Software 21.01.2000, 17:24 Uhr

Ohne Gates geht“s weiter

Bill Gates hat die Führung von Microsoft seinem langjährigen Weggefährten Steve Ballmer übertragen und ist nun „Chairman“. Wie passt dieser Schachzug in das laufende Antitrust-Verfahren? Gar nicht schlecht, wie die Chronologie der Ereignisse zeigt.

Im erst-instanzlichen Verfahren gegen Microsoft hat Bundesrichter Thomas Penfield Jackson am 5. November 1999 in seinen „Findings of Fact“ die beinahe erdrückende Beweislage gegen Microsofts wettbewerbsfeindliches Verhalten im Markt für PC-Betriebssysteme angeprangert: Knebelverträge mit Geschäftspartnern, darunter auch AOL, und Verdrängung des Netscape-Browsers „Navigator“ durch Integration des eigenen Browsers Explorer in Windows 95. Damit war Jackson im wesentlichen den Klagepunkten der Antitrust-Behörden gefolgt.
Gleichzeitig hatte er seinen Kollegen Richard Posner als Schlichter berufen, um beiden Streitparteien den Weg zum Kompromiss zu ebnen und mögliche Sanktionen, schlimmstenfalls die Zerschlagung des Softwaregiganten in mehrere, auch unter einander konkurrierende Einzelunternehmen („Baby Bills“) zu mildern oder abzuwenden. Doch auch nach Jacksons vorläufigem Verdikt hat Microsoft-Gründer und CEO Bill Gates vehement jedes Fehlverhalten bestritten. Sogar den Monopol-Status für Windows wies er unwirsch zurück und beansprucht ungehinderte Innovation, sprich Anreicherung zukünftiger Windows-Versionen mit neuen Software-Elementen, etwa Spracherkennung und Sprachsteuerung. Besonders bei den PC-fernen, drahtlosen WAP-Internet-Handys erwächst ihm dabei sichtlich Konkurrenz.
Dann aber, in der ersten Januarhälfte, kam es Schlag auf Schlag: Am 10. Januar triumphierte der enttäuschte Business-Partner und Gates-Kritiker Steve Case, Chef des mit 20 Mio. Abonnenten weltgrößten Internet-Onlinedienstes AOL, mit seiner 160- Mrd.-Dollar-Übernahme des trotz starker Kabel-TV-Ressourcen im Internet eher schwach vertretenen Medienkonzerns Time Warner. Zu AOL gehört bereits der von Microsoft drangsalierte Browserhersteller Netscape. Und mit AOL-Time Warner droht ein ganz neuartiges Monopol – nicht durch Technologie-Dominanz wie im Fall Microsoft, sondern durch die schiere Marktmacht der Zugangskontrolle zum Internet und dessen Inhaltsangeboten. Da könnte sogar Microsofts Windows-Monopol verblassen.
Kein gutes Umfeld für einen juristischen Feldzug gegen die Gates-Company. Abhilfe: ein gezieltes Presse-Leck aus dem Department of Justice. Am 12. Januar wird es von der Zeitung USA Today hinausposaunt: Das DOJ plane definitiv die Aufspaltung Microsofts. Sofortiges Dementi. Doch es ist ein schwerer Schlag gegen die diskret geführten Vergleichsverhandlungen unter Richter Posner.
Und schon ist Microsoft wieder in den Headline-News. Um das weltweit anschwellende Presse-Echo zu dämpfen, ruft Bill Gates für den 13. Januar zur Pressekonferenz. Viele Beobachter, mit den Komplexitäten des US-Rechtssystems nicht richtig vertraut, nehmen den Theaterdonner der Justiz für bare Münze und erwarten von Bill jetzt das Eingeständnis seiner Verfehlungen und die Beilegung des Verfahrens im Sinne der Regierung.
Weit daneben. Statt weich geklopft, ist Bill gehärtet. Kein Eingeständnis. Doch um sich selbst aus dem Brennpunkt des Ärgers der PC-Community zu lavieren, verkündet er eine strategische Rochade im Schach mit der Justiz: Sein langjähriger Weggenosse Steve Ballmer, seit Sommer 99 schon Präsident von Microsoft, wird nun offiziell auch CEO, also in den Vorstand erhoben. Gates selbst befördert sich in den Aufsichtsrat, zum Chairman of the Board.
Und Ballmer, ein Hüne von Statur, mal diplomatisch, mal dröhnend, trumpft gleich auf, dass die Wände wackeln: „Es wäre absolut rücksichtslos und unverantwortlich, wenn jemand versuchen wollte, dieses Unternehmen auseinander zu brechen.“ In anderen Worten: Kampf bis zum Letzten.
Das reicht übers Wochenende, um der Debatte eine neue PR-Linie zu verpassen. Am Dienstag, 18. Januar (Montag ist Feiertag zu Ehren von Martin Luther King), geht es weiter: Microsoft überreicht seine längst terminierte Stellungnahme zu Jacksons Findings of Fact vom letzten November. Neue Facette unter Führung von Ballmer: respektvolle Würdigung von Jacksons Argumentation, sogar Anerkennung des Monopolstatus von Windows. Aber kein Missbrauch der Monopolmacht. Keine Verdrängung von Netscapes Navigator durch Preisdruck oder Knebelung von Partnern. Keine illegale Bündelung von Explorer und Windows 95. Rechtmäßiger Schutz des Windows-Start-Bildschirms im Sinne des Copyright.
Im neuen Umfeld des AOL-Time-Warner-Monopols im Internet und wegen der überaus eng fokussierten Argumentation Jacksons auf die Intel-kompatible PC-Plattform gar kein schlechter Stand. Hier sind die nächsten Termine: Am 25. Januar wird das Justizministerium Microsofts Einlassung kontern. Dann, am 1. Februar, ist wieder die Ballmer-Gates-Company am Zug. Und am 22. Februar will Richter Jackson beide Streitparteien zur mündlichen Verhandlung laden. Sein Urteilsspruch aber kann mehrere Monate auf sich warten lassen. Dann geht es, wenn kein Vergleich zustande kommt, in die nächst höhere Instanz. Diskussionsfutter für die erste Dekade des neuen Jahrhunderts. WERNER SCHULZ
Bill Gates und Steve Ballmer: Der alte und der neue Microsoft-Chef bei der Stabübergabe auf der gemeinsamen Pressekonferenz vom 13. Januar.

Von Werner Schulz
Von Werner Schulz

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