Mobilfunk 11.02.2011, 19:51 Uhr

Mobilfunkstrahlung: Wirkung bleibt umstritten

Seit Jahren sind sich Wissenschaftler darüber uneinig, ob Handystrahlung schädlich ist. Mehrheitlich gab es Entwarnungen. Doch noch immer sind die Langzeitfolgen von elektromagnetischen Emissionen ebenso ungeklärt wie deren Wirkung auf Kinder. Eine Studie des Bundesamts für Strahlenschutz zeigt, dass die Grenzwerte für Kinder neu überdacht werden müssen.

Eine aktuelle Studie der Hebrew University in Jerusalem will einen statistischen Zusammenhang zwischen mobilem Telefonieren und dem Auftreten einer besonderen Form von Krebs gefunden haben. So soll sich die Zahl der Fälle von Ohrspeicheldrüsenkrebs in den Jahren von 1970 bis 2006 vervierfacht haben.

Kritiker monieren, dass damit noch kein direkter Zusammenhang bewiesen sei. Zum einen verdoppelte sich die Bevölkerung in dem Zeitraum der Studie. Zum anderen habe sich im gleichen Zeitraum nicht nur die Handynutzung verändert. Von 1997 bis 2006 habe sich zudem die Gesprächszeit der israelischen Telefonierer versechsfacht. Es könne also auch andere Ursachen für das vermehrte Auftreten von Ohrspeicheldrüsenkrebs geben.

Bislang haben Wissenschaftler außer einer Erwärmung des Gewebes keine schädliche Wirkung gefunden, stellt jetzt ein Bericht der Bundesregierung über den aktuellen Forschungsstand fest. Die Erhöhung der Körpertemperatur um deutlich mehr als ein Grad kann jedoch bereits gesundheitlich bedeutende Beeinträchtigungen hervorrufen.

Beim Telefonieren ist es der Akku, der neben den Mikrowellen für eine Erwärmung im menschlichen Gewebe sorgt, weiß Bernd Rainer Müller von der Naturschutzorganisation BUND. Welcher Anteil welcher Ursache bei den verschiedenen Gerätemodellen zuzuschreiben ist, ist bislang ungeklärt. Das Telefonieren mit der Freisprechanlage kann bereits für eine Unterschreitung der Strahlengrenzwerte um das Zehn- bis Hundertfache sorgen.

Nicht thermische Effekte etwa durch Mobilfunkstrahlen konnten trotz jahrzehntelanger Forschung wissenschaftlich nicht nachgewiesen werden. Entsprechend fand sich auch kein Zusammenhang zwischen den Beschwerden elektrosensibler Menschen und elektromagnetischen Feldern.

Eine Studie des Bundesamts für Strahlenschutz (BfS) hält fest, dass ein „beträchtlicher Anteil“ der Allgemeinmediziner das Risiko elektromagnetischer Felder „zu hoch“ einschätzt. Dies könne auf die „schlechte Informiertheit“ der Ärzte zurückzuführen sein.

Unsicher ist jedoch immer noch, wie riskant Handynutzungszeiten von mehr als zehn Jahren sind und ob Kinder empfindlicher reagieren als Erwachsene. Ein aktuelles, vom BfS initiiertes Forschungsvorhaben untersuchte, ob bei Kindern die Energieabsorption von hochfrequenten elektromagnetischen Feldern höher ist bei Erwachsenen.

Dafür entwickelten die Forscher realistische Ganzkörpermodelle von Kindern im Alter zwischen 5 und 14 Jahren. Proportionen und Gewebeverteilungen sind bei Kindern anders als bei Erwachsenen, dennoch wurden die Körpermodelle von Erwachsenen bislang einfach auf die Größe und das Gewicht von Kindern umgerechnet. Die Forscher stellten mit ihrem neuen Körpermodell fest, dass der empfohlene Grenzwert bei Kindern tatsächlich überschritten werden kann.

Betroffen sind Frequenzen bei Körperresonanzen zwischen 50 MHz und 110 MHz sowie in dem mobilfunk- und WLAN-relevanten Bereich zwischen 1,5 GHz und 5 GHz. Die Ergebnisse zeigen daher, dass das international empfohlene System aus Basis- und Referenzwerten „inkonsistent“ ist.

Die Befunde will das Bundesamt in die Beratungen zur Überarbeitung der Grenzwerte einbringen. Die Ergebnisse sind jedoch abhängig vom verwendeten Handy und der Körperhaltung, meint BUND-Experte Müller. An der Studie kritisiert er: „Es wurde nicht das Handy mit der zulässig ungünstigsten Leistung und der ungünstigsten Körperhaltung genommen.“ Er vermisst zudem, dass ihm die Originaldaten der Studie nicht zur Verfügung gestellt wurden.

Die Bundesregierung empfiehlt indes, über die Unsicherheiten von elektromagnetischen Feldern „fair“, „offen“ und „kompetent“ zu kommunizieren. Demgegenüber stellte sie fest, dass Mitarbeiter von Handy-Shops über einen „sehr mangelhaften Wissensstand“ zum Thema Mobilfunk und Gesundheit verfügen. Entsprechende Informationsmaterialien seien in den Shops nicht leicht verfügbar.

Das Umweltzeichen „Blauer Engel“ für strahlungsarme Geräte wird bislang von den Herstellern nicht angenommen. 2007 hatte ein Hersteller das Umweltzeichen für ein Modell beantragt und erhalten, Ende 2009 jedoch wieder darauf verzichtet. Für Babyphones erhielten es nur zwei Hersteller bis Ende 2008. Bislang hat es kein einziger Hersteller für strahlenarme Dect-Schnurlostelefone beantragt. CHR. SCHULZKI-HADDOUTI

Ein Beitrag von:

  • Christiane Schulzki-Haddouti

    Freie Journalistin und Buchautorin in Bonn. Scherpunktthemen: Bürgerrechte, Informationsfreiheit, Datenschutz und Medienethik.

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