Interent 25.02.2000, 17:24 Uhr

Neue Techniken für die letzte Meile

Ja, wo surfen sie denn? Diese Frage wird künftig nicht mehr so einfach zu beantworten sein wie heute. Auf der CeBIT werben Anbieter verschiedener Zugangstechniken – von xDSL und Powerline bis hin zu drahtlosen Konzepten – um neue Kunden.

Neben der Deutschen Telekom bieten derzeit etwa 40 Lizenznehmer einen Direktanschluss zum Kunden. Damit – so weiß man in der Regulierungsbehörde für Telekommunikation und Post – können sich die Verbraucher in der Hälfte aller 84 deutschen Großstädte sowie in einer Reihe von Orten des Umlandes bei einem Komplettangebot zwischen der Telekom und mindestens einem Wettbewerber entscheiden.
Doch noch ist dieses Geschäft sehr mühsam. Bisher haben sich nach Angaben des Verbandes der Anbieter von Telekommunikations- und Mehrwertdiensten (VATM) erst 2 % der Bundesbürger für einen Wechsel entschieden. „Nur 3 % nutzen Preselection, 26 % das Call-by-Call-Verfahren und knapp 70 % nehmen keine andere Vorwahl für ihre Gespräche“, so Jürgen Grützner, Geschäftsführer des Verbandes. Der Knackpunkt ist noch immer die letzte Meile zum Kunden, die Netzbetreiber und Telefongesellschaften mit immer neuen Techniken überbrücken wollen, um an der Deutschen Telekom vorbei zum Endkunden zu gelangen.
Für höhere Datenraten bietet sich die ADSL-Technik an, was für Asymmetric Digital Subscriber Line steht. Immerhin könnte es über xDSL – so die globale Bezeichnung verschiedener Nachbrenner-Techniken für die Telefonleitung – selbst brauchbare Videoübertragungen geben. 30 – bis 100-mal schneller als ISDN können so Daten über normale Kupferadern aus dem Netz gezogen werden. Die Telekom vermarktet ihr eigenes ADSL-Produkt als T-DSL in großem Rahmen. Noch in diesem Jahr will sie 15 Mio. Haushalte erreichen. Voraussetzung ist ein bereits vorhandener ISDN-Anschluss.
„Mit unserer 3dSL-Technik vergolden wir jedes Kupferkabel“, versprach in der vergangenen Woche Frank Zwirner, Marketing Manager bei Newbridge Networks. Zwirner: „Wir bieten die Dreidimensionalität von Digitalfernsehen – einschließlich Video-on-Demand -, Radio und Fast-Internet und greifen auf die ADSL-Technik zurück.“ Darüber fließen die Daten mit bis 8 Mbit/s zum Teilnehmer, aber nur mit etwa 640 kbit/s zurück. „Die Bildqualität auf dem Fernseher oder dem PC ist phantastisch“, schwärmt Zwirner.
Provider und Netzbetreiber dürften sich auf eine Goldgrube freuen, wobei die gesamte Technik – einschließlich der Settop-Boxen – schon zur Verfügung steht. Noch steht Newbridge ganz am Anfang, doch in England gibt es schon einen ersten gewichtigen Kunden. Kingston Communications hat bereits 1500 Wohnungen angeschlossen, insgesamt sollen es 155 000 werden.
Als Alternative zur guten alten Kupferdoppelader bietet sich indes das Breitband-Kabelnetz an. „Das BK-Netz ist besonders attraktiv, aber die Versprechungen der multimedialen Welt werden derzeit nicht erfüllt“, so Peter Boehringer, Direktor Geschäftsentwicklung der European Telecommunication Holding E.T.H., Frankfurt. Noch immer gibt es technologische Defizite, die seitens der Telekom auch noch lange nicht beseitigt werden. So ist das Kabel bis jetzt noch nicht rückkanalfähig und der zur übertragende Frequenzbereich ist auf 446 MHz begrenzt. Noch immer ziehen sich die Verhandlungen über den Verkauf in die Länge, private Betreiber wie Netcologne arbeiten deshalb bereits an eigenen Kabellösungen.
Internet über Satellit ist ebenfalls ein Schlagwort der CeBIT. Die beiden großen Satellitensysteme ASTRA und Eutelsat versorgen Provider mit den notwendigen Kapazitäten, die sie vermarkten können. Die Firmen Strato mit SkyDSL und Europe Online Networks mit Internet-in-the-Sky sind hier die Hauptstrategen, auch wenn es für sie noch lange kein Massengeschäft gibt. „Wir versorgen derzeit etwa 4000 Teilnehmer, aber das Interesse ist gewaltig“, so Sigram Schindler, Vorstandsvorsitzender der Muttergesellschaft Teles AG. Satellitennutzer können so mit hohen Datenraten arbeiten, der Rückkanal wird zum Großteil aber noch über die Telefonleitung laufen müssen.
Auch der klassische Richtfunk kann die letzte Meile überbrücken. Ob WLL (Wireless Local Loop), PMP (Punkt-zu-Multipunkt-Richtfunk) oder MMDS (Microwave Multipoint Distribution Service) – im Prinzip geht es um die Versorgung eines kleineren Gebietes via Funk. Nötig ist eine Sichtverbindung zwischen Sender und Empfänger, zudem ist der Rückkanal meist nur schmalbandig. Was hierzulande noch technisches Neuland ist, wird in den USA bereits unter dem Namen „Wireless Cable“ verbreitet. In Deutschland soll die Funkverbindung Multimedia Wireless System (MWS) heißen.
Perspektivisch wird auch die UMTS-Technik zu nutzen sein: Das Universal Mobile Telecommunication System ist als IMT-2000-Standard inzwischen von der ITU (International Telecommunication Union) abgesegnet. Versprochen ist die vollständige Integration der gegenwärtigen Mobilfunksysteme GSM (Global System for Mobile Communication), DECT (Digital Enhanced Cordless Telecommunications) und PCS (Personal Communication Services als Integration von Mobil- und Festnetz unter einer Nummer) mit Breitband-ISDN zur drahtlosen Multimedia-Kommunikation. Theoretisch sollen bis zu 2 Mbit/s für einen Teilnehmer möglich sein, realistisch ist ein Drittel davon. Noch vor der Sommerpause werden die Frequenzen versteigert, so die Ankündigung der Regulierungsbehörde.
Sehr zukunftsträchtig und entsprechend spektakulär ist das Powerline-Konzept, das auf der CeBIT unter anderem von Alcatel und RWE vorgestellt wird. Andere Aussteller zeigen die erforderlichen Komponenten und erste Prototyp-Systeme als gangbare Alternative zu DECT- oder WLL-Techniken. Die CeBIT ist ein Muss-Termin, um alle Alternativen genauer unter die Lupe zu nehmen. RAINER BÜCKEN
Richtfunk gehört zu den ausgereiftesten Alternativen zum Telekom-Kabel.

Ein Beitrag von:

  • Rainer Bücken

    Freier Fachjournalist in Berlin. Seit über 40 Jahren widmet sich Rainer Bücken mit profunden Fachkenntnissen allen Themen rund um Medien, gewissermaßen von der Quelle bis zur Senke. So begleitete er die Einführung von HDTV in Deutschland von den Anfängen bis zum Regelbetrieb und blickt gespannt auf die Entwicklungen bei 4K sowie 8K. Dabei spielen die Digitalisierung der TV-Landschaft und die Einführung neuer Technologien in allen Stufen der Medienverbreitung, vor allem der Glasfasertechnik, zentrale Rollen. Rainer Bücken studierte Nachrichtentechnik der Ingenieurakademie der Deutschen Bundespost Berlin und anschließend Publizistik an der FU Berlin.

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