Telematik 09.08.2002, 18:21 Uhr

Mit Grips am Stau vorbei

Mobilität in Ballungsräumen kostet Zeit und Nerven. Ein groß angelegtes Forschungsprojekt des BMBF soll klären, wie sich verstopfte Verkehrswege im Vorfeld vermeiden lassen. Ideen haben sich bewährt, doch die Umsetzung in die Praxis ist gefährdet.

Die Verkehrsprognose für die nächste halbe Stunde: aus östlicher Richtung in die City 40 Minuten Verzögerung durch Stau, Tendenz steigend. Bis 9 Uhr verdoppelt die S-Bahn die Zugfrequenz, derzeit sind 60 % der Park-and-Ride-Flächen frei.“ Kurzfristige Verkehrsprognosen wie diese wird man schon bald im Radio hören.
In fünf deutschen Ballungsräumen kann man sie schon heute per WAP, SMS oder mit dem Auto-Bordcomputer empfangen. Denn dort laufen seit 1998 die Leitprojekte des Forschungsprogramms „Mobilität in Ballungsräumen“, mit dem das Bundesforschungsministerium (BMBF) klären möchte, wie Infodienste im Radio, auf Leittafeln oder auf Handys oder PDAs das Verkehrsgeschehen beeinflussen.
Schon um die Datengrundlage für solche Informationsdienste zu ermitteln, ist Phantasie gefragt. Zwar sind vielerorts Induktionsschleifen in Hauptstraßen eingelassen, doch die daraus erhältlichen Daten sind für verlässliche Kurzzeitprognosen zu dünn. Das Kölner Projekt „stadtinfoköln“ ist deshalb mit 37 Parkhäusern und gut 1000 Parkscheinautomaten vernetzt. Ihre Auslastung lässt auf die Verkehrslage schließen die Daten machen weitere Dienste möglich: So finden moderne Kölner Parkplätze per WAP und buchen Parkhaus-Stellplätze im Internet.
Auf den stadtinfo-Webseiten kann man auch die aktuellen Fahrzeiten von öffentlichem Verkehr und Autos vergleichen (derzeit nur für Testrouten). „Damit das Auto stehen bleibt, müssen Autofahrer schon vor dem Losfahren ehrliche Zeitvergleiche anstellen können“, so Bela Dören, Verkehrsdezernent der Stadt Köln.
Autoverkehr möchte auch „intermobil“ aus Dresden vermeiden. Dafür ermittelt ein Routenplaner auf den Webseiten des Projektes zuverlässig die günstigsten Nahverkehrsverbindungen samt Fußwegen zu den Haltestellen. Unterwegs kann man sich per WAP und SMS informieren, ob es Verspätungen gibt oder zusätzlich Züge fahren, die der Verkehrsverbund Oberelbe (VVO) zu Stoßzeiten einsetzt.
Ab 2003 startet der VVO ein Pilotprojekt, in dem die Fahrgäste per Handy bezahlen können. „Sie müssen nur ein- und aussteigen. Die Fahrt wird automatisch gebucht und wir stellen einmal monatlich die Rechnung“, erklärt Knut Ringat vom VVO. Auch Handymuffel können teilnehmen. Sie zahlen mit aufladbaren Chipkarten. Das Projekt ist ganz im Sinn des Verbandes Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV). Dessen Geschäftsführer Adolf Müller-Hellmann bestätigt, dass man derzeit fieberhaft an einem bundesweit einheitlichen, bargeldlosen Zugangs- und Abrechnungssystem für den öffentlichen Verkehr arbeitet.
Auf wichtigen Verkehrswegen im Raum Frankfurt kreisen täglich 30 PKW des Projektes „wayflow“. Sie sind mit GPS und GSM-fähigen Handys und Kleincomputern ausgestattet. An festen Kontrollpunkten ortet sie die wayflow-Telematikzentrale, der sie dann per SMS ihre Durchschnittsgeschwindigkeit und den Halteanteil im Streckensegment mitteilen.
„Schon die Daten der 30 Fahrzeuge lassen verlässliche Fahrzeitprognosen zu“, freut sich Werner Schönewolf vom Fraunhofer-Institut Produktionsanlagen und Konstruktionstechnik (IPK) aus Berlin, das die Floating Car Data (FCD)-Technik entwickelt hat. Kernstück ist eine Software, die neben den Daten der Testflotte aktuelle Infos über Baustellen, Unfälle und Veranstaltungen in die Prognosen einbezieht. Zudem kann sie frühere Szenarien bei Routenempfehlungen berücksichtigen. „Je länger das System arbeitet, desto präziser werden die Vorhersagen“, so Schönewolf. Künftig will man Taxis mit der Technik ausstatten.
Noch ist der Service kostenlos. Wie es nach der Pilotphase weitergeht, ist weitgehend ungeklärt. Man werde den Dienst wohl im B2B-Bereich anbieten, erklärt Schönewolf. Bei den anderen Projekten ist die Zukunft oft noch ungewisser. Zwar haben sich viele Ideen bewährt, doch der Programmetat von 75 Mio € neigt sich dem Ende zu. „Es darf nicht alles einschlafen, weil das Geld alle ist“, mahnt Müller-Hellberg. Und BMBF-Staatssekretär Uwe Thomas appelliert, die Innovationen umzusetzen. Nur so könne man den Wettlauf mit dem steigenden Verkehrsaufkommen gewinnen.
Leichter gesagt als getan, denn in allen Projekten sind diverse Verwaltungen, Forschungsinstitute und Unternehmen vereint. Interessenkonflikte sind vorprogrammiert. Friedmann Kunst hat jüngst als Vertreter der Berliner Senatsverwaltung Vertragsverhandlungen solch einer Privat-Public- Partnership erlebt. Trotz minutiöser vertraglicher Regelungen zum Datenverkehr der neuen Verkehrsmanagementzentrale Berlins sei der Datenfluss bisher unbefriedigend, kritisiert Kunst.
Darüber hinaus ist er auch noch nicht vom Nutzen der Verkehrsinformationsdienste überzeugt: „Wer weiß, ob die Autofahrer den Leitsystemen wirklich folgen oder ob sie bei Stauwarnungen in die Wohngebiete einsickern?“ PETER TRECHOW

 

Von Peter Trechow

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