Mobilfunk 18.01.2002, 17:32 Uhr

Mobil-Business steckt noch in Kinderschuhen

Immer mehr Firmen setzen auf M-Business. Hinter dem neudeutschen Schlagwort verbirgt sich die Verknüpfung der unternehmensinternen IT-Systeme wie SAP oder Siebel mit Mobilfunk. Doch die hat noch ihre Tücken.

Hey Sie, pssssst, möchten Sie ein M kaufen?“ M steht für Mobile und lässt das in vielen Unternehmen erst eingeführte E-Business alt aussehen. Handys und andere tragbare Geräte wie PDAs oder Pocket-PCs werden zu Datenzentralen, über die der mobile Mitarbeiter von überall aus und zu jeder Zeit unternehmensinterne Daten senden, empfangen oder verändern kann.

„Unternehmen, die geeignete mobile Technologien flächendeckend nutzen, arbeiten bis zu 30 % effektiver“, weiß Ralf Peters, Vorstand der nextevolution AG, einem IT-Beratungs- und Entwicklungsunternehmen in Hamburg. Diese Einschätzung teilt Volkmar Pflug, bei Siemens Business Services (SBS) in München für das weltweite Geschäft mit Mobil-Business-Lösungen verantwortlich: „Der Bereich bietet ein gewaltiges Potenzial für Einsparungen und mehr Produktivität in Kundenservice und Vertrieb.“

Bei der Umsetzung des Mobil-Business ist allerdings erst die Spitze des Eisbergs zu erkennen. Um dem mobilen Geschäft zum Durchbruch zu verhelfen, sind noch viele Klippen zu umschiffen: Bedienerfreundliche Geräte mit großen Displays und ausreichendem Speicher werden gebraucht. Der Trend geht in Richtung Kombi-Geräte, die wie PDAs aussehen, aber auch zum Telefonieren geeignet sind. „Eigentlich müssen die Apparate so leicht handhabbar sein wie Papier. Aber selbst die neuen kombinierten Geräte haben noch zu kleine Bildschirme“, urteilt nextevolution-Vorstand Peters. Die Firmen arbeiten unter Hochdruck. Peters: „Viele Unternehmen entwickeln jetzt neue Displaytechniken.“

Ein weiteres Problem: zu geringe Übertragungsraten. Heutige GSM-Technik arbeitet mit lahmen 9,6 kbit/s. Technologien wie HSCSD, die mehrere GSM-Kanäle bündelt und bis 57,6 kbit/s überträgt, und neue Standards wie GPRS (durchschnittlich 56 kbit/s) oder UMTS (durchschnittlich 384 kbit/s) können mehr leisten. Darüber hinaus schlagen die hohen Verbindungskosten negativ zu Buche.

Trotzdem: Unternehmen wie SAP, Siebel Systems oder Siemens arbeiten eifrig und durchaus erfolgreich an M-Business-Lösungen. Ein Beispiel: SAP bietet mySAP Mobile Business an, ein Bestandteil der E-Business-Plattform mySAP.com. Auf diesem Fundament basieren die mobilen Applikationen, die mit offenen Standards wie HTTP, HTML, JAVA, WML und XML arbeiten. Die Walldorfer bieten verschiedene Anwendungen für unterschiedliche mobile Geräte, die online als auch offline genutzt werden können. Onlinebasierte Funktionen gibt es für Handys oder Handhelds.

In der Praxis sieht das so aus: Meldet ein Kunde einen Geräteschaden in einem Call-Center, schickt dieses automatisch eine SMS-Meldung an einen Servicetechniker. Der ruft über WAP alle benötigten Kunden- oder Geräteinfos aus dem Firmensystem ab, fährt zum Kunden, behebt den Schaden und meldet das der Zentrale.

„Ein Außendienstmitarbeiter kann über unsere Schnittstelle abrufen, welche Ersatzteile er für eine bestimmte Reparatur benötigt, ob sie lieferbar sind und wo er sie auf schnellstem Weg bekommt“, erklärt Philipp Diebenbusch, Senior-Marketing-Manager bei der Siebel Systems GmbH in Ismaning, die ähnliche Systeme anbietet. „Auch Daten für die Rechnung können sofort an die Zentrale geschickt werden.“

Interessant bei der Siebel-Technik ist die Sprachfunktion. Der Mitarbeiter wählt sich über WAP ein und gelangt über die Sprachsteuerung in einfachen Schritten an die gewünschten Informationen, kann sich E-Mails, Termine oder Kundendaten vorlesen lassen.

SBS und nextevolution bieten spezielle Lösungen an, die genau auf Kundenanforderungen zugeschnitten sind. „Wir fügen Standardapplikationen gemäß der Kundenwünsche so zusammen, dass Unternehmensprozesse optimal ablaufen können“, erklärt SBS-Manager Pflug.

Auch nextevolution programmiert individuelle Lösungen. Zuvor werden die Firmen intensiv beraten. Ralf Peters: „Zunächst muss man sehen, ob sich der Aufwand für den Betrieb überhaupt lohnt. Bei den bisherigen technischen und infrastrukturellen Möglichkeiten rechnen sich mobile Anwendungen zwar im technischen Außendienst, aber nicht für jede beliebige Anwendung in anderen Bereichen.“ Damit das aber in Zukunft der Fall ist, müssen ausgereiftere Geräte, Techniken und Kostenstrukturen geschaffen werden.

  MARTINA RIEKEN

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