Messen 08.02.2008, 19:33 Uhr

MP3 soll digitales Musikgeschäft ankurbeln  

VDI nachrichten, Cannes, 8. 2. 08, jdb – Weltweit kehren die vier Großen der Musikbranche Kopierschutzsystemen den Rücken und bieten ihr Gut nun auch im ungeschützten MP3-Format feil. Dass auch hier technische Systeme für die Rückverfolgung eingesetzt werden, stand auf der weltgrößten Musikmesse Midem im südfranzösischen Cannes außer Frage.

Gefallen waren die Würfel bereits kurz vor der diesjährigen Midem, der weltgrößten Musikmesse in Cannes: 70 % Marktanteil des weltgrößten Musikverkäufers Apple mit seinem Online-Shop „itunes“ waren den vier verbliebenen großen Plattenkonzernen genug. Um Steve Jobs“ Marktmacht zu begrenzen, haben sie sich zugunsten des MP3-Formats vom digitalen Rechtemanagement (DRM) verabschiedet und wollen mit neuen Shops im Internet gegenhalten. Allen voran mit Amazon MP3, dem neuen Musikshop des Onlinehändlers. In den USA bietet Amazon bereits Musikdownloads ohne Kopierschutz an und verkündete zur Midem, in diesem Jahr auch international zu expandieren.

Die legale Abgabe von Musik im MP3-Format folgt einer späten Einsicht: Zu unpraktikabel waren die meist proprietären Kopierschutzsysteme für die Konsumenten, um Musik einmal zu kaufen und dann auf möglichst vielen Geräten abzuspielen. MP3-Audiodateien lassen sich unbegrenzt auf CD brennen und auf jedem beliebigen Abspielgerät speichern.

Wie vorsichtig die großen Plattenkonzerne mit dieser Entscheidung leben, offenbarte das zweitägige Technologieforum MidemNet. „Ohne Kopierschutz, das testen wir erst einmal“, sagte Jean-Bernard Lévy. Damit unterstützte der Chef des Konzerns Vivendi die Entscheidung seiner Tochter Universal Music Group. Gleichzeitig hielt Lévy an Kopierschutzsystemen fest: „Bei Musikabonnements, aber auch für werbefinanzierte Angebote.“

Andere Experten wie Karlheinz Brandenburg empfahlen der Industrie hingegen, den Kauf von digitaler Musik mit intelligenten Diensten weiter zu erleichtern. Für den Miterfinder des MP3-Formats und Direktor des Fraunhofer-Instituts für Digitale Medientechnologie in Ilmenau zählen dazu Technologien, die die Web-2.0-Gemeinde und ihre Mundpropaganda zu Musiktipps auswerten, oder Empfehlungssysteme wie der „Mufin Musicfinder“, der die Suche nach ähnlich klingender Musik erleichtert.

Weiterhin sucht die angeschlagene Musikindustrie weltweit nach neuen Vertriebskanälen. Denn es hat sich nichts geändert. Je nach Schätzung kommen auf einen legalen zwischen zehn und 20 illegale Musikdownloads. Weltweit brach der Musikmarkt im vergangenen Jahr wegen schrumpfender CD-Verkäufe um etwa 10 % ein, in den USA sogar fast um 20 %. Diese Umsatzeinbußen können jedoch noch nicht mit dem Herunterladen von Musik von Shops im Internet oder auf Mobiltelefone aufgefangen werden.

Dabei läuft es damit immer besser. Laut Internationalem Verband der Phonoindustrie (IFPI) und seinem „Digital Music Report 2008“ können sich Musikliebhaber inzwischen weltweit aus rund 500 legalen Onlineshops bedienen. Über diese wurden 2007 rund 1,7 Mrd. Songs verkauft. Das Geschäft rund um den digitalen Musikvertrieb hat sich 2007 beim Umsatz um 40 % erhöht und die Musikfirmen konnten nun Umsätze von 3 Mrd. $ gegenüber 2,1 Mrd. $ im Vorjahr verbuchen.

Viele Experten erwarten vom Fall der Kopierschutzsysteme einen zusätzlichen Schub für das digitale Downloadgeschäft. Doch der kann noch Monate auf sich warten lassen. Davon ist Michael Krause, zuständig für das Geschäft rund um multimediale Inhalte bei der Bertelsmann-Tochter Arvato mobile, überzeugt. Als technischer Dienstleister übernimmt Avarto mobile das Lizenzgeschäft und bringt die Inhalte in die entsprechenden Formate mit Kopierschutz. „Wir können den Schalter bei den Systemen jetzt nicht einfach auf MP3 umlegen.“

Dies gehe nur bei Plattformen wie „emusic“, die mit Musik von kleinen Labels schon immer auf MP3-Dateien gesetzt haben, oder Neustartern wie Online-Einzelhändler Amazon. Bei allen anderen Plattformen müssen die Songs aller Plattenlabels noch einmal angeliefert und bearbeitet werden. „Das ist zeitlich und technisch ein riesiger Aufwand“, sagte Krause am Rande der MidemNet. Der Manager rechnet deswegen erst „zum Ende des Jahres 2008 mit einem breiten Angebot an Shops, die DRM-freie Musik anbieten.“

Dass MP3 aber nicht das Ende technischer Systeme einläutet, die massenhaftes Kopieren von urheberrechtlich geschütztem Material verhindern, war in Cannes allen Experten klar. Hinter den Kulissen wurde deshalb eifrig über digitale Wasserzeichen diskutiert. Diese altbekannte Technologie erlaubt es Songs beliebig zu kopieren und weiterzugeben. Doch die kopierten Musikstücke sind so markiert, dass der ursprüngliche Käufer und damit potenzielle Verletzer von Urheberrechten jederzeit identifiziert werden kann. Zwar rechnet in der Branche niemand damit, dass einzelne Nutzer massenhaft verfolgt werden. Doch sollen Internetprovidern Technologien an die Hand gegeben werden, um entsprechend markiertes Material zu identifizieren und zu sperren. NIKOLA WOHLLAIB

Ein Beitrag von:

  • Nikola Wohllaib

    Freie Journalistin in Berlin. Scherpunktthemen: Telekommunikation, Medien, Medienpolitik.

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