendenz steigend. In Europa ist TIW über die Dolphin Telecom Plc vertreten, die ihren Sitz in London hat. Das Unternehmen gibt an, in Europa rund 200 000 Kunden zu betreuen. Diese Zahl wird sich nach vollzogener Übernahme der Chekker-Kunden von T-Mobil mehr als verdoppeln.
Möglich wurde die Ausbreitung von Dolphin erst durch den Rückzug von Geotek aus dem europäischen Markt für den professionellen Bündelfunk. Das US-Unternehmen hatte sich wegen finanzieller Schwierigkeiten im vergangenen Jahr sowohl von PMR-Beteiligungen in Großbritannien als auch in Deutschland getrennt. Mit der Übernahme von Geotek sicherte sich TIW dann den Zugang zum flächendeckenden analogen Bündelfunkmarkt in England und endledigte sich eines unliebsame Konkurrenten beim Wettstreit um digitale Lizenzen.
In Deutschland trat die Berliner Regiokom, an der TIW seit einigen Jahren beteiligt war, als Einkäufer für die kanadische Gesellschaft auf. Seit Regiokom die Essener Terrafon übernahm und dann selbst von TIW geschluckt wurde, firmiert das Unternehmen hierzulande unter dem Namen Dolphin.
Von Spanien über Belgien, Holland, Großbritannien, Ungarn, Österreich, Deutschland, Dänemark bis hoch nach Norwegen und Finnland sollen nun mit Beteiligungen digitale Netze für den professionellen Mobilfunk installiert werden. Denecke: „Damit ist Dolphin dann der erste Anbieter paneuropäischer Mobilfunkdienste.“
Bis zum Jahr 2001 wird Dolphin nach Einschätzung von Branchenkennern sein paneuropäisches Netz in Betrieb nehmen können. Die mit den neuen Diensten angesprochene Klientel soll weit über die bisherigen Nutzer von Bündelfunksystemen hinausgehen. „Dolphin will auch ein Stück vom großen GSM-Kuchen“, mutmaßen Experten.
Unternehmen wie DaimlerChrysler oder VW, die bei ihrer Unternehmenskommunikation heute auf ein analoges Bündelfunksystem und digitalen Mobilfunk (GSM) setzen, kämen dann mit einer einzigen Plattform aus. Die neuen digitalen Netze bieten den Komfort von GSM und verfügen gleichzeitig über notwendige Funktionen für die Betriebsorganisation wie z. B. den Gruppenruf oder die Übertragung von größeren Datenmengen. Auch die Endgeräte haben mit den bisher recht klobigen Bündelfunkgeräten wenig gemeinsam: Sie entsprechen eher den handelsüblichen GSM-Geräten, die auch die Optik eines Designereranzuges nicht stören.
DOROTHEA WENDELN
Taxifahrer, Feuerwehren, Verkehrsbetriebe, aber auch Unternehmen wie DaimlerChrysler oder VW sind bislang die klassischen Nutzer von Bündelfunk.

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  • Dorothea Wendeln

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