Mobilfunk 23.07.2004, 18:32 Uhr

Mit Handy und Web durch Tunnel

Stück für Stück werden Zugreisende auch in Tunnel mit Mobilfunk versorgt. Mehr noch: In 2004 soll eine Gesamtlösung für den schnellen Zugang ins Internet mit neuen Techniken wie UMTS und WLAN für die Bahnkunden gefunden werden.

Bekannte Töne: „Hallo, hallo, ich kann Sie kaum verstehen. Ja, ich bin noch dran. Nein, gleich kommt ein Tunnel. Oh, Verbindung abgerissen.“ Mobiltelefonierer in Zügen habens nicht leicht.
Das weiß auch Netzbetreiber Vodafone und rüstet zurzeit fieberhaft möglichst viele Tunnel nach. „Wir haben das federführend gemeinsam mit der DB Telematik für alle Mobilfunkbetreiber übernommen“, erklärt Rudolf Markschläger, Niederlassungsleiter Technik im Rhein-Main-Gebiet. Und er ist stolz: „Auf der neuen ICE3-Strecke Köln-Frankfurt dürfte es kaum noch Abbrüche geben.“ Als Novum wurde hier Bahn- und Mobilfunktechnik parallel eingeführt.
Markschläger kennt die Herausforderungen für den Mobilfunk in Zügen genau. „Zunächst einmal müssen Sie im richtigen Abteil sitzen.“ Denn klassischerweise haben nur drei Wagons – zwei davon 1. Klasse, einer 2. Klasse – einen Repeater installiert – digitale Verstärker nebst Antenne auf dem Dach. Da die Zugscheiben so stark metall-bedampft sind, können die Funksignale ohne diese Unterstützung nur schwer nach draußen dringen.
Eine der größten Herausforderungen für Ausstatter und Mobilfunker ist der Druck in den Röhren. Fährt der ICE mit 300 km/h in einen Tunnel, dann ist der Druck auf die jeweiligen Bauteile enorm. „Er nimmt quadratisch mit der Geschwindigkeit zu“, weiß Markschläger. Sowohl das Design der Antennen, aber auch das der Schlitzkabel ist extra für diese Belastung ausgelegt. Vodafone arbeitet mit renommierten Antennenherstellern wie Kathrein und Andrew zusammen.
In der Schweiz hat sich Huber + Suhner auf Bahnantennen spezialisiert. Die auf der Messe CeBIT erstmals vorgestellte SencityRail ähnelt von außen der Flosse eines Delfins – glatt und stromlinienförmig trotzt sie dem Druck.
Im Inneren dagegen verbirgt sich eine filigranere Antenne. Über ihre treppenförmige Struktur können unterschiedliche Frequenzbänder und damit Funkstandards bedient werden: vom bahninternen GSM-Rail über öffentliche GSM-Techniken in 900 MHz und 1800 MHz sowie UMTS bis hin zu den hohen GHz-Frequenzen für WLAN.
Techniker wissen genau: Jeder Tunnel hat seine Eigenarten. Grund genug in jeden einzelnen vor der Installation die Wellenausbreitung zu simulieren. Mehrheitlich reichen in Tunnel kürzere Antennen aus, während längere Tunnel komplett mit Schlitzkabeln ausgestattet werden müssen, die an ihren Öffnungen wie Antennen wirken.
Kabel und Antenne versorgen die Züge mit GSM, sie sind aber auch schon für UMTS gerüstet. Für die dritte Mobilfunkgeneration muss allerdings noch die passende Systemtechnik eingebaut werden.
Zurzeit wühlen sich die Techniker gerade durch die Strecke Würzburg – Hannover. Kein leichtes Unterfangen. Markschläger: „Das geht nur mit ganz genauer Planung, denn hier können wir nur in den Ruhezeiten des Fahrbetriebs arbeiten.“
Sein Wunsch: „Wir möchten, dass überall in den Tunnel der Bahn eine saubere Mobilfunkversorgung möglich ist.“ Aber er weiß auch, dass das bei einem derart komplexen System kaum zu garantieren ist. „Ein Zug mit 300 km/h, das sind schon Extrembedingungen.“
Außerdem hat auch die Mobilfunktechnik hier mit den rauen Outdoor-Bedingung zu kämpfen. Da fressen Mäuse an Kabels, verdrehen sich Antennen oder verändern Wetterbedingungen die Funkqualität – Fehlerquellen allerorten.
Das gilt natürlich ebenso für andere Funktechniken wie drahtlose lokale Netze, so genannte WLANs. Zumal hier in noch höheren Frequenzbereichen gesendet wird.
Die Deutsche Bahn testet verschiedene Techniken, um mobilen Office-Arbeitern im Zug möglichst großen Komfort zu bieten. „Wir sind auf der Suche nach einer Komplettlösung, die WLAN und UMTS integriert“, verrät Frauke Riva, Pressesprecherin der DB Telematik.
Sicherheit wird dabei groß geschrieben. Schließlich dürfen sich die Funktechniken „nicht ins Gehege kommen.“ Außerdem werden noch immer verschiedene Abrechnungsvarianten diskutiert. Die Entscheidung für ein großes Gesamtkonzept soll noch in diesem Jahr fallen, die Realisierung 2005 beginnen.
Andere Bahngesellschaften sind bei der Einführung der drahtlosen Internetzugänge für Reisende schon einen kleinen Schritt weiter. So hat die Schweizer Bahn jetzt angekündigt bis September nächsten Jahres 35 einstöckige Einheitswagen und 40 doppelstöckige IC-2000-Wagen der 1. Klasse mit passender Infrastruktur auszurüsten. Das Funksignal vom Notebook wird via Antenne im Inneren des Zuges an eine Außenantenne weitergeleitet. Diese stellt über das bestehende Mobilfunknetz die Online-Verbindung her.
Andere nutzen dafür Satelliten: In Großbritannien rollt ab Herbst ein erster WLAN-Zug zwischen London Kings Cross und Schottland, der aus dem All mit breitbandigem Internet versorgt wird. Betreiber ist der Lösungsanbieter Icomera aus Göteborg. Schweden ist nämlich bislang das einzige Land der Welt, in dem drahtlose Internetanbindungen kommerziell auf der Schiene zu finden sind.REGINE BÖNSCH

 

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