Telekommunikation 12.04.2002, 17:33 Uhr

Netzwerkbranche bleibt unter Druck

Zur CeBIT waren die Hersteller von Netzwerk-Infrastruktur und -Komponenten noch zuversichtlich. Doch das scheint nur ein kurzer Silberstreif am Horizont gewesen zu sein. Es geht weiter abwärts. Neuer Hoffnungsschimmer ist erst wieder für 2003 in Sicht.

Ahnungen eines Frühlingsgefühles zogen herauf, als man sich auf der CeBIT Mitte März bei den Netzwerkausrüstern nach der wirtschaftlichen Lage erkundigte. Die meisten äußerten sich sehr zuversichtlich. Die Analysten der Bank of America stuften Ende März die Papiere von Nortel, Cisco und Lucent nach oben und begründeten das mit dem besten Februar seit 1998. Ein Plus von 10 % bei den Aufträgen und ein Plus von 18 % bei den Lieferungen standen zu Buche.

Doch der Februar war wohl nur eine Ein-Monats-Fliege, es folgte der Nach-CeBIT-Kater. Seit Ende März balanciert der englische Traditionsanbieter Marconi am Rande des Bankrotts. Er konnte seine Kredite nicht bedienen, die Verhandlungen mit den Banken blieben ohne Erfolg. Jetzt sollen für die Schulden Aktien ausgegeben werden, doch ob das erfolgreich sein wird, ist zweifelhaft, denn Marconis Kurs ist im vergangenen halben Jahr um 99,5 % gefallen.

Auch Nortel Networks ist angeschlagen, nachdem die Ratingagentur Moody’s deren 5 Mrd. Dollar Anleihen zu Spekulationspapieren herabstufte. Die Investmentbank Dresdner Kleinwort Wasserstein (DKW) folgte auf dem Fuße und stufte die Nortel-Aktie von „Kaufen“ auf „Halten“ zurück. DKW-Analystin Ariane Mahler sah in Nortel sogar einen Übernahmekandidaten für Cisco oder Alcatel, woraufhin der Nortel-Kurs auf ein Mehrjahrestief von 3,60 Dollar sackte weit entfernt von den 87 Dollar aus dem Jahr 2000.

Lucent kam unter Druck, als bekannt wurde, dass es Außenstände in Australien von umgerechnet 300 Mio. ‰ abschreiben muss. Als Folge fielen alle Netzwerkhersteller bei den Investoren in Ungnade. Auch Cisco, Juniper und 3Com gaben an der Nasdaq nach.

Mit dem weiteren Abwärtstrend bei den Netzwerkanbietern kippte auch der Beschaffungsmarkt in seine Rezession zurück. Worldcom, einer der großen Netzwerkbetreiber, will weitere 3700 Arbeitsplätzen abbauen. Bei den Konkurrenten Qwest und Global Crossing ermittelt die Börsenaufsicht wegen Bilanzmanipulationen.

Hintergrund dieser dramatischen Marktverschlechterung sind einerseits die immensen Schuldenberge, die die Netzbetreiber beim Aufbau der Netze aufgetürmt haben, andererseits eine leichtfertige Extrapolation der einst boomenden Umsätze bei den Netzwerkherstellern. Moody’s kommt in seiner Marktanalyse zu dem Schluss, dass viele Netzbetreiber noch vom Markt verschwinden werden und dass sich damit die Situation für die Hersteller weiter verschlechtern wird.

Tom Pohlman, Senior Analyst bei Forrester Research, sieht die Ursache noch tiefer liegend: „Die großen Anwender werden in diesem Jahr für ihre Internetlösungen weniger ausgeben als im Vorjahr. Und das trifft alle daran Beteiligten, egal, ob Server, Speichermedium oder Netzwerke.“ Laut Forrester sinkt das durchschnittliche E-Business-Budget bei den 3500 größten Unternehmen in diesem Jahr auf 29 Mio. Dollar, das sind rund 30 % weniger als die 41 Mio. Dollar im Jahr zuvor.

Dieser Markteinbruch wird begleitet von einer weltweiten Überkapazität, denn in den Boom-Jahren des Netzausbaues von 1998 bis Anfang 2001 hatten sich die Hersteller auf einen permanent wachsenden Markt eingestellt und ihre Fertigungskapazitäten rasant ausgebaut. Jetzt, wo die Märkte schrumpfen, bewirkt die Überkapazität hohe Kosten und geringe Erträge. Steve Milunovich von Merrill Lynch schätzt, dass die Herstellungskapazitäten derzeit höchstens zu 60 % ausgelastet sind.

Am härtesten wird es vor allem die Hersteller unterhalb der Größe von Cisco, Lucent und Nortel treffen. Viele von ihnen sind schon in den letzten zwölf Monaten vom Markt verschwunden. Bei anderen ist es nur noch eine Frage der Zeit, bis sie aufgekauft werden oder in Konkurs gehen.

Diese Marktbereinigung trifft die Großen sehr hart. „Wir haben das Phänomen, dass viele Firmen Bankrott gingen, die überwiegend Nortel Hardware im Bestand hatten und damit fast neue Systeme für nur 10 % des Neupreises auf den Markt kommen“, erläutert John Mazur, Analyst bei Gartner die besonderen Probleme von Nortel.

Langfristig Entwarnung gibt hingegen Jeff Kagan, selbstständiger Analyst in Atlanta. Er meint, dass Nortel nur kurzfristige Probleme haben werde, die spätestens im nächsten Jahr vorbei seien: „Sie haben sehr gute Produkte und hervorragende Patente, das sollte sich im Markt auf Dauer durchsetzen.“

Die Investmentbanker von Lehman Brothers sahen am Dienstag der Woche den Netzwerksektor gar unter einem „Überhang an Pessimismus“ leiden: Die Broker erhöhten das Kursziel für Sycamore, einen US-Anbieter für optische Netzwerke. HANS WAGNER

 

Marconi plc

Marconi plc geht zurück auf drei britische Unternehmen: Die Firma gleichen Namens des Funkpioniers Guglielmo Marconi, die früher vor allem im Luftfahrtsektor aktive English Electric Co und General Electric Co (GEC). 1946 kaufte English Electric die alte Marconi und fusionierte dann 1968 mit GEC unter diesem Namen. Nach einer starken
Expansion legte sich GEC Ende 1999 den alten Namen Marconi wieder zu.

Guglielmo Marconi wetteiferte mit Ferdinand Braun Anfang des 20. Jahrhunderts um den Verdienst, die drahtlose Telegrafie erfunden zu haben. Beide Forscher erhielten dafür 1909 zusammen den Physik-Nobelpreis.

Heute konzentriert sich Marconi plc nach eigenen Angaben auf Breitbandlösungen: optische Netze mit hoher Übertragungskapazität in SDH- (Synchronous
Digital Hierarchy) und DWDM (Dense Wavelenght Divison Multiplexing)-Technik, Paketvermittlungen mit hoher Kapazität, Breitband-Access-Plattformen sowie die Software und den Support für diese Produkte. swe

Zwei Krisenmonaten – Juli 2001 und März 2002 – folgten bei Marconi zwei Einbrüche auf dem Börsenparkett.

Ein Beitrag von:

  • Hans Wagner

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