Internet 31.01.2003, 18:23 Uhr

Miss Google kommt aus Franken

„Wir wollen die beste Suchmaschine der Welt bauen.“

Die Suchmaschine Google gehört zu den zehn weltweit bekanntesten Internetadressen. Mehr als 40 % aller Internetsuchanfragen werden inzwischen von Google beantwortet und auch die Suchmaschinen von Yahoo und AOL nutzen lizenzierte Google-Technologie. Fast jeden Monat kann das Unternehmen aus dem Silicon Valley mit einem neuen Service-Angebot glänzen, von der Suchanfrage via Telefon bis zur Google-Box, die sich in das Intranet großer Unternehmen einbinden lässt, um noch schnellere Ergebnisse zu liefern.
Was die Wenigsten wissen: Als treibende Kraft hinter diesem Innovationsmotor steht die deutsche Informatikerin Monika Henzinger. „Wir sind eben eine Firma von Strebern“, sagt die 35-jährige Google-Forschungs-Chefin und lacht. „Im Ernst: In Deutschland war ich immer als Streberin verschrien, aber hier bei Google muss ich meinen Ehrgeiz nicht verstecken. Wir wollen nun einmal die beste Suchmaschine der Welt bauen.“
Die ambitionierte Forschungschefin weiß sehr wohl, dass Googles momentane Führungsstellung binnen weniger Monate dahinschmelzen kann, sollte sie ihren technologischen Vorsprung vor ähnlichen Suchmaschinen wie Askjeeves-Teoma und Wisenut nicht aufrechterhalten können. Von Monika Henzinger wird deshalb erwartet, mögliche Erfindungen der Konkurrenz zu erahnen und Ideen vor den anderen zu realisieren und auf den Markt zu bringen. Gleichzeitig soll sie ihr zehnköpfiges Team aber nur auf solche Projekte ansetzen, die auch von Anfang kommerziellen Nutzen versprechen. Eine fast unlösbare Aufgabe. „Monika ist fantastisch, wenn es darum geht, die Prioritäten für unsere Forschungsarbeit zu setzen“, sagt Bay-Wei Chang, der sich bei Google als WAP-Experte einen Namen gemacht hat.
In ihrem zehnköpfigen Forschungsteam ist Monika Henzinger die einzige Frau eine Rolle, die ihr schon aus Uni-Tagen vertraut ist. „Es ist schade, dass immer noch so wenige Frauen in die Informatik gehen“, sagt die zweifache Mutter und spricht dabei so schnell, dass sie sich oft verhaspelt, ganz so, als könne ihr Sprechtempo nicht mit ihrer Intelligenz mithalten. Die gebürtige Oberpfälzerin studierte in Erlangen und Saarbrücken, wo sie schon mit 23 das Diplom ablegte. Mit 26 promovierte sie an der Universität Princeton, mit 27 war sie bereits Assistenzprofessorin an der Uni Cornell.
Nach ein paar Berufsjahren in den Forschungslabors von Digital Equipment im Silicon Valley kehrte die damals 32-Jährige noch einmal nach Deutschland zurück. Sie folgte dem Ruf an die Universität Saarbrücken, wo sie Deutschlands jüngste Informatikprofessorin wurde. Ihr Mann übernahm derweil die Leitung des Saarbrücker Max-Planck-Institutes für Informatik. Die Google-Gründer Larry Page und Sergey Brin ließen Henzinger aber keine Ruhe. Wann sie denn endlich wieder ins Silicon Valley zurückkommen würde, lautete mehrmals die Frage.
Es dauerte kein halbes Jahr, bis die Henzingers wieder nach Kalifornien zurückkehrten. „Ich war die Zustände an deutschen Unis nicht mehr gewohnt. Wir mussten uns als Professoren in stundenlangen Sitzungen mit Verwaltungskram, wie der Neuordnung der Campus-Parkplatzgebühren beschäftigen. Das machte einfach keinen Sinn und wenig Spaß“, sagt Henzinger und verschweigt auch nicht, dass sie den amerikanischen Forschungsbetrieb für sehr viel frauenfreundlicher hält. „Ich hatte in Deutschland den Eindruck, man erwarte, dass Mütter zu Hause bleiben sollen. Ich wusste nicht, wie ich noch hätte berufstätig bleiben können, wenn meine Kinder erst einmal in die Schule gehen.“
Und dennoch hat Monika Henzinger Heimweh. „Ich bin im Herzen Deutsche, das wird sich nie ändern. Ich vermisse meine Eltern, die Theater, die Opern, das Essen, die Berge. Ich vermisse das alles sehr.“ Wie alle Google-Mitarbeiter besitzt auch Monika Henzinger Aktienoptionen, die – anders als bei vielen Internetfirmen des Silicon Valley – auch tatsächlich einmal etwas wert sein dürften. Der Reiz, zu bleiben, ist daher groß. Seit dem Einstieg des ehemaligen Chefs von Novell, Eric Schmidt, als CEO bei Google, verdichtet sich das Gerücht um einen Börsengang. Und auch wenn Monika Henzinger inzwischen eine gefragte Rednerin auf Fachkongressen ist und vom Magazin Forbes als eine der wichtigsten Informatikerinnen der USA präsentiert wurde, so weiß sie doch, dass ihr Erfolg zumindest vorerst noch eng mit dem Erfolg Googles verknüpft bleiben wird.
Sollte Monika Henzinger aber doch einmal nach Deutschland zurückkehren, dann würde sie eine Herausforderung reizen: „Wissenschaftsministerin ist ein Job, den ich mir gut vorstellen könnte“, sagt sie lachend. „Ich würde Deutschlands Unis entrümpeln, die Forschung in der Industrie stärken und vor allem Wissenschaftlerinnen besser fördern. Frauen können schließlich so viel erreichen!“ WOLFGANG HARRER

Google
Täglich 100 Mio. Anfragen
Das Unternehmen Google, nach eigenen Angaben die größte Suchmaschine der Welt, hat seinen Firmensitz in Mountain View, im Silicon Valley. Das 1998 von den zwei Stanford-Doktoranden Larry Page und Sergey Brin gegründete Unternehmen zählt 500 Mitarbeiter mit 34 verschiedenen Muttersprachen. Hauptinvestoren sind Sequoia Capital, Kleiner Perkins Caufield & Buyers, Andy Bechtolsheim sowie die Stanford University. 55 Mio. Menschen, davon mehr als 50 % außerhalb der USA, nutzen die Suchmaschine. Zurzeit beantwortet Google über 100 Mio. Anfragen pro Tag. wha

Ein Beitrag von:

  • Wolfgang Harrer

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