Software 25.08.2006, 19:23 Uhr

Mit Hightechsystemen auf der Suche nach Terroristen  

VDI nachrichten, Bonn, 25. 8. 06, rb – Politiker fordern die Ausweitung der Videoüberwachung. Doch Kameras allein reichen nicht. Die Datenflut überfordert schon heute Sicherheitskräfte. Daher sollen hochauflösende Kamerabilder, Sprach- und Bilderkennung sowie intelligenten Auswertungsverfahren die Überwachung unterstützen.

Angesichts des jüngsten Erfolgs bei der Fahndung nach den Bahnattentätern fordert Bundesinnenminister Wolfgang Schäuble mehr Videoüberwachung von gefährdeten Bereichen. Eingesetzt wird sie bereits von einem guten Dutzend Städten. Vorreiter ist Leipzig. Dort überwacht die Polizei seit 1996 verschiedene Brennpunkte. Zuletzt wurde die Videoüberwachung im März auf der Hamburger Reeperbahn eingeführt – zur Prävention.

Die Verdrängung von Kriminalität konnte die Polizei bereits in Mannheim und Stuttgart beobachten. Nils Zurawski, Leiter des Projekts Videoüberwachung am Institut für kriminologische Sozialforschung an der Universität Hamburg, kritisiert, dass es bisher nur wenige unabhängige Evaluierungen von Videoüberwachungsmaßnahmen gibt. Er sieht in der Forderung nach mehr Videoüberwachung vor allem den Wunsch nach einer besseren Verfolgung der Täter und einer möglichen Abschreckung zukünftiger Täter.

Zwar lässt sich der kriminialistische Wert der Videoüberwachung nicht eindeutig bewerten, die Technik zeigt gleichwohl deutliche Fortschritte. So können anders als die verschwommenen Aufnahmen vom Kölner Hauptbahnhof vermuten lassen, Videoaufnahmen inzwischen sehr gute Bildqualität liefern.

Nils Zurawski hat sich weltweit Videoüberwachungseinrichtungen angesehen. So zeigten die von einem Casino im südafrikanischen Durban betriebenen Kameras noch auf 3 km Entfernung Hotelfenster und Vorhang „deutlich und scharf und in Farbe“. Aber auch mit an Pfeilern und Masten installierten Kameras lasse sich bei Passanten die Uhrzeit von der Armbanduhr ablesen. Im irischen Derry sollen selbst bei Nachtaufnahmen die Gesichter so gut zu erkennen gewesen sein, dass die Polizei Verhaftungen und Vorladungen vornehmen konnte.

Bestimmte Personen lassen sich auch automatisch finden, wenn ihr digitales Abbild in einer Referenzdatenbank gespeichert wurde. Doch die automatische Identifizierung, die eine Fahndungsliste voraussetzt, ist noch stark fehlerbehaftet.

Joachim Köhler, Abteilungsleiter der Forschungsabteilung NetMedia im Fraunhofer-Institut IAIS, weiß aus eigener Erfahrung: „Der Abgleich mit 50 gespeicherten Bildern klappt bei über 90 %.“ Bei 500 Personen liege die Erfolgsrate nur noch bei 50 %. „Je mehr Personen in der Datenbank sind, desto größer ist die Verwechslungsgefahr“, erklärt Köhler.

Ähnliche Erfahrungen gibt es beim Mitschnitt von Gesprächen. „Die Erkennungsrate bei beliebigem Audiomaterial liegt bei 75 %. Schlüsselwörter können immerhin schon zu 95 % erkannt werden – bei einem ausgewählten Vokabular von 30 Wörtern“, so Köhler. Die Werte seien Stand der Technik.

Köhler muss es wissen – er hat den so genannten iFinder entwickelt, der Audiodaten nach Schlüsselwörtern und Sprechern durchsucht. Eingesetzt werden Prototypen im Medienarchiv von WDR und Deutsche Welle. Köhler kann sich auch Anwendungen in der Überwachung vorstellen.

Auch das Verhalten von Menschen lässt sich bereits automatisch bewerten. Zu den erfolgreichsten intelligenten Auswertungssystemen gehört das von der NEC-Tochter Vidient Systems entwickelte „Smartcatch“. Es ist eine verhaltens- und regelbasierte Video-Monitoring-Software. Laut Vidient-Chef Brooks McChesney bietet Smartcatch „eine echte Verhaltenserkennung und ist in der Lage, in Echtzeit zu reagieren, selbstständig Alarm zu geben und das verantwortliche Sicherheitspersonal zu verständigen.“

In Deutschland wird das System seit kurzem an den Flughäfen in Frankfurt/M. und München eingesetzt. NEC-Sprecher Ralf Wolf erklärt: „Man muss definieren, was erlaubt und was verboten ist und das der Software beibringen.“ In Frankfurt soll die Software Personen erkennen, die ein Terminal in der falschen Richtung betreten. Doch darf sie nicht immer Alarm schlagen, da das Sicherheitspersonal das Ankunftsterminal sehr wohl durch den Ausgang betreten darf. Die Software sortiert deshalb das Personal anhand bestimmter Merkmale der Wachuniform aus. In München soll sie den Ein- und Ausgang von Sicherheitsbereichen und Vereinzelungsschleusen kontrollieren.

Über Erfahrungswerte schweigen sich die deutschen Flughäfen aus. Bekannt ist jedoch, dass das System sich bereits seit einigen Jahren an den Flughäfen Los Angeles sowie San Francisco bewährt hat. Hier überwacht es abgestellte Gepäckstücke am Flughafen sowie Verkehrswege und Haltezonen auf verbotenerweise parkende Lkw.

Der US-Analyst Simon Harris von IMS Research weiß, wie wichtig automatische Auswertungsprogramme sind: „Menschliche Beobachter an den Bildschirmen sind schon heute meist hoffnungslos überfordert.“ Untersuchungen hätten gezeigt, dass bereits nach 20 min 95 % der Vorgänge auf den Monitoren nicht mehr wahrgenommen werden. Logisch, dass die Prognosen für den Markt gut ausfallen. Nach Meinung von Harris wird der Markt für so genannten Video Content Analyse Tools – wie sie übrigens auch IBM und i2 anbieten – in den nächsten zwei Jahren auf über 800 Mio. $ ansteigen. CHR. SCHULZKI-HADDOUTI

Von Chr. Schulzki-Haddouti
Von Chr. Schulzki-Haddouti

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