Start-up-Porträt 14.05.2010, 19:46 Uhr

Mieter versteigern ihre Wohnungen im Internet

Geht die Idee von Yoom.de auf, dann brechen harte Zeiten an für Wohnungsmakler: Die Webplattform bringt Umzugswillige mit potenziellen Nachmietern zusammen. Davon profitieren alle Seiten: Wer ein neues Domizil sucht, spart Courtage. Wer auszieht, bringt seine alte Bleibe und eventuelle Einbauten Erlös bringend unter den Hammer. Und Yoom kassiert 10 % des Versteigerungserlöses. Einzige Verlierer: die Makler.

Ein Wohnungswechsel ist teuer. In der alten Wohnung bleiben oft Einbauküche und maßgefertigte Schränke zurück, ohne vom Nachmieter angemessen bezahlt zu werden. Und vor dem neuen Domizil hält meist ein Makler die Hand auf.

Malte Niebuhr, Martin Schmidt, Andreas Ramm und den Brüdern Christian und Jan Hendrik von Ahlen wurde dieses Treiben irgendwann zu bunt. „Wir sind alle leidgeprüfte Mieter“, so Niebuhr. In Hamburg und anderen Städten hätten sie immer wieder erlebt, wie Makler praktisch ohne Gegenleistung abkassieren. Niebuhr selbst hat verschiedene Perspektiven der Branche kennengelernt. Seine Familie vermietet seit Generationen, er war in einer Verwaltung tätig und schlüpfte vorübergehend auch in die Maklerrolle. Dabei begegneten ihm viele Mauscheleien zu Ungunsten der Mieter. Mal schoben Verwaltungen sich überkreuz Mieter zu, um Courtage zu kassieren oder Makler und Eigentümer waren Ehepartner. „Die eigentliche Leistung eines Maklers ist seine Vernetzung – und die ist gerade in angespannten Wohnungsmärkten deutlich überbezahlt“, so der Gründer.

Zusammen mit seinen Partnern setzte er sich Anfang 2008 zusammen, um ein mieterfreundliches und effizientes Modell für Wohnungswechsel zu entwickeln. Heraus kam Yoom.de – ein Immobilienportal mit angeschlossenem Auktionshaus. Mieter, die ausziehen wollen, können kostenlos inserieren und auszulösende Einrichtungsgegenstände unter den Interessenten versteigern. Fällig wird das Gebot nur dann, wenn der Interessent tatsächlich einen Mietvertrag erhält. In diesem Fall wird eine Gebühr von 10 % der Versteigerungssumme an Yoom.de fällig.

„Die Vormieter sind gehalten, realistische Werte für die auszulösenden Gegenstände anzugeben“, stellt Niebuhr klar. Zusätzlich könnten sie Umzugskosten verlangen. Die anfängliche Sorge, dass sich Auktionen bei besonders begehrten Wohnungen zu Preisen jenseits von Maklercourtagen hoch schaukeln, sei nicht eingetreten. „In der Regel zahlen Nachmieter bei uns etwa die Hälfte marktüblicher Provisionen, bekommen dafür aber einen realen Gegenwert“, sagt er. Zudem sei das Geld nicht verloren. Denn wer pfleglich mit der Wohnung umgeht, kann bei einem späteren Auszug seinen Einsatz über Yoom.de zumindest teilweise wieder reinholen.

Mit diesem Argument werben die Gründer auch bei Hausverwaltungen für ihr Angebot. „Die Mieter haben ein sehr viel stärkeres Eigeninteresse am Zustand der Wohnung, als bisher“, erklärt Niebuhr. Und wem ein fairer Abstand winke, dem fielen auch Investitionen in die Wohnung leichter.

Bequem ist Yoom.de für die Vermieter auch, weil ihnen weder Aufwand noch Kosten entstehen. Denn die Mieter setzen die Wohnung mit Photos auf dem Portal in Szene, organisieren selbst Besichtigungstermine und sammeln dort übliche Unterlagen wie Gehaltsnachweise von den Interessenten ein. Nach der Besichtigung übermittelt dann der bisherige Mieter die interessantesten Gebote an den Vermieter.

Derzeit sind die Gründer dabei, ihr Webportal anhand praktischer Erfahrungen zu optimieren. Doch das ist nach insgesamt 15 Monaten Entwicklungsphase mit einem IT-Dienstleister weitgehend geschafft. Nun kommt es darauf an, Yoom.de schnell bei Endkunden bekannt zu machen und um Vertrauen bei Hausverwaltungen und Wohnungseigentümern zu werben. Nach dem Start in Hamburg, wo bereits Dutzende Mieterwechsel über Yoom.de abgewickelt wurden, liegt der Fokus auf Großstädten wie München, Frankfurt oder dem Köln-Düsseldorfer Raum. „Uns ist bewusst, dass die Zahl an Inseraten schnell zunehmen muss, um Frustrationen bei den Nutzern zu vermeiden und negativer Mundpropaganda vorzubeugen“, so Niebuhr. Noch kämen oft 100 Interessenten auf eine Wohnung. Damit sich das ändert, will das Start-up in den Zielmärkten schnell ein jeweils dauerhaft dreistelliges Wohnungsangebot erreichen. Nach und nach wollen sie dann in die Fläche gehen.

Der Etat dafür steht bereit: Earlybird Venture Capital hat dem Quintett gerade einen mittleren einstelligen Millionenbetrag zur Wachstumsfinanzierung bereitgestellt. Begründung von Earlybird-Partner Christian Nagel: „Yoom.de hat das Potenzial, eine Marktineffizienz zu beseitigen – nämlich hohe Maklercourtagen ohne wahrnehmbare Gegenleistung.“ PETER TRECHOW

Von Peter Trechow
Von Peter Trechow

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