Industrie 06.11.2009, 18:30 Uhr

Mobilfunk erobert explosionsgefährdete Bereiche  

Vom Einstieg in die Funkwelt kann jedes Unternehmen profitieren. Der Einsatz dieser Technik in explosionsgefährdeten Bereichen erfordert jedoch besondere technische Maßnahmen – wie Mobilfunk. Ein Thema, das auf dem Begleitkongress zur SPS/IPC/Drives seine Interessenten finden wird. VDI nachrichten, Düsseldorf, 6. 11. 09, kip

Die Nutzung von Wireless-Technik in Unternehmen ist alltägliche Praxis geworden. Ein Einsatzgebiet hinkte jedoch stets hinterher: In Anlagen mit explosionsgefährdeten Bereichen konnte herkömmliche industrielle Funktechnik nicht eingesetzt werden. Denn grundsätzlich können die elektromagnetischen Funkwellen in einem Raum mit explosionsgefährdeter Atmosphäre eine Zündquelle darstellen – etwa dort, wo Gas oder Staub in der Luft ist.

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Vor allem die chemische Industrie würde von der Funktechnik profitieren: In den oft weitläufigen und verwinkelten Anlagen sind Verkabelungen bis zu jedem Sensor nur schwer zu realisieren. Um den Datenaustausch via WLAN, Bluetooth, Zigbee und RFID sicher zu gestalten, muss die Technik jedoch besonderen Anforderungen gerecht werden. „Die eingesetzten Geräte müssen der im August 2009 veröffentlichten Europanorm 60079-0 genügen“, sagte Rudolf Hauke, Sachverständiger für elektrischen Explosionsschutz bei der Dekra Exam in Bochum. In der Norm sind Grenzwerte und Regeln für die Konstruktion, Prüfung und Kennzeichnung der Geräte festgelegt – u. a. basierend auf den derzeit genutzten Wireless-Standards. Auf dem Begleitkongress zur SPS/IPC/Drives 2009 wird Rudolf Hauke über die speziellen Anforderungen an Funktechnik in Ex-Bereichen berichten.

Angeboten werden Funklösungen von Unternehmen wie der Rösberg Engineering GmbH. Die Karlsruher Firma hat sich auf Automations- und IT-Dienstleistungen für die Prozessindustrie spezialisiert. Seit etwa drei Jahren hat man Funklösungen für explosionsgefährdete Bereiche im Programm. Doch allein die Geräte bereitzustellen reicht nicht aus, weiß Projektmanager Thomas Stößer: „Die Planung des Netzwerks ist eine große Herausforderung und im Vergleich zur Installation der größere Aufwand.“ Auf der SPS/IPC/Drives wird Stößer ein Projekt beispielhaft vorstellen, das Rösberg Engineering für BASF in Ludwigshafen realisiert hat.

In einem Neubau von BASF werden Chemikalien für die Halbleiterproduktion abgefüllt. „Zunächst waren für die rund 40 verschiedenen Anlagenteile stationäre Bedienterminals geplant“, sagt Stößer. „Dann haben wir als Alternative ein WLAN-Netzwerk vorgeschlagen, das die Bedienung und Wartung der Anlage über fünf mobile Tablett-PCs und zwölf PDAs ermöglicht.“ Der Kunde war schnell überzeugt: „Mit der mobilen Lösung steigt die Effizienz. Die Handhelds des Wartungspersonals haben individuelle Barcodes, mit denen sie sich an jedem Anlagenteil identifizieren müssen“, betonte Stößer. Angezeigt würden dann nur die Bedienschritte, welche für den Mitarbeiter an diesem Anlagenteil interessant seien. Der ständige Abgleich der Arbeitsschritte zwischen dem Personal in der Anlage mit der zentralen Leitwarte entfällt. Auf die Steuerung der Anlage kann das Personal mit mobilen Tablett-PCs von jedem Ort der Anlage Einfluss nehmen – und so in Notfallsituationen schnell reagieren.

In der Planungsphase hatte man sich auch aus Kostengründen für eine konventionelle Verdrahtung der Aktoren und Sensoren entschlossen. Bei einer Anlagenerweiterung käme das Thema Wireless aber sicher wieder ins Spiel, so Stößer.

Bei BASF wird das Funknetz selbst von 21 WLAN Access Points gebildet, die außerhalb des explosionsgefährdeten Bereiches installiert sind. Sie strahlen aber doch so weit, dass auch in den Ex-Bereichen Tablett-PCs und PDAs verwendet werden können. M. BORRÉ/KIP

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