30.07.1999, 17:22 Uhr

Mit großem Idealismus gute Software schreiben

Open Source ist ein Modewort geworden, das die Computerbranche in Aufregung versetzt. Auf einer Berliner Konferenz gingen die kreativen Schöpfer der offenen Quellen dem Phänomen der Freien Software, ihrem wirtschaftlichen Erfolg und den Motiven der Entwickler auf den Grund.

Die Computerindustrie, die jahrelang für ihre geheimnisvolle Entwicklung propritärer Produkte bekannt war, hat ein neues Paradigma: die Offenheit. Statt die Formeln von Programmen in Panzerschränken zu verwahren, gehen Firmen wie Apple oder Netscape dazu über, die Codes einzelner Applikationen bis zur letzten Zeile zu veröffentlichen. Sun Microsystems hat im März sogar für zwei wichtige Chiparchitekturen – Sparc und PicoJava – das grundlegende Design zugänglich gemacht. Als leuchtendes Vorbild für ihre ungewöhnlichen Strategien steht den Unternehmen das freie Betriebssystem Linux vor Augen, das von mehreren hundert Programmierern in Teamarbeit entwickelt wurde und inzwischen laut dem Marktforschungsinstitut IDC 17 % der Webserver antreibt. Eine Erfolgsgeschichte, die auf der freien Verfügbar- und Bearbeitbarkeit des Quellcodes von Linux basiert.
Auch in Deutschland ist die neue Offenheit längst in manchen Businessplan eingekehrt. Die 1992 von vier Studenten gegründete Suse GmbH war eine der ersten Firmen, die mit Open Source und freier Software Geld verdiente: 1993 packten die Studenten Linux auf eine CD-Rom und lieferten sie an Kunden, die sich das Zusammenklauben der einzelnen Komponenten des Betriebssystems im Internet ersparen und einen Installationssupport erkaufen wollten. Im vergangenen Geschäftsjahr machte die Suse 14 Mio. DM Umsatz, der Börsengang steht vor der Tür. Daneben gibt es aber auch eine große Entwicklergemeinde hierzulande, die Projekte wie das K Desktop Environment (KDE), einer windowsorientierten, grafischen Oberfläche für den „rauhen“ Linux-Kern, oder das General Image Manipulation Program (GIMP), das „Photoshop“ für Linux, koordinieren. Grund genug für die Berliner Medieninitiative mikro, die Humboldt-Universität Berlin sowie das Karlsruher Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM), deutsche Wissenschaftler, Künstler und Programmierer zur Diskussion über die Zukunft der Freien Software unter dem Motto „The Wizards of OS“ einzuladen.
„Open Source ist die demokratische Antwort auf die feudalistische Struktur der Computerindustrie, produziert von einer vernetzten Vereinigung freier Individuen im Netz“, ließ Peter Weibel, der Leiter des ZKM, die rund 400 Teilnehmer in einer Grußnote wissen. Den Veranstaltern ging es allerdings weniger um die Mythisierung der „Open-Source-Community“ als einer Verschwörergemeinschaft, die Microsoft und Co. den Fehdehandschuh hingeworfen hat. Vielmehr zerbrach man sich den Kopf darüber, was Firmen dazu veranlaßte, ihre „Geheimcodes“ zu verraten, warum Open Source hart kalkulierende Manager zum Träumen bringt und warum Programmierer ihre Arbeitskraft in die oft unkommerziellen Projekte einbringen.
Die „schnelle Umsetzung neuer Ideen“ sowie „zügige Bug-Fixes“, so Harald Milz, Geschäftsführer des Münchner Suse-Ablegers, überzeuge immer mehr Firmen, Freie Software einzusetzen oder entwickeln zu lassen. Tausend Augen entdecken schließlich leichter die unvermeidlichen Softwarefehler als eine kleine und geschlossene Entwicklergruppe, wie Eric Raymond, einer der Verfechter der Open-Source-Idee, meint. Immer weniger Kunden seien außerdem bereit, eine „Black Box“ zu kaufen, wenn Open Source maßgeschneiderte Softwareanpassungen ermögliche und gleichzeitig „zusätzliche Ressourcen durch die kooperative Entwicklung“ erschließe, weiß Sebastian Hetze von der Linux-Supportfirma Lunetix. Gerade für kleine und mittlere Unternehmen böten sich hier „hervorragende Möglichkeiten“.
Flexibilität, Qualität, guter Support und die Unabhängigkeit von einzelnen Herstellern nannte Ralf Klever aus der EDV-Abteilung der „taz“ als ausschlaggebende Punkte für die Umstellung der Server und Redaktionsarbeitsplätze auf Linux und andere freie Softwareprodukte. Wichtig war für die von Finanznöten geplagte Tageszeitung, bei der inzwischen Nachrichtenticker, Fotodatenbank und Archiv unter adaptierter Open-Source-Software laufen, auch der Kostenaspekt: „Im Serverbereich liegen die Softwarekosten bei Null“, freut sich Klever. Kein Wunder, daß laut Kerstin Tober auch die inzwischen 75 Kunden der innomanate AG, einem Linux-Dienstleister, der unter www.linuxbiz.de ein Support-Forum im Web bietet, „von der Idee der Freien Software fasziniert“ sind. Die Marketingberaterin wies allerdings auch auf Nachteile beim Einsatz von Linux hin: Außer „Haftungsunsicherheiten“ nannte sie „Schwächen im High-End-Bereich gegenüber Unix“ sowie bei der Anwenderfreundlichkeit gegenüber Windows. Es dürfe daher nicht „zum Dogma werden, daß alle Quellen frei verfügbar sein müssen“.
„Es ist grundsätzlich sinnvoll, den Code zu bekommen“, forderte Marc Lehmann, einer der Macher von GIMP. 90 % der propritären Software funktioniere nicht. Dem Nutzer bleibe nichts anderes übrig, als das nächste Update abzuwarten. Wenn der Quelltext zugänglich sei, könnte man dagegen Probleme „selbst hinbiegen oder jemanden damit beauftragen“. Erfolgreiche Softwareschmieden, die vom Kauf vonSoftwarelizenzen leben, tun sich allerdings schwer mit solchen Ansprüchen: „Wir fragen uns immer, was der Benefit für den Kunden ist“, erklärte Frank Gessner, Chefentwickler bei Intershop, die Position des E-Commerce-Softwarehauses. „Wenn es für ihn sinnvoll ist, geben wir Teile des Quellcodes heraus.“ Bisher habe sich aber noch keiner der Käufer ernsthaft Millionen von Codezeilen durchlesen wollen.
Gessner hoffte, mit seinen Ausführungen den einen oder anderen Freien-Software-Programmierer ans kommerzielle Ufer zu ziehen: Mit der Aufforderung „joint the board“ beendete der Mitbegründer des an der Börse mit einem Milliardenwert notierten Unternehmens seine Präsentation. Doch Programmierer sind rar und ihren Idealen durchaus treu. Davon weiß Dirk Hohndel aus dem Vorstand der Suse Rhein/Main AG ein Lied zu singen: „Rund 600 Entwickler machen bei uns mit“, berichtete der junge Geschäftsmann. Bei einer Umfrage unter allen habe sich herausgestellt, daß keiner von ihnen arbeitslos sei. Ärgerlich für Hohndel: „Jeden Brotlosen hätte ich furchtbar gern eingestellt.“ Doch eine Hoffnung bleibt dem Suse-Vertreter: Ein Drittel der Beteiligten studieren und sind so noch Job-aspiranten.
STEFAN KREMPL
Freie Software erlebt einen Boom. Ein Beispiel ist das Betriebssystem Linux, das von mehreren hundert Programmierern im Team entwickelt wurde. Nicht Geld, sondern Anerkennung ist das Hauptmotiv der Entwickler.

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