Unternehmenssoftware 12.01.2001, 17:28 Uhr

Neue Generation der Beschaffung

E-Procurement hat die Einstandskosten von C-Gütern schon erheblich gesenkt. Sparen können Einkäufer jetzt vor allem noch beim strategischen Bedarf. Neue Software soll dies ermöglichen.

Die elektronische Beschaffung wird erwachsen. Bisher widmeten sich Procurement-Plattformen hauptsächlich einfach zu umschreibenden Produkten. Die realisierbaren Einsparungen hielten sich dadurch in Grenzen: Standardwaren haben Standardpreise – relativ wenig Spielraum also, um Kosten zu senken. Jetzt rücken auch komplexe, strategische Güter bzw. Dienstleistungen ins Visier der Einkäufer. Möglich macht dies die Software von Healy Hudson.
Die Münchener haben zwei miteinander verknüpfbare Produkte entwickelt. Star des Duos ist die electronic Sourcing Workbench (eSW). Sie erlaubt nach Herstellerangaben die unternehmensweite Spezifikation und Bündelung des Bedarfs auch komplexer Güter, etwa individuelle Bauteile für Autos, sowie die Identifizierung aller relevanten Lieferanten via Web. Das electronic Commerce Ordering System (eCOS) schließt daran an und verkürzt den Bestellprozess: Von der Bedarfsmeldung über das Genehmigungsverfahren (wer darf was bestellen) bis zur Rechnungslegung wird alles automatisiert, die Prozesskosten minimiert. Gründer Heinz Weiler selbstbewusst: „Während die Software der meisten Konkurrenten den Nutzen Internet nur ansatzweise ausschöpfen, bieten wir unseren Kunden sogar bei komplexen Ausschreibungen die Möglichkeit, die Vorteile des Online-Handels zu nutzen.“
Die Dresdner Bank nutzte eSW, um komplexe Reinigungsdienstleistungen einzukaufen. „Es galt, neue Verträge für insgesamt 72 Verwaltungsgebäude unterschiedlicher Größe in Bayern zu schließen“, erinnert sich Helmuth Deisenroth, Direktor des Konzernstabs Beschaffungs- und Flächenmanagement. „Zu reinigen waren dabei nicht nur Büroräume. Auch Kundenräume, Fassaden, Sanitärbereiche und Glasflächen sollten in das Servicepaket integriert werden.“ Die Fülle der einzelnen Leistungspositionen wurde mit Hilfe der Healy-Hudson-Software in übersichtliche Tabellen übertragen. Sich ähnelnde Dienstleistungen konnten dadurch automatisch zusammengefasst und im Hinblick auf die Realisierung von Mengenrabatten zu einzelnen Paketen zusammengeschnürt werden. Der entstandene Forderungskatalog ging einem geschlossenem Lieferantenkreis zu. „Ob sich die Software auch eignet, neue Anbieter per Ausschreibung zu finden, muss in unserem speziellen Fall noch überprüft werden.“ Den interessierten Dienstleistern wurde im nächsten Schritt ein zeitlich begrenzter Zugang für die Angebotsabgabe zur eSW-Plattform gewährt. Aus ihren eingehenden Angeboten ermittelte die Dresdner Bank einen „synthetischen Preis“ – die Summe der jeweils günstigsten Preise über alle Reinigungskategorien. „Anbietern, die insgesamt nahe an diesem Tiefstpreis lagen, in einzelnen Kategorien jedoch stark vom Bestgebot abwichen, geben wir einmalig Gelegenheit, ihre Offerte zu überdenken.“ Nachdem verbindliche Angebote vorlagen, begann die Auswertung nach Sachkriterien. „Dazu haben wir einen eigenen Bewertungskatalog erstellt – die Healy-Hudson-Lösung entsprach nicht unseren bankspezifischen Besonderheiten. Eine Anpassung ist aber sicher möglich.“ Wieder zum Einsatz kam das Programm beim Lieferantenmanagement. Deisenroth: „Quasi als Abfallprodukt haben wir mit eSW einen Lieferanten- bzw. Warenkatalog gewonnen. Wir wissen jetzt, wer was zu günstigen Konditionen liefern kann. Das ist im Hinblick auf künftige Ausschreibungen hilfreich.“
Auf diesen von eSW erstellten Katalog greift eCOS zurück. Die Dresdner Bank als SAP-Anwender nutzt dieses Tool jedoch nicht.
Zum Einsatz kommt eCos bei Siemens Procurement and Logistics Services (SPLS), München. Hubert Mühlfellner, Leiter des Bereichs E-Business für indirektes Material, erklärt die Funktion: „Ausgangspunkt sind webbasierte Kataloge, die von den Lieferanten zur Verfügung gestellt werden. Nur Besteller mit zuvor definierter Legitimation dürfen darauf zugreifen. Bestehende Genehmigungsabläufe einer Kundenorganisation können im System abgebildet werden.“ Bestellungen werden automatisch im XML-Format an die jeweiligen Lieferanten gesendet. „Ein Konverter übersetzt dabei die Aufträge in das Format des Warenwirtschaftssystems des Lieferanten. Dieser sendet, nach Lieferung an den Besteller, seine Rechnungsdaten im eCos-Format an das System zurück.“ Dort werden die einzelnen Rechnungspositionen geprüft. „Zur Klärung eventuell auftretender Unstimmigkeiten wird automatisch ein Dialog zwischen Kunden und Lieferanten angeregt.“ Im letzten Schritt zieht die Software Bilanz. „Die Qualität der Lieferanten kann im System registriert werden.“ Im Laufe der Zeit entsteht ein aussagekräftiges Ranking der Beschaffungspartner.
Konzipiert sind eSW und eCOS für Unternehmen und mit einem Umsatz von mindestens 500 Mio. Euro pro Jahr. Sie eignen sich außerdem für Behörden – die bayerische Staatsministerium des Innern beispielsweise kaufte per eSW Papier – sowie zum Auf- und Ausbau von offenen Internetmarktplätzen. Zum Kundenstamm der Münchener zählen neben den genannten Unternehmen auch DaimlerChrysler, Mannesmann und Texas Instruments. „Das Einkaufsvolumen sollte, je nach Komplexität der Güter, zwischen 10 Mio. DM und 20 Mio. DM liegen“, so Weiler. Einsparen ließen sich mit der Software durchschnittlich 10 % der Einstandskosten. Auf der Sollseite schlagen bei Nutzung der Programme entweder verhandelbare Lizenzgebühren oder Anteile der Wertschöpfung zu Buche. Sechsstellige Beträge sind die Regel. Kleinere Marktplätze, die nicht den gesamten Umfang der Software nutzen, zahlen weniger.
Die Konkurrenz schläft nicht. Auch die Branchenriesen Ariba sowie Commerce One in Kooperation mit SAP setzen auf das strategic sourcing. „Wir haben aber starke technologische Vorteile, da wir uns von Anfang an auf komplexe Güter ausgerichtet haben“, so Weiler. Der 58-jährige mahnt: „Wer die Produkte der Großen abwartet, lässt sich Millionenersparnisse entgehen.“ Sorgen um die Einbindung von eSW und eCos in vorhandene Enterprice Resource Planing Systeme müsse sich keiner machen. „Wir sind voll ERP-fähig.“ Gründerkollege Dr. Rainer Frölich (58): „Mit der Kompatibilität unserer Produkte, etwa mit SAP-R3, bieten wir Unternehmen jetzt die Chance, ihr Ausschreibungs-, Einkaufs- und Bestellwesen mit dem etablierten Warenwirtschaftssystem zu verknüpfen – und das ohne jede Schnittstellenproblematik.“
Für die Zukunft hat das Gründerduo große Pläne. Im Laufe des Jahres ist der Gang an den Frankfurter Neuen Markt geplant. Über die Verwendung der Emissionserlöse besteht Einigkeit: „Wir beabsichtigen, eine Vielzahl neuer Absatzmärkte zu erschließen. Daher steht – neben der Perfektionierung bestehender Produkte und der Entwicklung neuer Software – ein Ausbau der internationalen Aktivitäten im Zentrum unseres Interesses“, so Weiler. „Nachdem wir bereits ein Büro in den USA eröffnet haben, werden wir von unserer Zentrale in München aus in die Märkte anderer europäischer Länder und Japans eintreten.“ Außerdem sollen strategische Partnerschaften geknüpft werden. „Mit Bündnissen und Aufkäufen werden wir uns optimal im Markt positionieren.“ STEFAN ASCHE

.Collaborative Sourcing

Wettbewerb der Supply Chains

Prof. Martin Christopher, Marketingexperte an der renommierten Cranfield School of Management in Großbritannien prophezeit: „In Zukunft werden nicht mehr nur einzelne Unternehmen im Wettbewerb stehen, sondern ganze Supply Chains.“ Darauf baut Healy Hudson. „Unsere Vision ist es, der weltweit führende Anbieter von Collaborative eSourcing Lösungen zu sein, die leistungsstarke B2B-Lieferantennetze unterstützen“, erklärt Dr. Rainer Frölich. Mit eSW und eCOS solle der interaktive Prozess der „ausgelagerten Wertschöpfung“ für direkte und komplexe Materialien und Dienstleistungen kontinuierlich verbessert werden. Angestrebt wird also eine weitgehende Zusammenarbeit zwischen Lieferanten und Abnehmern. sta

Von Stefan Asche
Von Stefan Asche

Stellenangebote im Bereich Softwareentwicklung

in-tech GmbH-Firmenlogo
in-tech GmbH Informatiker als Softwareentwickler C++/Qt für industrielle Systeme (m/w/d) Garching bei München, München
Pixida-Firmenlogo
Pixida Functional Owner – Digital Services und Connected Devices (m/w/d) München
Porsche AG-Firmenlogo
Porsche AG Softwareingenieur (m/w/d) ASPICE für Entwicklungsprozesse Weissach
Jungheinrich Aktiengesellschaft-Firmenlogo
Jungheinrich Aktiengesellschaft Embedded Softwareentwickler (m/w/d) Norderstedt
Porsche AG-Firmenlogo
Porsche AG IT Security Expert (m/w/d) Digital Workplace Weilimdorf
XTRONIC GmbH-Firmenlogo
XTRONIC GmbH Embedded Software Developer (w/m/d) Böblingen
SimonsVoss Technologies GmbH-Firmenlogo
SimonsVoss Technologies GmbH Senior Middleware Stack Architect (m/w/d) Unterföhring bei München
DIgSILENT GmbH-Firmenlogo
DIgSILENT GmbH Ingenieur Elektrotechnik (w/m/d) Anwendungsentwickler C++ Gomaringen
Porsche AG-Firmenlogo
Porsche AG Service-Experte (w/m/d) Data-Streaming Weilimdorf
XTRONIC GmbH-Firmenlogo
XTRONIC GmbH Requirements Engineer Bereich Kombiinstrumente (m/w/d) Böblingen

Alle Softwareentwicklung Jobs

Top 5 IT & T…

Zu unseren Newslettern anmelden

Das Wichtigste immer im Blick: Mit unseren beiden Newslettern verpassen Sie keine News mehr aus der schönen neuen Technikwelt und erhalten Karrieretipps rund um Jobsuche & Bewerbung. Sie begeistert ein Thema mehr als das andere? Dann wählen Sie einfach Ihren kostenfreien Favoriten.