UMTS droht neue Unbill 21.09.2001, 17:31 Uhr

Mit Milliwatt ins Internet

Dank drahtlosen lokalen Netzwerken (WLAN) lässt sich an vielen „Hotspots“ bereits mit mobilen Geräten ein Inter- oder Intranet-Zugang realisieren. Das „Büro in der Tasche“ ist dabei nur eine von vielen Anwendungen.

Auf dem Rostocker Uni-Campus räkelt sich Carsten Lohmann, Jura-Student im siebten Semester, in der Sonne und klickt sich durch die Seminarpapiere seines Dozenten. Gleichzeitig erscheint auf dem Monitor seines Laptops: „Sie haben eine neue Mail erhalten!“ Das Rendezvous mit Christine scheint zu klappen.

Laut Bernd Dobkowitz von der Ulmer Firma ARtem wird WLAN, das Wireless Local Area Network, vor allem in so genannten Hotspots Einzug halten. „Und dazu gehören durchaus Lokalitäten in Forschung und Lehre, ja sogar in den Schulen“, betont er. Per Funk ins Internet – und das mit hohem Tempo – das elektrisiert die Gemeinde, nicht nur in Rostock. Bereits seit April 2000 arbeitet dort ein flächendeckendes drahtloses Kommunikationsnetz als Ergänzung zum vorhandenen Festnetz.

Mit 30 mW oder 100 mW beträgt die Sendeleistung nur einen Bruchteil eines Mobiltelefons, das bis zu 2 W hinauspustet, oder gar eines GSM-Senders mit bis zu 20 W. Trotz dieser geringen Sendeleistung können Daten mit bis zu 11 Mbit/s übertragen werden (Siehe Kasten). Die Akzeptanz ist vorhanden. Und bereits jetzt, so der Betreiber des Funknetzes, die Gesellschaft für wissenschaftliche Datenverarbeitung mbH Göttingen, sei zu beobachten, wie sich das Benutzerverhalten angesichts eines „Internet always on“ ändert. In der Zukunft würden „omnipräsente Internetmöglichkeiten“ zur Grundausstattung einer Region gehören.

Diese Vorzüge sollen auch den Schulen nicht länger vorenthalten werden: Bildung geht online – immer und überall. An der Integrierten Gesamtschule Bonn-Beuel startet in diesem Schuljahr eine Gruppe von rund 30 Schülern der Jahrgangsstufe 11 mit dem Projekt „Laptops in der Schule“. Die Schüler erhalten damit die Gelegenheit, Unterrichtsmaterialien sowohl im Klassenzimmer als auch unterwegs oder zu Hause zu bearbeiten, bei Bedarf Inhalte aus dem Internet hinzuzufahren oder jederzeit ihre E-Mail-Korrespondenz zu pflegen. Der Zugang zum Netz im „Hotspot Schule“ geschieht ebenfalls per Funk.

Die Hersteller hoffen, dass WLAN dem schwächelnden PC-Markt neue Impulse gibt. „In Göttingen wird durch den täglichen Einsatz von mobilen Endgeräten in dieser phantastischen Funk-Infrastruktur der Druck auf die Politik wachsen, sich an der Finanzierung solcher Geräte zu beteiligen“, prophezeit Karl-Georg Henstorf, in der Fujitsu-Siemens-Niederlassung Hannover verantwortlich für den Vertrieb von Laptops mit Funkkarten.

Fujitsu-Siemens hatte den Göttinger Studenten in der Startphase besondere Konditionen für den Kauf eines „Lifebooks“ eingeräumt. „Drahtlose lokale Netze finden seit kurzem erhebliches Interesse und an verschiedenen Einrichtungen wie Hochschulen wurde daher vor einigen Monaten mit dem Aufbau entsprechender Netze begonnen“, fasst Professor Lars Wolf von der Universität Karlsruhe die Entwicklung zusammen. Er betreut dort „Dukath“, Kürzel für Drahtlose Universität Karlsruhe (TH), das Funknetz der Universität Karlsruhe. Die Uni Bremen hat nach eigenen Angaben das größte universitäre Funknetz in Deutschland aufgebaut, das bis zum Jahresende das ganze Uni-Gelände umfassen wird.

Wie das Internet dereinst über die Wissenschaftsorganisationen in den Kommerz einsickerte, so könnten bald die Hochschulerfahrungen mit WLAN dem Mobilfunk der dritten Generation Konkurrenz machen. Denn mit dem Vorhandensein von WLAN-Strukturen, hat man „das Büro in der Tasche“, wie Martin Thyssen von andate, Eschborn, betont. Die 100 %ige Vodafone-Tochter betreibt ein eigenes Rechenzentrum und hat etwa für Telearbeiter oder kleinere und mittlere Unternehmen ihre Plattform „Navona“ entwickelt. „Damit realisieren wir ein Firmen-Intranet, das in einer WLAN-Umgebung jederzeit zugänglich ist“, sagt Thyssen.

Community-Unterstützung ist etwas, das man nicht im Wald und auf der Heide braucht – wo auch UMTS in absehbarer Zeit keine Rolle spielen dürfte. An Hotspots jedoch, also etwa Regionen, in denen Außendienstler operieren, kann man sehr wohl z.B. „Mitarbeiter-Chats“ realisieren. „WLAN ist eine etablierte Technologie, die eine immer wichtigere Rolle spielen dürfte“, fasst Dobkowitz von ARtem die Entwicklung zusammen. Man darf also gespannt sein, wie sich die Technik und UMTS parallel zueinander entwickeln – und das nicht nur auf dem Uni-Campus.
ULRICH SCHMITZ

Wireless Local Area Network

In einem Wireless Local Area Network (WLAN) lassen sich Daten über so genannte Access Points zwischen einem normal verkabelten Netz und externen PCs oder mobilen Endgeräten wie Laptops oder PDAs drahtlos versenden und empfangen. Dabei sind Reichweiten – abhängig von den Umgebungsbedingungen – von rund 100 m möglich. Über Wireless Bridges kann man Distanzen von rund 5 km überwinden und z.B. Unternehmensteile koppeln. Die Benutzer können sich frei im Gebäude oder Gelände bewegen und gleichzeitig eine Hochgeschwindigkeitsverbindung zum Unternehmensnetz und damit weiter zum E-Mail-Server und Internet aufrecht erhalten. Die Übernahme des IEEE 802.11b Standards in der Branche gewährleistet eine breite Kompatibilität zwischen Produkten verschiedener Hersteller, Sicherheit und eine Datendurchsatz-Leistung von derzeit 11 Mbit/s. Inzwischen sind etliche Wireless-Breitband-Router im Handel, die zum Teil den Access Point bereits integriert haben, und deren Kosten bei rund 1200 DM liegen. US

Ein Beitrag von:

  • Ulrich Schmitz

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