Mobilfunk 25.06.2004, 18:31 Uhr

Mit Rundfunk und Mobilfunk zum Handy-TV

VDI nachrichten, Düsseldorf, 25. 6. 04 -2006 soll Fernsehen auf dem Handy bereits Standard sein. Doch Rundfunkanstalten und Mobilfunknetzbetreiber suchen noch nach tragfähigen Geschäftsmodellen. Für die Hochpreispolitik der Mobilfunker ist da kein Platz.

Zumindest in einem Punkt herrschte Einigkeit: „Die Fußballweltmeisterschaft 2006 ist ein gutes Ziel für DVB-H“, sagte Hans Hege, Direktor der Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg letzte Woche auf dem Kongress „TV meets Mobile“. Die Veranstaltung der Medienentwicklung Baden-Württemberg und der Fachzeitschrift connect zog über 100 Teilnehmer aus der Medien- und Mobilfunkindustrie an, die wissen wollten, wie Rundfunk und Mobilfunk zusammenpassen.
Es wird geprobt: In Berlin kooperieren Nokia, Philips, die Universal Studios und Vodafone im bmco-Projekt, um die Stärken von Rundfunk und Mobilfunk zu vereinen. Für Projektleiter Claus Sattler scheint das Ergebnis schon klar zu sein. „DVB-H ist die Ergänzung des Mobilfunks.“ Denn die für Kleinstgeräte konzipierte Strom sparende Übertragungstechnik kann alle IP-basierten Datenformate übertragen und geht genügsamer mit knappen Frequenzen um als UMTS.
„Erst wenn sieben Nutzer in einer Funkzelle simultan denselben Datenstrom abrufen machen, ist UMTS wirtschaftlich“, erläuterte Bernhard Walke von der RWTH Aachen. Mit anderen Worten: Das für Punkt-zu-Punkt-Verbindungen entwickelte Mobilfunknetz ist für die Übertragungen von Rundfunk und Fernsehen ungeeignet.
Mit der UMTS-Geschwindigkeit von 128 kbit/s bis 384 kbit/s sendet DBV-H 25 bis 80 Programme gleichzeitig auf kleine Displays, wie im Test auf das Nokia 7700, erklärte Mika Kavanti, Senior Marketing Manager der Nokia Ventures Organization.
„Wenn DVB-H ein Erfolg werden soll, muss mobiles Fernsehen auch in Gebäuden verfügbar sein“, glaubt Kavanti. Der mobile Multimedia-Konsum werde steigen. „Broadcast-Inhalte wie etwa Fernsehen sind der nächste Evolutionsschritt“, prophezeite Kavanti.
Martin Gebler, Director Business Development Mobile Phones bei Siemens, sieht das anders: „Mobile TV steht nicht im Fokus und ist nur ein Thema.“ Im Vordergrund müsse die Entwicklung neuer Inhalte stehen. Trendscouts hätten dem mobilen Fernsehen ein hohes Potenzial vorhergesagt. 120 Mio. Kunden weltweit würden im Jahr 2010 Mobil-TV nutzen.
Doch, so mahnen Kritiker, müssen die nicht unbedingt über DVB-H schauen. Bislang haben nur wenige Bundesländer Platz für DVB-H-Frequenzen. Und auch andere Techniken wie DAB könnten Videos mobil empfangen.
Dass weder Rundfunk noch Mobilfunk allein ein Geschäftsmodell entwickeln werden können, glaubt Hubert Fank von T-Systems. „Unser Ziel ist ein hybrides Netz“, so der Leiter Mobile Media Distribution: Der Rundfunk sendet, die Mobilfunker übernehmen das Inkasso für verschlüsselte Inhalte.
„Nachrichten, Musik, Sport und Spiele können Inhalte für das Handy-TV sein“, so Hans Hege von der Berliner Landesmedienanstalt. Doch er sieht auch ein strukturelles Problem: „Jede ARD-Anstalt hat einen eigenen Sendernetzbetrieb, da gibt es keinen Anreiz für Verbindungen mit dem Mobilfunk.“ Letztlich müssten die Stärken des Rundfunks (attraktive Inhalte, Marken und Vermarktungskompetenz) mit denen des Mobilfunks (Abrechnung, Finanzierung, Wachstumsmarkt) kombiniert werden. „Aber noch sind es getrennte Industrien“, so Hege.
RTL Newmedia sieht DVB-T und DVB-H nur als weiteren Weg zur Vermarktung von TV-bezogenen Inhalten. „Wer wird schon Fußball auf dem Handy schauen wollen?“, fragte Robert Fahle, Leiter Multimedia Development, provokativ. Es gebe tolle WAP-Portale, die keiner kennt.
So setzt RTL aufs klassische Telefon als Rückkanal und verdient damit viel Geld. Fernsehen auf dem Handy liege nicht unbedingt im Interesse der Mobilfunknetzbetreiber, meint T-Systems-Mann Fank: „Wer fernsieht, telefoniert nicht.“ FRIEDHELM WEIDELICH

  • Friedhelm Weidelich

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